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Region Neumarkt
Donnerstag, 19. Oktober 2017 19° 3

Musical

Eine Geschichte, die das Leben schrieb

Mit „Hitlerjunge Adolf“ bringt M.U.T. das zweite Werk des Vereins auf die Bühne. In Neumarkt laufen die Proben auf Hochtouren. Im April ist Premiere.
von heike regnet

Noch laufen die Proben, im Stück werden die GIs dann in Original-Uniformen auf der Bühne tanzen.Foto: Regnet

Neumarkt. Es ist soweit: Opa Adolf wird 85 Jahre alt und selbstverständlich muss das gebührend gefeiert werden. Also kommt die ganze Familie zusammen und es dauert nicht lange bis bei Geburtstagstorte und Kaffee Erinnerungen an die „guten, alten Zeiten“ lebendig werden.

Doch dieses Mal geht der Blick zurück tiefer, als gedacht. In der guten, alten Zeit war eben doch nicht alles gut. Und so werden an diesem Nachmittag in Feierlaune auch die dunklen Kapitel in der deutschen Geschichte aufgeschlagen, vor allem, als Opa Adolf erkennt, dass Enkel Basti nur halbe Wahrheiten gelten und eine gefährliche Tendenz in die rechte Szene erkennen lässt.

Nach dem Musical „Der letzte Brief“ steht nun „Hitlerjunge Adolf“ auf dem Spielplan des Theater- und Musicalvereins Neumarkt. Am 5. April ist Premiere im Reitstadel, sechs Spielabende sind geplant. Begleitend wird eine Ausstellung zur Historie gezeigt, die von Neumarkter Schulen erstellt wurde. Zudem startet am 20. März eine Vortragsreihe, in der unterschiedlichste Aspekte beleuchtet werden. Schirmherren des Projektes sind Barbara Stamm, Präsidentin des bayerischen Landtags und Oberbürgermeister Thomas Thumann.

Mit dem Musical „Hitlerjunge Adolf“ wird somit ein weiteres Kapitel in der jüngeren Geschichte Neumarkts aufgeschlagen. „Es geht um die Ereignisse in den letzten Kriegsmonaten 1945 und die schwierige Zeit danach“, sagt Franz X. Müller, der das Stück und den größten Teil der Liedtexte geschrieben hat. Erzählt werden wahre Begebenheiten, die Neumarkter Bürger erlebt haben und die bei dem Projekt „Lass die Vergangenheit ruh‘n!?“ in den vergangenen Jahren in vielen Gesprächen mit Zeitzeugen gesammelt wurden.

„In unserem neuen Musical ist alles mit dabei– Liebe und Krieg“, sagt Müller. „Wir wollen die Zuschauer unterhalten, aber auch nachdenklich machen.“ Bereits im September haben die Probenarbeiten begonnen. Alle Fäden laufen bei Regisseur Franz X. Müller zusammen. Die Lieder komponierten Marcel Estermann, Andreas Flierl und Max Gmelch.

60 Akteure, alt bekannte und viele neue Gesichter, werden dieses Mal auf und hinter der Bühne stehen. Doch bis es soweit ist, gibt es noch einiges zu tun. „Die Probenarbeit selbst ist immer eine neue Erfahrung und immer spannend“, sagt Müller im Gespräch mit dem Tagblatt.

Szene um Szene wird derzeit geprobt, bis zum ersten Gesamtdurchlauf wird es allerdings noch einige Proben dauern, denn neben Text und Gesang muss auch die Choreographie einstudiert werden.

Hier sind die Choreographen Anja Rupprecht und Manasvini Kerstin John gefordert. Sie proben mit den Tänzern im Studio der VHS. Gerade wird die Szene „GI trifft auf BDM“ geprobt. „Auf der Bühne ist alles möglich, ihr spürt das“, sagt Anja Rupprecht zu den Tänzern und startet die CD. Marschmusik erfüllt den Raum, die von swingenden Klängen abgelöst wird. Die amerikanischen GIs mustern die jungen Frauen des BDM (Bund Deutscher Mädel) genau und es dauert nicht lang, bis die Mädchenherzen schwach werden.

„Ihr dürft auch gerne mit dem Publikum spielen“, motiviert Anja Rupprecht. „Ihr Jungs seid auf der Suche und seht Euch die Mädels an.“ Zwar sitzen die Tanzschritte noch nicht perfekt und so mancher Tempowechsel macht zu schaffen, doch bis zur Premiere sind es ja noch einige Wochen. „Beschwerden zum Tempo bitte an ihn“, sagt Anja Rupprecht und deutet mit einem Augenzwinkern auf Marcel Estermann, der in der ersten Reihe swingt. „Er hat es schließlich komponiert.“

Die Melodien des Musicals gehen schnell ins Ohr. „Beim Komponieren hab ich vor allem an die Musik gedacht, nicht so sehr ans Tanzen“, sagt Marcel Estermann und lacht. Jetzt auf die eigenen Melodien zu tanzen, macht ihm sichtlich Spaß. An Begeisterung mangelt es keinem im Team. „Es ist einfach toll, hier mit dabei zu sein“, sind sich auch Sabrina, Franziska und Johanna am Ende der Probe einig. „Es macht super Spaß, auch wenn es schon eine ganze Menge Proben sind, aber das macht nichts, denn bis zur Premiere soll ja alles klappen.“

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