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Region Neumarkt
Donnerstag, 23. November 2017 10° 3

Erinnerung

Ein Denkmal für deportierte Familie

In der einst jüdisch geprägten Gemeinde Sulzbürg wurden fünf weitere Stolpersteine gegen das Vergessen verlegt.
Von Hans Gleisenberg

Fünf weitere „Stolpersteine“ wurden in Sulzbürg verlegt.

SULZBÜRG.Die Initiative gegen das Vergessen „Stolpersteine Neumarkt/Sulzbürg“ hat am Montag, verbunden mit einer Feierstunde, fünf neue Stolpersteine in Sulzbürg verlegt. Vor dem historischen „Weilhaus“ wurde die Steine, in Anwesenheit von gut 50 Interessierten, eingebracht, um der einst dort lebenden jüdischen Familie ein kleines, aber feines Denkmal zu setzen: „Es soll hier niemand straucheln, sondern es soll ein Anstoß zum menschlichen denken und handeln sein, mit der Prämisse, dass so etwas niemals wieder passieren darf. „Solche Mahnmale sind auch in unserer Zeit ein wichtiger Beitrag“, so Dr. Heide Inhetveen zu den Beweggründen der Initiative, die bereits 1995 gegründet und seit 2015 auch in Neumarkt und Sulzbürg tätig ist. Die Steine wurden zum Gedenken an Rebekka Weil, deren drei Kinder Leopold, Lazarus und Cecilie sowie Bertha Weil gesetzt.

Dr. Inhetveen erläuterte dann ausführlich das Leben und Wirken der Weils in Sulzbürg, die dem Leben in dem ehemaligen Marktflecken, deutlich ihren Stempel aufgedrückt hätten. Hier knüpfte auch einer der Paten, Christian Schulz an, der ihr Wirken schilderte.

Heinz Rösch, ebenfalls ein Initiator dieser Aktion, machte deutlich, dass Toleranz und auch eine gewisse Loyalität gegenüber anderen Religionen einen nachhaltigen Beitrag zum friedlichen Zusammenleben geben würden. Während der Ansprachen waren der Bildhauer Gunter Demig sowie Mitarbeiter des Bauhofs damit beschäftigt, die Steine einzulassen: „Seit 1995 haben wir bundesweit über 63000 solcher Erinnerungsmahnmale gesetzt und so einen Beitrag für die Menschenwürde geleistet“, sagte Demig. Die Familie Jutta und Alexander Emmerling, auf deren Initiative die Sanierung und Renovierung des „Weilhauses“ zurückgeht, freute sich ebenfalls über die Würdigung der Familie Weil: „Wir haben das Haus in den gleichen Zustand versetzt wie vor 300 Jahren, seit ihrer Heirat bewohnen Sohn Bastian mit Ehefrau Maria das Gebäude und sorgen für deren Erhalt.“ Emmerling machte deutlich, dass in der Nazizeit zwei der Weils deportiert wurden.

Bürgermeister Dr. Martin Hundsdorfer erinnerte, dass dies nun schon die zweite Verlegung gewesen sei: „Es ist von großer Wichtigkeit, die Erinnerung aufrecht zu erhalten, denn Sulzbürg hatte zu Beginn des 20. Jahrhundert eine starke jüdische Prägung, deren Geschichte unabdingbar mit dem Ort verbunden ist“, so der Rathauschef. Auch Pater OSB Godehard Schuster stellte sich hinter die Aktion und sprach von einer Aktion, die auch in der heutigen Zeit dokumentiere, dass Menschenrechte das Wichtigste sind und es Respekt verdiene, sich dafür stark zu machen. Inhetveen überreichte dem Ehepaar Emmerling eine Tasse, die den Weils gehörte, als Erinnerung. Letztlich sprach Dekanin Christiane Murner den Segen und wünschte allen ein Leben in Frieden und Freundschaft. Die musikalische Umrahmung hatte ein Streicherensemble des Ostendorfer Gymnasium übernommen.

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