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Montag, 27. Juni 2016 21° 5

Porträt

Ein heimatverbundener Kämpfer

Zum ersten Mal kandidiert Moritz Pöllath aus Sulzbach-Rosenberg für die FDP. Auch wenn er keine Chance hat, nimmt er die Politik sehr ernst.
Von Eva Gaupp

Moritz Pöllath ist Mitglied im Kirwaverein Sulzbach – daher der Hut.

Neumarkt. So richtig will der schwarze Trachtenhut mit dem Sträußchen aus Kornähren und den bunten Ansteckern nicht zu dem jungen Mann in Anzug und Krawatte passen. Doch Moritz Pöllath beantwortet damit gleich die Frage, warum er nicht in Köln für die FDP kandidiert, wo der studierte Historiker derzeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter dem Team von Christian Lindner angehört, dem Vorsitzenden des FDP-Landesverbands Nordrhein-Westfalen. Dort schreibt er auch seine Promotion über die Nato.

„Ich fühle mich nach wie vor meiner Heimat verbunden und bin auch seit rund fünf Jahren im Kirwaverein von Sulzbach“, erzählt der 31-Jährige. Deshalb sei es für ihn keine Frage gewesen, auch in der Oberpfalz für den Bundestag zu kandidieren.

Außerdem engagiert sich Pöllath im heimischen Orts-, Kreis- und bayerischen Landesverband der Liberalen. 2002 hatte er sich entschlossen, in die Partei einzutreten – doch erst 2012 hatte er sich auch bereit gefühlt, aktiv Ämter zu übernehmen. Vorher hatte er sich den Politikbetrieb anschauen und Kontakte knüpfen wollen. Warum ausgerechnet die FDP, die in Bayern und Deutschland in den letzten Jahren einen so schweren Stand hat?

Ihn habe die Grundaussage der FDP überzeugt – und das schon als Teenager: Wer arbeitet, etwas leistet, der soll auch etwas verdienen. Denn damals habe er begonnen, sich durch Prospekte austragen oder Regale in Supermärkten einräumen etwas dazuzuverdienen. Gleichzeitig wehrt er sich vehement gegen die Aussage, die FDP sei die Partei der Besserverdienenden. „Es schmerzt mich, so etwas zu hören“, sagt der 31-Jährige, der in Neustadt an der Waldnaab geboren wurde. Die FDP habe es geschafft, beispielsweise durch die Abschaffung der Praxisgebühr oder die Verbesserungen beim Kindergeld die Menschen zu entlasten. Die Liberalen setzten sich auch dafür ein, die sogenannte kalte Progression abzuschaffen, durch die Lohnerhöhungen direkt durch eine höhere Steuer aufgefressen werden.

Und dann erinnert er an eines seiner Vorbilder: Jürgen Möllemann. Der einstige Vizekanzler der FDP, der 2003 bei einem Fallschirmsprung ums Leben kam, sei immer nah an den einfachen Leuten gewesen, sagt Moritz Pöllath. Sein zweites Vorbild ist Guido Westerwelle – und das vor allem aufgrund seiner rhetorischen Fähigkeiten.

Sprachlich gewandt ist auch Moritz Pöllath. In Diskussionsrunden setzt er gerne mal zu einem gezielten Seitenhieb gegen einen Konkurrenten an. Deshalb wird er auch nicht verlegen, wenn man ihn auf das FDP-Dauerthema der Steuersenkungen anspricht. „Wir haben nicht die große Steuerreform geschafft – der Schwerpunkt der letzten Legislaturperiode lag eben auf der Gesundheits-, nicht auf der Steuerpolitik.“ Außerdem seien die wirtschaftlich prekären Rahmenbedingungen nicht absehbar gewesen.

Persönlich liegen ihm drei Themen am Herzen: die Abschaffung des Solidaritätszuschlags, die Energiewende und dass die Kommunen die finanziellen Spielräume bekommen, die sie brauchen, um ihre Innenstädte attraktiv zu gestalten oder schnelles Internet anzubieten. Auch wenn sich Bundeskanzlerin Angela Merkel erst vor wenigen Monaten klar gegen eine Senkung des Soli ausgesprochen hat, liegt Pöllath auf der FDP-Linie: „Er hat seinen Zweck erfüllt. Jetzt müssen wir nach den Regionen schauen, wo Bedarf an Zuschüssen ist“. Der Soli treffe nicht mehr die Lebenswirklichkeit einer Trennung in Ost und West. Allerdings ist er sich schon im Klaren, dass die FDP ein starker Koalitionspartner für die Union werden muss, um dieses Ziel durchsetzen zu können.

Auch beim Thema erneuerbare Energien ist der FDP-Direktkandidat der Ansicht, dass das Fördermodell über die EEG-Umlage längst überholt ist. Als Anschubfinanzierung für Wind-, Wasser- und Sonnenenergie sei sie richtig und wichtig gewesen. Doch der Markt sei längst da – und dieser müsse sich selbst regulieren und unbedingt etwas abkühlen. Als Alternative sieht der 31-Jährige das von den Liberalen vertretene Quotenmodell, das vorgebe, welcher Anteil aus den jeweiligen regenerativen Energien gewonnen werden muss. Das sei freie Marktwirtschaft – das andere eher Planwirtschaft, bringt er es auf den Punkt.

Die Chance, dass der Sulzbacher am Sonntag in den Bundestag gewählt wird, ist quasi gleich Null. Doch für den 31-Jährigen ist es wichtig, sich für die Ziele seiner Partei einzusetzen. Kämpfen – das kann er. Und auch richtig: Denn zum Ausgleich macht er seit Jahren Taekwondo. „Momentan bleibt mir dazu leider keine Zeit. Aber das wird auch wieder anders.“

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