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Region Neumarkt
Montag, 20. November 2017 7

Kunst

Ein wichtiges Vorbild für die SPUR

Die Herbstausstellung im Museum Lothar Fischer zeigt Werke von Max Beckmann. Prof. Dr. Konrad Wolf eröffnete die Ausstellung.
Von Josef Wittmann

Prof. Dr. Konrad Wolf, Kultusminister der Rheinland-Pfalz, eröffnete die Ausstellung. Foto: Wittmann

Neumarkt.Max Carl Friedrich Beckmann war nicht in Neumarkt. Doch Pia Dornacher ist es zu verdanken, dass jetzt sein zeichnerisches Werk im Zuge der Herbstausstellung im Lothar-Fischer-Museum zu sehen ist. Und das lag nahe, denn Lothar Fischer und die anderen Gründer der avantgardistischen Gruppe SPUR, die im Neumarkter Museum „zu Hause“ sind, kannten seine Arbeiten.

Die Figur steht im Mittelpunkt

Bei ihrem Galeristen Günther Franke hatten sich die jungen Oberpfälzer Fischer, Heimrad Prem, Helmut Sturm und HP Zimmer in ihrer Münchner Wahlheimat vieles von Beckmann zeigen lassen und ihn intensiv studiert, schrieb Zimmer. „Von Zeit zu Zeit ... ließ ich mir Beckmann-Bilder zeigen, um bei all dem Informel nicht ganz zu vergessen, dass man auch Figuren zeichnen kann“. Denn während seine zeitgenössischen Malerkollegen zur Abstraktion strebten, hielt Max Beckmann an der Figur fest. Dornacher zeigte auf, wie sich diese Eindrücke in den Werken der SPUR wiederfinden.

Dr. Jeanette Stoschek, die Leiterin der Graphischen Sammlung des Museums der bildenden Künste in Leipzig führte das Vernissagenpublikum ausführlicher in Werk und Ausstellung ein, die mit ausgewählten Bleistift-, Kohle-, Kreide- und Pastellzeichnungen die vielfältigen Arbeitstechniken Beckmanns zeigt. Der Maler nutzte seine Zeichnungen als Arbeits-Hilfsmittel. So wusste Dr. Stoschek zu berichten, dass sich auf der Rückseite vieler Zeichnungen Hinweise und Bemerkungen Beckmanns für die weitere Benutzung der Motive und Bausteine in seinen Gemälden finden.

„Willst du das Unsichtbare fassen, dringe so tief du kannst ein – in das Sichtbare“. So malte Beckmann das Sichtbare, die Figuren, die Menschen seiner sozialen Beziehungen. Gerne die Frauen um ihn. In der Ausstellung wies die Expertin aus Leipzig besonders auf drei Frauen hin, die für den Maler sehr wichtig waren und deshalb immer wieder zu sehen sind. Zum einen seine Ehefrau Quappi. Zum zweiten die Modejournalistin Käthe von Porada, die dem Maler in den Zeiten der Verfolgung und des Exils eine verlässliche loyale Freundin war und der er auf dem „Großen Frauenbild (fünf Frauen)“ 1935 ein Denkmal setzte. Und seine Freundin und Geliebte Naila, die dreimal verheiratete Nationalökonomin Dr. Hildgard Melms.

Mehr zur Person Max Beckmann finden Sie hier:

Eckdaten aus Max Beckmanns Leben

  • 1884:

    Max Beckmann wird in Leipzig als Sohn eine Maklers geboren.

  • 1905:

    Er übersiedelt nach Berlin und schließt sich der Sezession an

  • 1914:

    Beckmann meldet sich als Freiwilliger zum Sanitätsdienst in Flandern

  • 1915:

    Entlassung aus dem Militärdienst nach psychischem Zusammenbruch

  • 1929:

    Professur in Frankfurt/Main

  • 1937:

    Nazis diffamieren ihn als „entarteten Künstler. Emigration nach Paris und später Amsterdam

  • 1947:

    Übersiedlung nach USA und Gastprofessur an der Washington University Art School (St. Louis)

  • 1950:

    Am 27. Dezember 1950 stirbt der bekannte Künstler Max Beckmann in New York.

Die Eröffnung der Ausstellung übernahm dann Prof. Dr. Konrad Wolf, Minister für Wissenschaft, Weiterbildung und Kultur des Landes Rheinland-Pfalz. Der erklärte sein Hiersein damit, „dass ich wahrscheinlich der einzige Minister außerhalb von Bayern mit einem deutlich bayerischen Akzent bin“, weil er in einem kleinen Dorf im südlichsten Zipfel der Oberpfalz aufgewachsen sei.

Geprägt von Nachkriegszeit

Der Minister zog Parallelen zwischen Beckmann, seinem Werk und der tagesaktuellen Situation. Beckmann sei tief geprägt von den dramatischen Kriegs- und Nachkriegs-Erfahrungen seiner Zeit gewesen. All dies finde sich in seiner Biografie und seinem Werk wieder. „Für uns hat das heute zwei Aspekte. Einerseits ist Krieg für uns allgegenwärtig in allen Teilen der Welt mit Gewalt und Flucht. Und gleichzeitig leben wir auf einer Insel des Friedens seit 70 Jahren. Eine historische Singularität!“ Das sei ein fragiles Konstrukt, das verteidigt werden müsse gegen den „Rückzug auf das Eigene. Denn aus der Konzentration auf das Eigene entsteht Abneigung, Hass gegen das Andere. Der Weg zur Gewalt ist dann nur noch ein kleiner Schritt.“

Bürgermeister Albert Löhner griff diesen Faden auf und betonte leidenschaftlich, er „halte die Ausstellung auch für ein Plädoyer gegen die faschistische Verklärung der Systemerhaltung. Nicht gegen den Strom schwimmen, das passt nicht zu Max Beckmann und zur Gruppe SPUR. Ich plädiere für etwas mehr Systemkritik.“

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