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Montag, 20. November 2017 5

Gesellschaft

Hilfe! Wie werde ich ein Tattoo los?

Jeder fünfte Tätowierte will sein Tattoo nicht mehr. Michele Diekhof greift daher für Kunden zu Laser – vor allem im Gesicht.
von Bettina Dennerlohr

  • Laser kann die Pigmente unter der Haut zerstören.Foto: Donecker/dpa
  • Michele Diekhof entfernt in Neumarkt Tattoos. Foto: Dennerlohr

Neumarkt.Mehrere hundert Besucher waren am Wochenende auf der Messe Tattooweekend in Neumarkt. Hier präsentierten sich Tätowierer und Tätowierte, einige ließen sich neue Bilder unter die Haut stechen. Eine Erinnerung, die ein ganzes Leben lang halten soll – zumindest im besten Fall. Doch der tritt nicht immer ein. So stellte sich auf der Messe auch Michele Diekhof vor. Sie entfernt in ihrem Kosmetikstudio in der Klostergasse Tätowierungen, die ihren Kunden unliebsam geworden sind. Laut Studien gibt es dafür durchaus einen Markt. Eine Untersuchung der Uni Regensburg geht davon aus, dass sich etwa jeder fünfte Tätowierte mit dem Gedanken einer Entfernung trägt.

Das war das Tattooweekend in Neumarkt:

Impressionen vom Tattooweekend in Neumarkt

In ihrem Studio zieht sich Michele Diekhof einen Mundschutz vor das Gesicht, schlüpft in Latexhandschuhe und setzte eine Schutzbrille mit bräunlichen Gläsern auf. Mit dieser Ausrüstung ist sie bereit für den Laserstrahl – einen hellen Lichtblitz und ein Geräusch, als wäre sie auf eine Knallerbse getreten. So werden die Tattoos Stück für Stück bearbeitet. Der Laser ist heute die gängigste Methode, um ein Tattoo verschwinden zu lassen. „Er trifft die Farbpigmente und zerstört sie“, erklärt Diekhof.

„Früher wurden Tätowierungen abgetragen oder abgeschliffen. Kleine Stellen können auch chirurgisch entfernt werden“, sagt Wolfgang Kimmig, Vorsitzender der Deutschen Dermatologischen Lasergesellschaft. Bei chirurgischen Eingriffen entstünden allerdings Narben. „Unbedingt abzuraten ist von Blitzlampen oder Milchsäure. Bei beiden Methoden wird die Haut schwer beschädigt und vernarbt“, so Kimmig.

Farben können Probleme machen

Für ein Tattoo braucht es mehrere Sitzungen. Pro Termin wird die Farbe zwei bis drei Nuancen heller, sagt Diekhof. „Schwarz lässt sich gut lasern, gelb und braun weniger“, sagt Diekhof. Während der ersten Sitzung hält sie ihren Laser direkt auf die Haut, später wird der Abstand größer. Direkt nach der Behandlung sieht die Haut aus, als wäre sie an den gelaserten Stellen verbrannt, erklärt Diekhof und zeigt entsprechende Fotos. Danach wird die Haut weiß und schwillt etwas an.

Seit Mitte Juli als Kosmetikstudio eröffnet hat, ist Diekhof dabei, mehrere Tattoos zu entfernen. Besonders häufig kommt ihr Laser gegen Permanent-Make-up ins Spiel. Eigentlich wollte Diekhof diese Behandlungen selbst anbieten. „Dann habe ich aber herausgefunden, dass es viele Anbieter gibt – und viele, die nicht so gut sein“, sagt die 43-Jährige.

Auch diese Promis haben ihre Tattoos bereut:

Diese Promis ließen sich Tattoos entfernen

Der Laser am Arbeitsplatz fällt unter die „Arbeitsschutzverordnung zu künstlicher optischer Strahlung“. Diekhof hat die entsprechende Prüfung absolviert und darüber ein Zertifikat. Sie wisse aber auch, dass das nicht jedes Studio so handhabe, sagt die gebürtige Brasilianerin. Im Internet gebe es sehr billige Lasergeräte. So sei schon mancher auf die Idee gekommen, sich selbst zu lasern. Kürzlich sei bei ihr auch ein Mann vorstellig geworden, dem ein falsch eingestellter Laser das Tribal regelrecht aus der Haut gebrannt habe. Statt der Tätowierung trage er nun eine große Narbe auf der Brust.

Die Umrisse der gelaserten Tattoos verschwinden zunächst nicht ganz: Sie sind auch nach der letzten Behandlung noch als helle Umrisse zu sehen, erklärt die Kosmetikerin. Für das vollständige Verschwinden brauche es Zeit, in manchen Fällen sogar Jahre. „Wenn man bei der Therapie sehr oft über die Haut gehen muss, kann es auch zu bleibendem Pigmentverlust kommen. Die Haut ist dann heller und fühlt sich leicht narbig an“, sagt Dermatologe Kimmig.

Belastung für den Körper

Auf die leichte Schulter sei so eine Tattooentfernung aber nicht zu nehmen, sagt Diekhof. Die Farbpartikel würden mit der Lymphe abtransportiert, das gesamte Lymphsystem sei im Einsatz. „Niere, Blase, Leber und Herz sollten dafür auf jeden Fall in Ordnung sein“, sagt Diekhof. Ob und inwieweit Tattoofarbe schädliche Bestandteile enthält, ist immer wieder Gegenstand von Diskussionen. In Deutschland gibt seit 2008 eine Verordnung vor, was enthalten sein darf. Gerade bei Kunden mit sehr alten Tätowierungen sei aber Vorsicht geboten, sagt Diekhof: „Früher war die schwarze Farbe oft sehr bleihaltig.“

Wie eine Tätowiererin arbeitet, das lesen Sie hier.

Auch Blutverdünner und manche Hormone müssen ihre Kunden – nach vorheriger ärztlicher Absprache – absetzen. Auch Sauna, Schwimmbad oder Sonnebäder sind zwischen den Behandlungen tabu. Ganz schmerzlos ist es auch nicht: „Es fühlt sich ungefähr so an, als würde man mit einem Gummiband gegen die Haut schnippen“, sagt Diekhof. Zu den körperlichen Opfern kommen auch die finanziellen. Wie teuer eine Tattooentfernung ist, richtet sich nach Farbe und Größe des Motivs. Eine generelle Aussage über den Preis für solche Behandlungen könne sie daher nicht treffen, sagt Diekhof: „Man sollte aber sicher den Betrag rechnen, den man schon für das Stechen des Tattoos bezahlt hat.“

Mehr vom Tattooweekend finden Sie hier.

Die 43-Jährige beschäftigt sich beruflich mit der Tattooentfernung und hat verunglückte Werke gesehen. Generell gegen Tätowierungen sei sie aber nicht, sagt Diekhof – allerdings in Grenzen. „Eine Erinnerung an ein besonderes Erlebnis, die Namen der Kinder oder der Eltern – das bleibt für immer. Den Namen eines Partners oder ein modisches Motiv bereuen dagegen viele später.“

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