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Region Neumarkt
Donnerstag, 14. Dezember 2017 11

Literatur

Erinnerung an vergessene Autoren

Gerd Berghofer liest im Neumarkter Reitstadel bei „Kunst im Keller“ aus Werken, die in der NS-Zeit verbrannt wurden.
Von Martina Sellerer

Gerd Berghofer las aus vergessenen Werken. Foto: Sellerer

Neumarkt.Vor 80 Jahren, am 8. November 1937, wurde die Neumarkter Stadtbibliothek gegründet. Ihr Leiter, Bernhard Gruber, lud daher zu einer besonderen Veranstaltung im Rahmen der Reihe „Kunst im Keller“ in den Gewölbekeller der Residenz ein: „Die verbrannten Dichter“. Der Rezitator und Schriftsteller Gerd Berghofer aus Georgensmünd las aus den Werken bekannter und auch zwischenzeitlich vergessener Autoren, denen eins gemeinsam war: Ihre Bücher brannten am 10. Mai 1933 in vielen deutschen Städten – in Neumarkt sogar schon zwei Monate früher.

Wer auf der „Schwarzen Liste“ stand, hatte damals im Dritten Reich keine Chance mehr, einen Verleger zu finden und zu publizieren. Viele gerieten so oftmals während des NS-Regimes in Vergessenheit. Es traf politisch linke oder jüdische Autoren. Aber auch Autoren, deren Werk als entartet angesehen wurde, fanden sich auf der „Schwarzen Liste“ wieder.

Bereits veröffentlichte Bücher wurden aus den Bibliotheken und den Verkaufsregalen entfernt und vernichtet. Den Kinderbuchklassiker „Emil und die Detektive“ von Erich Kästner, hätten Sie bei der Eröffnung der Stadtbibliothek nicht ausleihen können – denn auch die Werke Kästners waren verboten. Genauso wie die vieler anderer, bekannter Autoren: Bertolt Brecht, Kurt Tucholsky, Heinrich Mann oder Joachim Ringelnatz sind nur eine kleine Auswahl. Vielen wurde von heute auf morgen die finanzielle Lebensgrundlage entzogen.

Ihnen blieb nur die Wahl, ins Ausland zu emigrieren, teilweise auch um einer drohenden Verhaftung zu entgehen oder den Beruf zu wechseln. Kästner war einer der wenigen, der in Deutschland blieb und unter einem Pseudonym weiterschreiben konnte. Viele aber fanden nach 1945 nicht mehr in ihr altes Schriftstellerleben zurück. Oder kennen Sie noch Werke von Franz Jung, Erich Mühsam oder Walter Hasenclever, der 1917 sogar mit dem Kleist-Preis für seine Tragödie Antigone ausgezeichnet wurde? Berghofer will durch seine Lesungen den „Autoren, Stimme und Gesicht“ zurückgeben. Und so gab es auch Leseproben aus Stücken, die heute nahezu in Vergessenheit geraten sind. Wie die Geschichte des „Löwen Alois´“, der in einer Schafherde aufwuchs, und sich selbst für ein Schaf hielt, von Gustav Meyrink aus dem Jahr 1913.

Das Verbot traf aber auch die damals Erfolgreichsten wie Lion Feuchtwanger, der auch internationale Erfolge feiern konnte. Eines seiner bekanntesten Bücher ist „Jud Süß“ von 1925. Ganz aktuell ist nach wie vor das Buch „Jugend ohne Gott“ (1937) von Ödön von Horváth. Der gleichnamige Kinofilm, der auf der Romanvorlage basiert, lief diesen Sommer erst in den deutschen Kinos. Wer neugierig geworden ist, der kann sich die genannten Bücher in der Stadtbibliothek ausleihen.

Weitere Veranstaltungen aus der Reihe Kunst im Keller sind am 24. November „Fisch sucht Fels“ (Kabarettistisch angehauchte Lesung mit Peter Brunner), am 15. Dezember Gyspy-Jazz mit Troika Klezmerom oder am 19. Januar Nabumbou – Musik von Matthias Goebel. Tickets gibt es in der Tourist-Info in der Rathauspassage oder unter neumarkt-ticket.de.

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