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Region Neumarkt
Donnerstag, 19. Oktober 2017 19° 3

Vorpremiere

Ein Musical, das erzählt und warnt

Der Neumarkter Musical- und Theaterverein „M.u.T.“ zeigte in seinem Stück „Hitlerjunge Adolf“ eine beeindruckende Aufarbeitung der Geschichte.
Von Lothar Röhrl

Die Macher des Erfolges, den der „Hitlerjunge Adolf“ bei der Weltpremiere im Reitstadel feierte: (vorne von links) Andreas Flierl (in der Titelrolle), Marcel Estermann, Max Gmelch und Regisseur Franz Xaver Müller.

Neumarkt. „Tief beeindruckt“ – keine Geringere als die Präsidentin des bayerischen Landtags, Barbara Stamm, hat sich am Mittwoch kurz nach Ende der Vorpremiere des neuen „M.u.T.“-Musicals „Hitlerjunge Adolf“ über das zuvor Gesehene und Gehörte geäußert. Stamm ist eine der beiden Schirmherren dieses Projekts; Neumarkts Oberbürgermeister Thomas Thumann empfahl als zweiter Schirmherr, dass sich möglichst viele achte und neunte Klassen aus den verschiedenen Schulen zumindest von Neumarkt dieses Opus ansehen mögen. Zumal es über eine Phase der Neumarkter Stadtgeschichte aufklärt, die wenig bis kaum von Chronisten festgehalten wurde: Die Zeit kurz nach Ende des Krieges, als die Bombardements und Waffen-SS-Terror überlebenden Neumarkter jeden Tag aufs neue Existenzkampf pur überstehen mussten.

Wer hier mitgewirkt habe, werde sicher zu denen gehören, die die Demokratie in Deutschland verteidigen werden: Diese Hoffnung gehörte zur weiteren sogenannten „ersten Reaktion“ von Bayerns Landtagspräsidentin. Barbara Stamm nach Ende der von geladenen Gästen aus Politik und Gesellschaft der Stadt und des Landkreises besuchten Vorpremiere. Viel Respekt äußerte Stamm für das Ergebis einer Gemeinschaftsarbeit von bis zu 150 Mitwirkenden. Diese Gemeinschaft trete für Werte ein, ohne die Demokratie nicht funktioniere.

In der etwas über drei Stunden dauernden Produktion dominierten szenische Sprünge über eine Zeitspanne von 65 bis 70 Jahren die Handlung. Nach dem Text von Franz Xaver Müller, der auch Regie führte, und der gesanglich sehr ansprechend umgesetzten musikalischen Vorgabe von Marcel Estermann, Andreas Flierl und Max Gmelch entwickelte sich eine sehr anschauliche, wohltuend wenig moralisierende Analyse der Geschehnisse im totalitären Hitler-Deutschland sowie des stark aufkeimenden Neo-Nationalsozialismus im Deutschland des zweiten Jahrzehnts im neuen Jahrtausend. Gespenstisch mutete an, wie oft dieses „M.u.T.“-Musical Parallelen aus dem Nationalsozialismus von vor 70 Jahren zur heutigen Zeit gefunden zu haben glaubte. Einer Zeit, in der Ausgrenzung etwa von in Deutschland aufgewachsenen Türken zur Normalität geworden erscheint. Die Warnung davor, dass die Gesellschaft dem ausgrenzenden Treiben nicht tatenlos zusehen solle, ist eine der Botschaften dieses Musicals.

Es hat an diesem Freitagabend ab 19 Uhr seine „echte Premiere“: Danach ist es bis einschließlich 14. April noch insgesamt sechs Mal im Neumarkter Reitstadel zu sehen.

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