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Region Neumarkt
Dienstag, 21. November 2017 5

Behinderung

Der steinige Weg zur Inklusion

Auch in Neumarkt gibt es noch Luft nach oben. Der Beirat für Menschen mit Behinderung organisiert sich nun neu.
Von Johannes Heil

  • Seit dem Jahr 2002 gibt es in Neumarkt den Beirat für Menschen mit Behinderung. Foto: Maurer/dpa, Heil
  • Die sechs gewählten Mitglieder des Beirats für Menschen mit Behinderung und ihre Stellvertreter. Stadtrat Bernhard Lehmeier ist das siebte Mitglied.

Neumarkt.Der Beirat für Menschen mit Behinderung wurde gestern Abend neu gewählt. Bislang standen Walter Rackl und Sebastian Schauer dem Gremium vor. Beide stellten sich nun aber nicht mehr zur Wahl. Sechs neue gewählte Mitglieder (siehe Infokasten) wollen sich ab sofort für die Belange von Menschen mit Behinderung in Neumarkt einsetzen. Der neue Vorsitzende wird erst noch ermittelt.

Am 3. Mai 2008 trat die UN-Behindertenrechtskonvention in Kraft. Sie erklärte die Inklusion als Menschenrecht für Menschen mit Behinderung. In Neumarkt setzt sich der Beirat für Menschen mit Behinderung für diese Rechte ein. Alle drei Jahre wird er neu gewählt.

Gegenseitiges Verständnis nötig

Der scheidende Vorsitzende Sebastian Schauer sieht den Beirat als einen positiven Einfluss auf die Stadtpolitik. „Der Beirat ist eingebunden in Bauprojekte und wird zur Einschätzung der Barrierefreiheit hinzugezogen“, sagt er. Beispiele aus der jüngsten Vergangenheit seien hier das Ganzjahresbad und der Stadtpark. Für die Zusammenarbeit zwischen Beirat und Stadt sei vor allem gegenseitiges Verständnis vonnöten. „Es braucht Zeit, Lösungen zu finden, mit denen alle leben können“, sagt er. Um diese auszuarbeiten, trifft sich der Beirat vierteljährlich. „Für die Zukunft wäre es gut, wenn der Beirat noch mehr zu einem Selbstvertretungsgremium werden würde“, sagt Schauer. Also ein Gremium, in dem Menschen mit Behinderung letztlich selbst für ihre Rechte eintreten.

In dem Beirat ist auch Regens Wagner seit vielen Jahren aktiv. Gudrun Faltus von Regens Wagner Neumarkt sieht, was die Belange von Menschen mit Behinderung betrifft, grundsätzlich noch ein Problem in der öffentlichen Wahrnehmung. „Körperbehinderte Rollstuhlfahrer werden als Menschen mit Behinderung wahrgenommen“, sagt Faltus. Anders sehe das aber bei Sinnesbeeinträchtigungen und geistigen Behinderungen aus. Dies sei auch auf die Inklusion zu übertragen: Während für die Körperbehinderten schon sehr viel getan worden sei, gebe es auf den anderen Feldern noch gehörig Nachholbedarf. „Vor allem in Sachen leichter Sprache ist noch viel zu tun“, sagt Faltus.

Hier finden Sie das Ergebnis der Wahlen:

Die Wahlen

  • Wechsel:

    An der Spitze des Beirats für Menschen mit Behinderung wird es eine Veränderung geben. Der bisherige Vorsitzende Walter Rackl kann das Amt aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr ausüben. Der neue Vorsitzende wird am 23. Oktober ermittelt werden.

  • Neue Mitglieder:

    Kerstin Schubert, Claudia Franke, Johannes Baum , Tanja Hanßen, Jürgen Rüd und Sylvia Smatloch wurden in das Gremium gewählt. Petra Rupp, Karl Ferstl und Stephan Melch sind Stellvertreter. Stadtrat Bernhard Lehmeier ist das siebte Mitglied des Gremiums.

Noch viel Luft nach oben

In Sachen Teilhabe gebe es ebenfalls noch viel Luft nach oben. Bis eine vollständige Inklusion behinderter Menschen erreicht werde, würden noch zwei bis drei Generationen vergehen. Über die Arbeit des Beirats sagt sie: „Der Beirat wird durchaus gehört, doch er muss sich aktiv Gehör verschaffen.“ Vor allem beim Thema bezahlbarer Wohnraum für Behinderte gebe es Probleme. „Es ist nicht immer leicht, etwas zu bewegen, doch unter dem Strich funktioniert die Zusammenarbeit sehr gut“, konstatiert sie.

Dass die Belange der behinderten Menschen bei der Stadt präsent sind, dafür sorge laut Faltus in erster Linie Bernhard Lehmeier. Der Referent für Menschen mit Behinderung ist Mitglied in dem Beirat für Menschen mit Behinderung. „Es ist viel passiert in den vergangenen Jahren“, sagt Lehmeier. Vor allem in den öffentlichen Einrichtungen, die mittlerweile alle barrierefrei sind. „Der Beirat ist sehr engagiert.“ Verbesserungsbedarf sieht er aber durchaus noch: „Es gibt immer etwas zu tun.“ Vor allem in der Innenstadt solle dem groben Kopfsteinpflaster, das für Rollstuhlfahrer sehr beschwerlich ist, zu Leibe gerückt werden.

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Was schon erreicht wurde und was es noch zu tun gibt:

Sympathieblume:

Seit dem Jahr 2010 zeichnet der Beirat für Menschen mit Behinderung jährlich zwei Projekte mit der sogenannten „Sympathieblume“ aus. Diese Projekte tragen in besonderer Weise zur Integration von Menschen mit Behinderung und zur Steigerung der Barrierefreiheit bei.

Bunte Lebenswelten:

Foto: Regnet

Mit der Veranstaltung auf dem Neumarkter Rathausplatz will der Beirat gemeinsam mit anderen Institutionen über die Lebenssituation von Menschen informieren, die aufgrund einer Behinderung oder wegen ihres Alters an einer vollen Teilhabe eingeschränkt sind.

Ganzjahresbad:

Foto: Endlein

Bei Projekten der Stadt hat der Beirat für Menschen mit Behinderung eine beratende Funktion, was die Barrierefreiheit der neuen Anlagen betrifft. So seien aktuell Ganzjahresbad und Stadtpark diesbezüglich auf der Tagesordnung, sagt Ex-Vorsitzender Sebastian Schauer.

Verbesserungen:

Foto: dpa

In der Stadt finden regelmäßig Begehungen statt, um festzustellen, wo noch Verbesserungsbedarf bestehe, sagt Schauer. In Folge dieser Kontrollen seien bislang beispielsweise Fußgängerampeln behindertengerecht gemacht und das Kopfsteinpflaster saniert worden.

Leichte Sprache:

Foto: dpa

Leichte Sprache soll Menschen mit geistiger Behinderung das Verstehen komplizierter Texte erleichtern. Die Sätze sind kurz und enthalten nur eine inhaltliche Aussage. Hier gibt es in Neumarkt noch viel Nachholbedarf, sagt Gudrun Faltus von Regens Wagner Neumarkt.

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