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Region Neumarkt
Mittwoch, 20. September 2017 14° 3

Kleidung

„Im Bikini sollte keiner kommen“

Wenn es heiß wird, fallen die Hüllen – viele Schulen gehen damit locker um. Teilweise werden zur Strafe XXL-Shirts verteilt.
Von Luis Münch

In ultrakurzen Hosen in die Schule oder zur Arbeit? Das finden in Neumarkt nicht alle gut. Foto: Spata

Neumarkt.Spätestens, wenn das Thermometer mehr als 25 Grad anzeigt, sind sie auf den Straßen zu sehen: Kurze Shirts, knappe Röcke und Hosen, die fast nicht mehr als solche zu erkennen sind – die Hüllen fallen im selben Tempo wie die Temperaturen steigen. Wie gehen die Neumarkter damit um? Unser Medienhaus hat nachgefragt.

Eine direkte Kleiderordnung gibt es an der Mädchenrealschule in Neumarkt nicht, dennoch geht nicht alles, wie Schulleiter Günter Lenyk sagt. „Die Grundregel lautet: angemessen.“ Die Mädchen sollten so auftreten, wie man es sich im Unterricht vorstelle. „Kinder in der Pubertät schlagen manchmal über die Stränge“, weiß Lenyk aber auch. Sollte es dazu kommen, dass die Kleidung einer Schülerin nicht angemessen sei, würden die Lehrer die Schülerin darauf ansprechen. „Die Mädchen laufen dann meistens knallrot an und kommen am nächsten Tag angemessen gekleidet in die Schule“, so Lenyks Erfahrung. Im Schulforum habe man schon einmal über das Thema Schuluniform gesprochen – die Schülerinnen hätten sich davon aber weniger begeistert gezeigt.

Schüler werden heimgeschickt

„Bestimmte Vorschriften zur Kleiderordnung gibt es bei uns nicht“, sagt auch Hermann Zienecker, Leiter der Knabenrealschule. Auch hier gelten allgemeine Regeln: „Die Schüler dürfen sich nicht zu freizügig kleiden.“ Zu Regelverstößen gab es an der Knabenrealschule bisher nicht. „Sollte es dazu kommen, würde ich ein ruhiges Wort mit dem Schüler reden und ihm sagen, dass das nicht geht.“

An der Mittelschule West gibt es ebenfalls keine bestimmten Regelungen bezüglich der Kleiderordnung, sagt Schulleiter Martin Krämer. Es gebe zwar einzelne unterrichtsbezogene Vorgaben wie beispielsweise angemessene Kleidung für den Sportunterricht, das sei aber normal. „Wichtig ist, dass sich die Schüler angemessen kleiden“, so Krämer. Man verlange keine Schuluniform oder langen Hosen – im Bikini solle allerdings keiner in die Schule kommen.

Wie sehe ich aus und wie präsentiere ich mich? Darauf wird an der Mittelschule an der Weinberger Straße großen Wert gelegt, erklärt Schulleiterin Petra Zeitler. „Es ist so, dass Kollegen darauf hingewiesen werden, sich die Schüler genauer anzusehen“, sagt Zeitler. Wenn Schüler abwertende oder sexistische Drucke auf ihren Klamotten tragen, müssen sie sich beim Hausmeister ein XXL-T-Shirt holen und sich umziehen. „Das gilt auch für Mädchen, die dekolletiert oder bauchfrei in die Schule kommen“, erklärte die Schulleiterin. Wenn die Schüler knappe Hotpants oder durchsichtige Leggins tragen, werden sie nach Hause geschickt und müssen sich umziehen, wie Zeitler erklärt.

„Wir sprechen die Schüler darauf an, wenn uns ihre Kleidung zu großzügig erscheint“, sagt Bernhard Schiffer, Schulleiter des Willibald-Gluck-Gymnasium. Bisher hätte es fast keine Fälle gegeben, bei denen dies erforderlich gewesen sei. „Wir machen das mit pädagogischer Verantwortung“, sagte Schiffer. „Wenn uns die Kleidung zu indezent aussieht, sprechen wir die Schüler darauf an.“

Ulrike Severa, Schulleiterin am Ostendorfer Gymnasium, ist der Meinung, dass die Schüler des OG ein ganz gutes Gespür dafür hätten, wie sie sich in der Schule kleiden sollten. „Bei uns gibt es eine kleine Regel: Es ist nicht erlaubt, Käppis zu tragen“, erklärt Severa. Am Ostendorfer Gymnasium hat es auch schon einen sogenannten Methodentag gegeben, bei dem Workshops zu verschiedenen Themen angeboten werden. „Es gab auch einen Benimmworkshop, bei dem es um die Grundregeln des Benehmens ging. Wir wollen jungen Leuten beibringen, sehr sensibel zu entscheiden, was zu welcher Gelegenheit passt und was nicht.“

Wie die Situation in anderen Ländern ist, sehen Sie hier:

In anderen Ländern

  • Österreich: In Österreich sind Schuluniformen nicht vorgeschrieben. Nur an manchen Privatschulen kleiden sich die Schüler einheitlich.

  • Schweiz:

    Das Tragen von Schuluniformen ist auch in der Schweiz nicht vorgeschrieben – es wird aber immer wieder über eine Einführung diskutiert.

  • England:

    Schuluniformen gehören in Englands Schulen zum Alltag. Obwohl die Schuluniform nur an High-schools und an Secondary Schools vorgeschrieben ist, kleiden sich die Schüler eines Sixth Form College oft auch einheitlich.

  • Frankreich:

    In Frankreich ist das Tragen einer Uniform nicht vorgeschrieben.

  • Italien:

    Mobbing und „Markendruck“ führten in Italien dazu, dass an manchen Schulen eine Einheitskleidung für Schüler eingeführt wurde. Eine Pflicht dafür gibt es aber nicht.

  • Spanien:

    Das Tragen von Einheitstracht ist in Spanien nur an Privatschulen üblich. Meist ist sie für Schüler der Oberstufe aber nicht vorgeschrieben.

  • Japan:

    Schuluniformen sind in allen japanischen Schulen Pflicht. Die Kleidung ist dabei sehr variabel und vom Alter abhängig.

  • Quelle: www.unicum-merchandising.com

In Banken geht es strenger zu

Auch bei Banken spielt das Outfit eine große Rolle. In der Raiffeisenbank Neumarkt gibt es grundsätzlich keine einheitliche Kleidung, sagt Bastian Fürst. Die Mitarbeiter tragen Anzug mit Krawatte und Hemd – wenn es heiß ist, dürften sie aber auch mal die Krawatte ablegen.

„Gerade in unserer Branche ist Vertrauen und Seriosität sehr wichtig. Und deshalb gehört ein gepflegtes Erscheinungsbild einfach dazu“, sagt auch Karlheinz Hofbeck, Abteilungsleiter Vertriebsmanagement der Sparkasse Neumarkt-Parsberg. Herren tragen einen Anzug mit Krawatte und geschlossene Schuhe, die Damen dürfen zwischen Kostümen, Röcken, Kleidern oder Hosen wählen. Aber auch hier gibt es Grenzen. Miniröcke, Neonfarben oder Jeans seien „No-Go’s“. Auch wenn man die Berater an heißen Tagen nicht in Flip-Flops oder Shorts vorfinden wird, ist das Ablegen der Krawatte oder des Sakkos erlaubt.

Bei der Hypovereinsbank gibt es bezüglich der Arbeitskleidung Vorschriften. Wie ein Sprecher der Hypovereinsbank erklärt, sei angemessene Kleidung ein Zeichen von Wertschätzung gegenüber der Kunden. „Bei uns im Kundenkontakt tätige, männliche Berater tragen in der Regel ein klassisches Business-Outfit, das aus Anzug und Krawatte besteht.“

Hier finden Sie weitere Nachrichten aus Neumarkt und Umgebung.

Hier finden Sie Stimmen von Schülern:

Emelie Schmidt:

„An meiner Schule dürfen wir keine Flip-Flops tragen. Wenn die Hose zu knapp ist, sollte man sie nicht in der Schule tragen.“

Valentina Marzullo:

„Wenn das Top zu kurz ist, sollte es nicht in der Schule getragen werden. Der Ausschnitt sollte nicht zu weit sein.“

Jenny Eichhof:

„Die Klamotten sollten nicht zu kurz sein. Das Oberteil sollte nicht bauchfrei sein oder einen zu tiefen Ausschnitt haben.“

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