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Region Neumarkt
Montag, 23. Oktober 2017 5

Ehrenamt

Die Feuerwehrfrauen behaupten sich

Etwa jeder siebte Aktive bei der Wehr ist eine Frau. Auf Einladung des Landesfeuerwehrverbands waren sie in Neumarkt.
Von Heike Regnet

Dr. Peter Krommes (re.) demonstriert eindrucksvoll, wie schnell Explosionen entstehen können. Der Feuerlöscher war stand immer parat. Foto: Regnet

Landkreis.„Ich würde empfehlen, die Ohren zuzuhalten“, sagt Dr. Peter Krommes, während er sich Ohrstöpsel in die Ohren steckt. Gebannt blicken die Feuerwehrfrauen auf das Plastikfläschchen auf dem Tisch, in dem sich ein Viertel Tropfen Benzin befindet. Durch Reibung an einem Stab erzeugt der Referent statische Elektrizität. Er nähert sich dem Fläschchen, es knallt und die Plastikflasche schießt durch den Raum.

„Respekt vor den kleinen Dingen!“, lautet der Appell von Dr. Krommes an die etwa 60 Feuerwehrfrauen, die an diesem Samstag aus ganz Bayern zu einem Seminar nach Neumarkt angereist waren. So manche Brände oder Explosionen ließen sich verhindern, wenn die Menschen etwas achtsamer und vorsichtiger wären, weiß der Sachverständige aus seiner langjährigen Erfahrung. Zahlreiche Experimente hat er zur Fortbildung mitgebracht. Es knallt nicht nur einmal während seines Vortrags. „Wir sind umgeben von Verboten und Hinweisen“, sagt Dr. Krommes. „Fragen Sie nach dem Warum. Denn wenn man‘s versteht, hält man sich auch dran.“

Monika Zang: „Mein Bruder und viele in meinem Freundeskreis waren bei der Feuerwehr Mühlhausen. Da bin ich mit 14 Jahren auch dazu gegangen und bis heute dabei geblieben. Der Zusammenhalt ist einfach super, es macht Riesenspaß. Alle helfen zusammen. Wir sind einfach eine tolle Mannschaft.“ Foto: Regnet

Einmal im Jahr lädt der Landesfeuerwehrverband Bayern die Frauenbeauftragten und -sprecherinnen der bayerischen Feuerwehren zu einem Seminar ein. „Da Neumarkt ziemlich zentral liegt, halten wir das Treffen dieses Mal hier ab“, sagt Landesfrauenbeauftragte Andrea Fürstberger. Drei Vorträge stehen auf dem Programm. Neben dem Experimentalvortrag mit Dr. Krommes informiert Jürgen Weiß über das Auftreten in der Öffentlichkeit, die Trageweise der Orden- und Ehrenzeichen sowie Abzeichen auf der Dienstkleidung. Diakon Matthias Holzbauer schließlich legt den Fokus auf Möglichkeiten der psychosozialen Prävention und Resilienz von Feuerwehreinsatzkräften.

Michaela Stoll: „Mit 27 Jahren bin ich zur Feuerwehr Berching. Das ist jetzt 21 Jahre her. Heute bin ich Vorsitzende. Damals wurde eine Damengruppe gegründet. Im Augenblick sind wir über 20 Frauen bei der Feuerwehr. Wir absolvieren Übungen, rücken mit aus und sind da, wenn wir gebraucht werden.“ Foto: Regnet

„Es ist schon so, dass oft die Frauen beim Einsatz am Unfallort die Betreuung der Verunfallten übernehmen – vor allem, wenn es sich um Kinder handelt“, sagt Fürstberger. Doch es gehe nicht nur um die Betreuung der Unfallopfer oder deren Angehörige, auch die Feuerwehrmitglieder müssten nach einem Einsatz mit dem Erlebten zurechtkommen und die Eindrücke verarbeiten. Die Angebote zur Einsatzvor- und -nachsorge standen daher beim Seminar ebenso im Fokus.

KBR Anton Bögl: „Ich kann mich noch sehr gut daran erinnern, als ich 1982 Schiedsrichter wurde, hatten wir auch die erste Frauengruppe zu prüfen. Es waren die Feuerwehrfrauen aus Pelchenhofen und die Prüfung haben sie natürlich alle bestanden. Dass Frauen bei der Feuerwehr sind, ist optimal.“ Foto: Regnet

26000 Feuerwehrfrauen gibt es derzeit in Bayern, 320 000 Feuerwehrmänner. „Im Landkreis zählen wir 7870 Feuerwehrleute, davon 1182 aktive Feuerwehrfrauen“, sagt Kreisbrandrat Anton Bögl. Außerdem gebe es 126 Jugendgruppen mit 1200 Aktiven, davon 449 Mädchen.

2016 lief die bayernweite Kampagne „Gute Gründe für mehr Frauen bei der Feuerwehr“, die Andrea Fürstberger mitgestaltet hatte. „Gerade weil Männer und Frauen unterschiedlich sind, brauchen wir Frauen bei der Feuerwehr“, heißt es in der Broschüre. „Wer die Familie organisiert, behält auch im Einsatz den Überblick“, sagt Fürstberger. Zudem kommunizierten Frauen anders als Männer. „Frauen sind einfach die perfekte Ergänzung für jede Mannschaft.“

Christine Hafner: „Beim Jubiläum der Staufer Feuerwehr 1996 war ich Festdame und danach bin ich dann Feuerwehrmitglied geworden. Unser damaliger Kommandant Silberhorn wollte eine Damenlöschgruppe gründen und so hat alles begonnen. Der Gemeinschaftssinn bei uns ist einfach super.“ Foto: Regnet

Seit 25 Jahren ist Andrea Fürstberger selbst aktive Feuerwehrfrau. „Ich bin auch Atemschutzgeräteträgerin“, sagt sie. „Bei Einsätzen sind alle gleich gefordert, egal ob Mann oder Frau.“ Ein Leben ohne Feuerwehr ist für sie nur schwer vorstellbar. „Wir sind einfach ein Riesenteam, eine große Clique, eben eine Feuerwehrfamilie.“ Ein aktuelles Thema ist die Bekleidung der Feuerwehrfrauen. „Jetzt gibt es entsprechend geschnittene Uniformjacken“, freut sich Fürstberger. „Da hat sich in den letzten Jahren zum Glück einiges getan.“

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