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Region Neumarkt
Freitag, 19. Januar 2018 3

Aktion

Ein neues Grün für das Schloss

Die Buchsbäumchen bei Schloss Neunhof fielen einem Pilz zum Opfer. Jetzt bringt die Stadt das Gärtlein wieder in Ordnung.
Von unserem Nürnberg-Korrespondenten Nikolas Pelke

Susann Rohde und ihre Kollegen kümmern sich um die Arbeiten. Foto: Pelke

Nürnberg.Kleines Bäumchen, große Wirkung: Nürnberg will den Barockgarten im Schloss Neunhof vor den Toren der Stadt wieder auf Vordermann bringen. Dafür hat der Servicebetrieb Öffentlicher Raum Nürnberg (Sör) rund 6000 Heckensetzlinge gekauft. Eine Pilzkrankheit hat die aufwendige Pflanzaktion nötig gemacht. Der alte Buchsbaum-Garten vor dem Eingang des Schlosses mit der Brücke über den ehemaligen Wassergraben ist in den vergangenen beiden Jahren hinter verschlossenen Türen zugewuchert. Nun soll der Garten im nächsten Frühjahr wieder für Besucher geöffnet werden.

Leere Beete vor dem Schloss

„Unsere Buchsbäumchen hier vor dem Schloss Neunhof sind zwei Pilzarten, die bundesweit zu einem massiven Absterben von Buchsbaum-Pflanzungen geführt haben, zum Opfer gefallen“, erklärt Susann Rohde und zeigt auf die leeren Beete vor dem Schloss. „Die beiden Pilzarten haben sich nicht bekämpfen lassen. Deshalb mussten wir alle Buchsbäumchen aus dem Boden rupfen“, erklärt Rohde. Danach hätte das Team sogar das Erdreich bis zu einer Tiefe von einem halben Meter aus den Beeten entfernen müssen. „Buchsbäume können wir hier trotzdem nicht mehr anpflanzen. Der Pilz schlummert auch nach dieser Prozedur immer noch im Boden. Deshalb haben wir nach einer Ersatzpflanze gesucht“, sagt die städtische Garten- und Landschaftsbauingenieurin und berichtet, dass sich die Suche nach einem geeigneten Ersatz für den Buchsbaum extrem schwierig gestaltet habe.

Das Muster ist schon zu erkennen. Foto: Pelke

„Die Suche war nicht einfach. Denn die meisten Pflanzen, die wie Buchsbaum aussehen, wachsen in Süddeutschland nicht so gut.“ Eine Alternative zum Buchsbaum musste gefunden werden, mit der Rohde die barocken Muster im Garten wieder herstellen kann. „Wir haben zum Glück in Ostfriesland diese besondere Taxus-Sorte entdeckt“, freut sich Rohde und schwärmt von den hervorragenden Eigenschaften der Ersatzbuchsbäumchen. „Die zwergwüchsigen Pflanzen besitzen wie Buchsbäume keinen Mitteltrieb.“

Unterschiedliche Blattform

Nürnberg will den Barockgarten im Schloss Neunhof vor den Toren der Stadt wieder auf Vordermann bringen. Foto: Pelke

Lediglich die Blattform unterscheide sich. „Der Buchsbaum hat runde Blätter. Der Taxus hat eher nadelartige Blätter. Dennoch können wir mit der neuen Pflanze das schöne Muster in dem ehemaligen Buchsbaum-Parterre vor dem Schloss wieder aufbauen. Die Pflanzen wachsen sehr langsam und eignen sich daher sehr gut für diesen Zweck“, sagt Rohde während im Hintergrund die beiden Lehrlinge, Tobias und Tobias, die kleinen Bäumchen in die Erde setzen. Teuer sind die neuen Bäumchen übrigens nicht. Mit zwei Euro pro Stück sogar relativ günstig. Die Pflege und Hege der neuen Gartenanlage sei freilich kostspieliger. Rund fünf Jahre werde es brauchen, ist sich Rohde sicher, bis das Barockmuster wieder in voller Pracht ergrünt ist.

Hier finden Sie weitere Informationen:

Frisches Grün für Barockgarten

  • Pilzbefall:

    Eine mykologische Untersuchung der Buchsbäume hat den Befall von zwei Pilzarten ergeben. Die Infektionen waren für das Absterben der Buchsbäumchen verantwortlich.

  • Ersatzpflanze:

    Als Lösung des niederschmetternden Pilzbefundes ist die Stadt auf die neue Sorte „Renke’s Kleiner Grüner“ aus der Baumschule Renke zur Mühlen aus Bad Zwischenahn gestoßen. Der Buchs, ein Stilmittel jedes Barockgartens, wird momentan ersetzt. Das alte Muster wird mit den neuen Pflanzen nachgebaut.

  • Pflanzaktion:

    Rund 6000 Heckensetzlinge ersetzen die Buchsbaum-Hecken, die man in den vergangenen Jahren hatte entfernen müssen.

  • Traumschloss:

    Das Schloss Neunhof zählt zu den besterhaltenen Herrensitzen der Region. Der Bau selbst ist älter als seine erste urkundliche Erwähnung im Jahr 1482.

  • Garten:

    Der Schlossgarten ist von April bis Oktober täglich von 10 Uhr bis 19 Uhr (auch an Feiertagen) geöffnet.

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Der Besucher muss mit einem Besuch der Gartenanlage im Knoblauchsland zum Glück nicht so lange warten. Schon im nächsten Jahr soll der kleine „Buchsbaum“-Garten vor dem wohl besterhaltenen Herrensitz der Region wieder geöffnet werden. In den letzten zwei Jahren war dieser Teil des Garten für die Besucher aufgrund des Pilzbefalls gesperrt. Ursprünglich wuchsen rund um das landschaftlich reizvoll gelegene Landschlösschen hauptsächlich Gemüse und Kräuter. „Der ganze Schlosspark war vom 15. bis zum 18. Jahrhundert ein Nutzgarten“, erklärt die Garten-Expertin der Stadt. Anschließend sei nach der Mode der Zeit ein barocker Ziergarten angelegt worden. Nicht immer habe sich der Garten in einem guten Zustand befunden. Ende der 70er Jahre habe der städtische Chefgärtner, Theo Friedrich, den Barockgarten nach den Originalplänen aus dem 18. Jahrhundert mit viel Fleiß und Liebe wieder aufgebaut.

Susann Rohde hofft darauf, dass der kleine Garten direkt vor dem Schlosseingang im nächsten Frühjahr für die Besucher wieder geöffnet werden kann. Leider sind die wertvollen Innenräume des Schlosses, die vom Germanischen Nationalmuseum verwaltet werden, aufgrund von Renovierungsarbeiten derzeit immer noch geschlossen. Rohde und ihre Mitarbeiter freuen sich, dass zumindest Nürnbergs größter Barockgarten bald wieder geöffnet werden kann.

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