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Region Neumarkt
Samstag, 25. November 2017 5

Medien

Bibliothek kämpft gegen Netflix & Co.

Mit neuen Impulsen will sich die Bücherei in Neumarkt gegen die neue Konkurrenz durchsetzen – was nicht ganz so einfach ist.
Von Bernhard Neumayer

  • Angela Hollweck (r.) scannt die Bücher einer Besucherin. Die Einführung des EDV-Systems in der Stadtbibliothek war ein Meilenstein. Foto: Neumayer
  • Anmelden und Ausleihen funktioniert am Eingangsbereich. Foto: Neumayer

Neumarkt.House of Cards auf Netflix, Family Guy auf Amazon Prime, Dan Browns neuesten Roman „Origin“ als eBook und den aktuellsten Song „Perfect“ von Ed Sheeran auf Spotify streamen – die Konkurrenz der klassischen Medien Buch und CD ist mittlerweile riesig. Dennoch ist der Leiter der Stadtbibliothek Neumarkt, Bernhard Gruber, überzeugt, dass das Buch und seine Bücherei auch in Zukunft nicht aussterben werden. Seit 80 Jahren gibt es die Stadtbibliothek in Neumarkt. 1937 wurde sie gegründet. Damals war sie noch in einem Raum der Mädchenrealschule untergebracht.

Lesen Sie hier: Neumarkter Bücherei setzt auf Streaming.

Konkurrenz von Netflix und Co. war da lange noch nicht in Sicht. Doch seit ein paar Jahren hat die Bücherei immer mehr Mitstreiter. „Natürlich sind Netflix und Amazon für uns eine Konkurrenz“, gibt Gruber zu, der dieses Jahr ein Doppeljubiläum feiern kann. Neben 80 Jahren Stadtbibliothek ist er seit mittlerweile 20 Jahren der Leiter. Das Medienverhalten habe sich nicht nur in den vergangenen Jahren geändert, meint er. Auch vor Netflix gab es Konkurrenz – nur in anderer Form.

Bernhard Gruber leitet die Stadtbibliothek. Foto: Neumayer

„Wir sind unter Zugzwang.“

Bernhard Gruber, Leiter der Stadtbibliothek

„Wir sind unter Zugzwang“, sagt Gruber. Es sei natürlich sehr komfortabel, vom heimischen Sofa aus Musik zu streamen oder die neueste Serie herunterzuladen. „Allerdings kostet das was“, betont der 64-Jährige. Die Nutzung der Stadtbibliothek ist kostenlos. DVD’s gibt es zum Ausleihen, und seit April 2017 können alle Bibliothekskunden drei Stunden täglich Musik streamen und bis zu drei Lieder pro Woche downloaden – ohne einen Cent zahlen zu müssen.

Dieses breite Angebot gab es unter der Leitung von Gertrud Pauly noch nicht. Sie leitete als erste Bibliothekarin die Stadtbibliothek von 1974 bis 1996. Pauly trieb die Katalogisierung in der Bücherei voran. Auch heute besucht die 81-Jährige noch gerne die Bibliothek. „Ich bin aber etwas traurig, dass die Studienbibliothek mit Nachschlagewerken wie dem Brockhaus größtenteils weggefallen ist“, sagt sie auf Nachfrage unserer Zeitung.

Sehen Sie im Video, welche Lektüre Bibliotheksleiter Bernhard Gruber empfiehlt:

Diese Lektüre empfiehlt der Bibliothekars-Leiter

Die Studienbibliothek musste der Zeitschriftenabteilung inklusive neuer Kaffeebar weichen. „Diese Abteilung wird sehr gut angenommen“, sagt Gruber. Um die Bibliothek in Schwung zu bringen, führt Gruber auch die von Pauly 1984 eingeführte Literaturwoche fort.

„Er ist der Grandseigneur der Neumarkter Stadtbibliothek und führt diese beständig und gut seit zwei Jahrzehnten.“

Barbara Leicht, Kulturamtsleiterin

Auch deshalb trägt die Stadtbibliothek einen Teil zur Kulturstadt Neumarkt bei, wie Kulturamtsleiterin Barbara Leicht sagt: „Sie ist essenzieller Bestandteil des Kultur- und Bildungsangebotes der Stadt.“ Auch bei der Kulturnacht Ende September fanden in der Bücherei Veranstaltungen statt. Dem Image von alten und unappetitlichen Büchern, das einige Besucher der Stadtbibliothek nachsagen, widerspricht sie. „Der Ansturm der Leser ist das beste Zeichen für den Erfolg“, sagt Leicht, die zu Grubers persönlichem Jubiläum nur lobende Worte für den Leiter findet: „Er ist der Grandseigneur der Neumarkter Stadtbibliothek und führt diese beständig und gut seit zwei Jahrzehnten.“

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Gruber selbst verschließt vor dem Ruf der veralteten Stadtbibliothek nicht die Augen und sagt: „Wir wollen diesem Image entkommen.“ In einem Fünf-Jahres-Zyklus werden beispielsweise die Reiseführer ausgetauscht. „Dass wir veraltet sind, stimmt aber nicht“, betont Gruber. Wenn etwas aufgrund häufiger Benutzung oder wegen Kaffeeflecken nicht mehr gut aussieht, komme es weg und werde durch aktuelle Medien ersetzt. Dafür sorgen Gruber und seine Mitarbeiterinnen. Auf Grundlage eines Informationsdienstes bekommt die Stadtbibliothek Listen mit neuen Medien.

In der Weiherstraße 7 ist der Eingang der Stadtbibliothek. Foto: Neumayer

Anhand dieser Auflistung und mit Hilfe von Bestsellerlisten und Verlagsprospekten treffen die Bibliothekare eine Auswahl, welches Buch auch tatsächlich im Regal der Stadtbibliothek landet.

In den Regalen der Bücherei stöbert auch Thomas Leykam gerne. Der Neumarkter Büchereireferent und Stadtrat nutze ab und zu seine Mittagspause, um nach neuem Lesestoff zu suchen. „Die Stadtbibliothek ist eine der am stärksten frequentierte öffentliche Einrichtung in der Stadt“, sagt Leykam. Von der Kinderabteilung mit Vorlesenachmittagen oder Unterhaltungsliteratur für Erwachsene biete die Bücherei für alle Altersschichten etwas an.

Besonders die Erwachsenen werden sich noch an ihre Schulzeit erinnern, als sie den heute noch grünen Teppichboden der Stadtbibliothek mit ihrem kleinen Ausweis betraten und Bücher ausleihen wollten. Bevor 1998 die Umstellung auf ein EDV-System abgeschlossen war, mussten jedes Buch, der Büchereiausweis und die Karte mit der Leihfrist vor einer Ausleihe fotografiert werden. Es ist Grubers Verdienst, dass heute nur noch ein Scanner notwendig ist, um zu ermitteln, welches Buch von welchem Nutzer ausgeliehen wird.

Stellvertreterin hat keine Ambition

„Origin“ ist der neueste Roman von Dan Brown. Franziska Spangler (r.) und Doris Weidinger stellen ihn vor. Foto: Neumayer

„Das war schon ein Meilenstein“, sagt Gruber rückblickend, der im Mai 2018 auch auf seine gesamte Zeit als Leiter der Stadtbibliothek blicken kann. Dann tritt Gruber in den Ruhestand. Wer sein Nachfolger wird, steht noch in den Sternen. Seine aktuelle Stellvertreterin, Franziska Spangler, will den Posten nicht übernehmen. „Ich bin zwar gefragt worden, möchte es aber nicht machen“, sagt sie auf Nachfrage unserer Zeitung. „Ich fühle mich in meiner Rolle wohl.“ Klar ist, dass ein Externer Grubers Posten übernehmen wird. „Die Stelle ist ausgeschrieben“, sagt Leykam. Wer in Zukunft das Image der Bibliothek pflegen soll, ist noch unklar.

Lesen Sie mehr: „Strebernoten“ für die Stadtbibliothek

Lesen Sie hier: Zum Plantschen gibt es ein Buch dazu.

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