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Region Neumarkt
Montag, 22. Januar 2018 10

Aktion

Das große Christbaum-Sammeln

Die Neumarkter Pfadfinder und ihre Helfer holen Jahr für Jahr ausgediente Weihnachtsbäume ab – bis zu 10 000 Exemplare.
Von Luis Münch

  • Kräftig anpacken mussten die Helfer der Sammelaktion am Samstag. Foto: Münch
  • Alle Bäume am Straßenrand wurden eingesammelt. Foto: Münch
  • Handschuhe waren wegen der stacheligen Nadeln gerne im Einsatz. Foto: Münch
  • Von Haus zu Haus zogen die Helfer. Foto: Münch

Neumarkt.Ob in Geschenkpapier verpackt oder in Töpfen steckend – so standen sie am Samstag vor den Türen der Neumarkter, die abgeleerten Christbäume, die nach dem Weihnachtsfest jetzt endgültig ausgedient haben. Damit sich die Leute nicht selbst um die Entsorgung der nadelnden Bäume kümmern müssen, sammelten die Pfadfinder der Deutschen Pfadfinderschaft St. Georg (DPSG) die Christbäume ein.

Ab 8.30 Uhr waren neben den Pfadfindern auch die fleißigen Helfer der VCP-Siedlung Neumarkt, des THW Neumarkt, der Wasserwacht und die „Pöllinger Bixn und Burschn“ im Stadtgebiet im Einsatz. Die Aktion gibt es schon so lange, „dass wir selbst nicht mehr wissen, wie das Ganze eigentlich entstanden ist. Mittlerweile ist es jedenfalls zum Selbstläufer geworden“, sagt Matthias Platzek von Pfadfindern St. Georg. Seit 30 Jahren gehen die Pfadfinder am Samstag nach dem Dreikönigstag von Tür zu Tür und sammeln die Christbäume ein – Spenden bekommen die Pfadfinder dafür nicht nur von Bürgern, die diesen Dienst in Anspruch nehmen. „Viele haben keinen Christbaum, spenden aber trotzdem, weil sie die Aktion toll finden“, sagt Martin Neumann von den Pfadfindern.

Der Inhalt der Spendendosen kommt der Jugendarbeit zugute. Foto: Münch

Von den Spenden profitiert die Pfadfinderjugend. „An der Jugendarbeit wird gerne gespart. Es mangelt an Zuschüssen“, sagt Platzek. Die Zuschüsse reichten nicht immer ganz aus und könnten auch ein wenig mehr sein, so Platzek. Mit dem Geld sollen unter anderem Zeltlager-Fahrten bezuschusst werden. 70 bis 80 Helfer waren am Samstag im Einsatz – „und die brauchen wir auch.“ Mit insgesamt 15 Lastwagen, die Firmen kostenlos zur Verfügung gestellt hatten, wurden die Christbäume abtransportiert. Zwischen 8000 und 10 000 Bäume kommen jedes Jahr ungefähr zusammen, sagt Platzek.

Der größte Baum ist drei Meter hoch

Der größte Baum, den die Pfadfinder am Samstag einsammelten, war etwa drei Meter groß – der kleinste Baum maß nicht einmal einen halben Meter, sagt Martin Neumann.

Auch besondere Erlebnisse gibt es immer wieder – wenn es etwa wie in den vergangenen Jahren vor dem Abholen geschneit hat, stecken viele Bürger den Baum in den Schnee. „Die Christbäume bekommst du dann teilweise nicht mehr raus“, sagt Platzek. Viele Christbäume würden auch eingepackt vor der Haustüre stehen. Am Samstag gab es sogar einen, der in Geschenkpapier eingepackt war.

„Die Leute freuen sich über die Aktion. Die rechnen auch fest damit, dass wir den Christbaum holen.“

Christian Schimek

Über die Aktion „freuen sich die Leute“, sagt Christian Schimek, der am Samstag ebenfalls als Helfer aktiv ist, als er in den Lastwagen steigt, um die nächste Straße abzufahren. „Die rechnen auch fest damit, dass wir den Christbaum holen.“ Manche Neumarkter beteiligen sich aber auch nicht. „Die wollen den Baum verschüren – oder noch länger stehenlassen“, sagt Neumann, während er einen Christbaum auf die Ladefläche packt. Negative Reaktionen wie „Ich habe keinen Baum, was wollt ihr?“ oder „Spenden gibt es nicht“ seien eher selten. Bürger, die bei der Abholung nicht zuhause sind und den Baum vor die Haustür gestellt haben, bekommen einen Flyer.

Verschiedene Firmen stellten kostenlos die Lastwagen zur Verfügung. Foto: Münch

Thomas Knipfer nutzt den Abholservice gerne – auch an diesem Samstag. „Ich finde die Aktion gut. Seit wir davon erfahren haben, lassen wir unseren Baum jedes Jahr abholen“, sagt er im Gespräch mit unserem Medienhaus. Die Aktion sei auch eine schöne Gelegenheit für einen Zuschuss. „Man gibt da gerne ein bisschen was her“, so Knipfer. Man könne die Bäume zwar auch selbst zusammenschneiden, doch er überlasse die Entsorgung lieber den Pfadfindern. Während erwachsende Helfer mit dem Lastwagen die Straßen abfahren und die Bäume aufladen, klingeln die Kinder und andere Helfer an den Türen. In manchen Hochhäusern klingeln die Pfadfinder bei 50 Wohnungen und entsorgen die Bäume. „Einige spenden dann aber nichts. Wir entsorgen die Bäume dort quasi umsonst“, sagt Schimek.

Die Neumarkter Pfadfinder

  • Gründung:

    Seit 1994 gibt es die Deutsche Pfadfinderschaft St. Georg (DPSG) Neumarkt. Zu ihren Hauptaufgaben gehört grundsätzlich die Jugendarbeit – dazu zählen miteinander draußen sein, Zeltlager, Kochen oder Fußball.

  • Aktionen:

    Die Aktionen der Pfadfinder sind vielfältig. Das Einsammeln der Christbäume am Samstag nach dem Dreikönigstag ist aber jedes Jahr die größte Aktion. Gesammelt wurde in den Stadtteilen Altenhof, Hasenheide, Holzheim, Kohlenbrunnermühle, Koppenmühle, Mühlen, Pölling, Woffenbachund Wolfstein.

Früher fuhren pro Lastwagen sechs, sieben Kinder mit – heute sei man froh, wenn zumindest vier pro Lastwagen dabei seien. „Als ich früher selbst noch gesammelt habe, sind wir in den Wagen mit dringelegen“, erinnert sich Schimek schmunzelnd mit Blick auf den mit Bäumen gefüllten Lastwagen. In Erinnerung blieben ihm dabei vor allem die stacheligen Nadeln. Am späten Nachmittag sind alle Lastwagen voll, die Helfer geschafft. Schluss ist aber noch nicht. Jetzt müssen noch die Lastwagen saubergemacht und vollgetankt werden – dann ist endlich Feierabend.

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