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Region Neumarkt
Freitag, 19. Januar 2018 3

Religionsfreiheit

Christen werden weltweit verfolgt

In Neumarkt wollen Christen auf das Los von Millionen Glaubensgenossen aufmerksam machen. Doch das birgt auch Fallstricke.
von Wolfgang Endlein

Nicht in allen Staaten weltweit ist das Kreuz als Zeichen des christlichen Glaubens in der Öffentlichkeit wohlgelitten. Foto: Shahzaib Akber/dpa/Endlein

Neumarkt.„Ich habe damals nicht an Gott geglaubt“, sagt Mansoureh Schodjaie Haghighi an einer Stelle ihrer Erzählung. Einer Erzählung, die davon handelt, dass die 47-Jährige aus dem Iran nach Deutschland floh, weil sie schließlich doch ihren Glauben an Gott gefunden hat. Das Problem: Es ist in den Augen des iranischen Staates der falsche Gott.

„Im Iran habe ich um mein Leben gefürchtet“, sagt die geflüchtete Christin Mansoureh Schodjaie Haghighi Foto: Endlein

Mansoureh Schodjaie Haghighi ist Christin und musste deswegen aus dem Iran fliehen, wie sie sagt. „Ich habe mich dort nicht mehr sicher gefühlt.“ Gefängnis, ja dem Gesetz nach sogar der Tod hätten ihr dort gedroht als einer Muslimin, die zum Christentum konvertiert ist. 2013 brachte ein Schleuser sie und ihre Zwillingsschwester für 11 000 Euro in die Türkei, von dort aus ging es nach Deutschland. Hier beantragten beide Asyl. Inzwischen leben sie in Neumarkt, wo sie auch nochmals getauft wurden.

Ausstellung im „Neuen Markt“

Wie Mansoureh Schodjaie Haghighi geht es vielen Christen auf der Welt. Ihre Religionsfreiheit ist eingeschränkt, bisweilen ist das sogar mit derartigen körperlichen und psychischen Repressalien verbunden, dass sie gezwungen sind, ihr Land zu verlassen. An dieses Schicksal will seit Jahren der „Ökumenische Arbeitskreis Religionsfreiheit“ in Neumarkt erinnern. Vom 8. bis 12. Januar tut er dies mit einer Fotoausstellung „Verfolgte Christen weltweit“, die im „Neuen Markt“ zu sehen sein wird.

Pfarrer i. R. Ernst Herbert ist Mitglied im „Ökumenischen Arbeitskreis Religionsfreiheit“ in Neumarkt. Foto: Endlein

Aber nicht nur um die Religionsfreiheit der Christen gehe es dem Arbeitskreis, betont Pfarrer Ernst Herbert, einer der führenden Köpfe der Gruppe. „Das Ziel Nummer eins ist der Einsatz für die Religionsfreiheit an sich.“ Egal, welche Religionsgruppe davon betroffen sei.

Mehr über die Ausstellung und das Rahmenprogramm erfahren Sie hier:

Ausstellung und Rahmenprogramm

  • Ausstellung:

    Vom 8. bis 12. Januar ist die Fotoausstellung „Verfolgte Christen weltweit“ im „Neuen Markt“ zu sehen. Auf Aufstellern werden einige der Brennpunktländer in kurzen Porträts und zahlreichen Fotos vorgestellt. Konzipiert hat die Ausstellung die Organisation „Kirche in Not“, ein internationales katholisches Hilfswerk, deren deutscher Vertretung der Eichstätter Bischof Gregor Maria Hanke voransteht.

  • Rahmenprogramm:

    Am 8. Januar wird die Ausstellung um 16 Uhr eröffnet, um 20 Uhr gibt es im Johanneszentrum den Vortrag „Christenhass in der islamischen Welt – Orient-Christen vor dem Aus?“. Referent ist Berthold Pelster, Menschenrechtsreferent von „Kirche in Not“. Zum Abschluss der Ausstellung am 12. Januar findet um 16.15 Uhr ein Fackelzug zum Münster statt, wo ein ökumenisches Lichterfest gefeiert wird.

„Es ist aber auch nicht so, dass wir uns pausenlos legitimieren müssen, indem wir sagen, dass auch andere Religionsgruppen verfolgt werden.“ Im Fokus stünden schon die christlichen Glaubensgenossen. Zugleich sagt Herbert aber auch, dass man sich immer genauestens informieren müsse, um nicht vereinnahmt zu werden. Der evangelische Pfarrer im Ruhestand weiß um die Untiefen, die es bei dem Thema zu umschiffen gilt. „Das ist nicht einfach.“

Der „Ökumenischen Arbeitskreis Religionsfreiheit“ lädt immer wieder Redner nach Neumarkt ein, die über die Lage verfolgter christlicher Minderheiten berichten. Wie beispielsweise der koptische Bischof Anba Damian.

Nur allzu leicht könnte der Einsatz für verfolgte Christen in Ressentiments gegen andere ethnische und religiöse Gruppen münden. Insbesondere gegenüber Muslime. Etwas, was dem Arbeitskreis fern liege, wie Herbert betont.

Nichtsdestotrotz müsse er konstatieren, dass die meisten Christen in muslimisch dominierten Ländern verfolgt würden, sagt Herbert. Das sei so, seit die Radikalen in vielen muslimischen Ländern das Sagen übernommen hätten.

Mehr über Länder, in denen Christen verfolgt werden, lesen Sie hier.

Im alljährlich erscheinenden Weltverfolgungsindex 2017 der evangelikalen Organisation Open Doors dominieren muslimisch geprägte Länder die vorderen Plätze in der Rangliste. Auf den Index stützt sich auch Herbert. Jedenfalls zu einem gewissen Teil. Er weiß auch, dass die Veröffentlichungen von Open Doors umstritten sind. Vor allem die Zahl 200 Millionen. So viele Christen sind laut Open Doors weltweit verfolgt.

Futter für Rechtspopulisten

Kritiker – übrigens auch die beiden Amtskirchen – sehen in der schlagzeilenträchtigen Zahl, deren Zustandekommen nicht überprüfbar sei, eine unzulässige Verkürzung. So entstehe ein fragwürdiges, weil pauschalisierendes Islambild, das gewollt oder ungewollt rechtspopulistischen Strömungen das Wort rede.

Am grundsätzlichen Umstand, dass Christen verfolgt werden, – übrigens führt Nordkorea die Open-Doors-Rangliste an – und das auf deren Schicksal aufmerksam gemacht werden muss, haben aber auch die meisten Kritiker keinen Zweifel. Die Ausstellung im „Neuen Markt“, die von der katholischen Organisation „Kirche in Not“ stammt, soll genau das erreichen.

Dass solche Aktionen und die vom ökumenischen Arbeitskreis seit vielen Jahren organisierten Unterschriftensammlungen für einzelne verfolgte Christen durchaus Wirkung zeigen, davon ist Herbert überzeugt. Als Beispiel nennt er den Fall des evangelischen Pastors Yousef Nadarkhani, der im Iran wegen „Abfalls vom islamischen Glauben“ zum Tod verurteilt wurde. Internationaler Druck, unter anderem auch durch Unterschriften aus Neumarkt, habe dessen Freilassung bewirkt.

Insgesamt sei das Los verfolgter Christen inzwischen präsenter in der öffentlichen Wahrnehmung, sagt Herbert. Noch vor fünf Jahren habe das anders ausgesehen. „Steter Tropfen höhlt den Stein.“

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