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Region Neumarkt
Mittwoch, 20. September 2017 14° 6

Geschichte

Ein virtueller Blick in das Sulzbürger Schloss

Von der Residenz auf dem Schlossberg ist nur wenig übrig. Der Autor beschreibt, wie es im Schloss aussah.
Von Friedhelm Kurz

  • Foto: Kurz
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  • Das Modell im Landlmuseum wurde nach Fotografien erstellt Foto: Gleisenberg

Sulzbürg.Am Wochenende wird die Kirchweih in Sulzbürg wieder das Ziel zahlreicher Besucher sein. Das bunte Treiben spielt sich auf dem Marktplatz ab, der 1540 auf Bitten des Freiherrn von Wolfstein durch kaiserliches Dekret offiziellen Markt-Charakter erhielt. Leider ist von der Residenz auf dem Schlossberg nur noch wenig zu sehen, dennoch lässt sich virtuell eine Vorstellung erzielen.

Diese Möglichkeit ist dem „churfürstlich-oberpfälzischen Baucommissarius G. W. Dobmayr“ zu verdanken, der 1798 beauftragt war, die in den 50 Jahren nach dem Ableben des letzten Grafen (1740) aufgetretenen Bauschäden festzustellen und Verbesserungsvorschläge zu unterbreiten. Auf drei Stockwerksplänen sind die reparaturbedürftigen Stellen rot markiert, neue Öfen eingezeichnet und zusätzliche Plumpsklos geplant. Nach Fotografien wurde ein Modell angefertigt, das sich im Landl-Museum findet..

Auf dem Weg ins Schloss durchschritt man den hufeisenförmigen Vorbau, überquert die Zugbrücke, den inneren Schlossgraben und gelangt durch den „Einfahrt- oder Secretärturm“ auf die mauerbewehrte Umgebung der Schlossbauten. Man stand vor dem quadratischen Bergfried, der im Plan die Bezeichnung „Schneiderturm“ trägt. Er überragte alle Türme und trug auf dem Mauerwerk eine in Fachwerk gestaltete Türmerstube. Der Blick ging nach rechts an der Mauer entlang zu einem Rundturm, dem „Mühlturm“.

Der Weg nach links führte an einem Halb- und einem kleinen Rundturm vorbei zum „Ochsenturm“, dessen starke Mauern sicher einmal mit Kanonen bestückt waren. Nun würde es Zeit, durch den „2.Einfahrt-Torturm“ den Innenhof zu betreten, der von dem unregelmäßigen Viereck der Schlossbauten umgeben war. Während die Außenmauer aus Verteidigungsgründen fensterlos war, fiel vom Hof her überall Licht durch die zahlreichen Fenster der drei Stockwerke. Zur Linken kam man unter einem kleinen Vordach in die geräumige Küche, in der „bei Anwesenheit des Grafen“ gekocht wurde, für das Personal genügte auch die kleine „Anbau-Küche“ im Hintergrund. In einem Nebenraum war das „Spülgewölbl“. Bei dem schmalen Raum vor der Küche handelte es sich um ein „Nebenplätzl, worin dermal Gefligl ist“.

In der Mitte des Hofes befand sich zum Einen „eine bis 41 Klafter tiefe Zistern, so mit Dachwaßer gefühlet wird“, zum Andern „ein 100 Klafter tifer Bronnen, woraus das Wasser mit einem Trettrad gehollet wurde, wegen schlechten und unbrauchbaren Waßer aber wurde solcher zugewölbet.“

Vor dem Betrachter läge nun der gemauerte Querbau, der in den beiden oberen Stockwerken aus Fachwerk, aus „Rigelwänden“ bestand. Man betrat das Haus durch den linken Eingang und befand sich in einem Gang, einem „Pfletz“. Von hier aus konnte man nach rechts und links die Zimmer betreten. Danach kam man durch die „Heitz“, von der aus die Öfen der beiden Stuben beheizt wurden. Am Ende des Ganges landete man in einem „Abtritt“. Links vom Hof befand sich der vermutlich älteste Teil der Schlossanlage, das „Kaisersaal-Gebäude“, das mit dem Bergfried verbunden war. Es dürfte von den Sulzbürger Rittern als erstes Wohngebäude, als Palas errichtet worden sein, fensterlos im Erdgeschoss, nur mit Schießscharten, nach Osten zu in Richtung der ebenen Point durch eine dicke Mauer geschützt. Das gesamte Erdgeschoss wurde von zwei großen Sälen eingenommen, deren Gewölbe durch je eine „eichene Säule“ getragen wird.

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