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Region Neumarkt
Sonntag, 19. November 2017 5

Jubiläum

In einem Keller hat alles angefangen

Elisabeth Wirthmann hat vor 30 Jahren begonnen, in Parsberg Stoffe zu verkaufen. Heute hat sie viele Mitarbeiter.
Von Vera Gabler

  • Barbara Schießl (l.) und ihre Mutter Elisabeth Wirthmann, die sich gerade eine Walkerjacke genäht hat. Foto: Gabler
  • 1997 zog die Stoffstube in das neue Gebäude um. Foto: Barbara Schießl

Parsberg.Seit 30 Jahren ist die Stoffstube von Lisa ein Paradies für Schneider. In dieser Zeit hat sich viel getan, wie die 81-jährige Elisabeth Wirthmann im Gespräch mit unserem Medienhaus erzählt, unter anderem habe sich die Technik verändert. Es sei mittlerweile zu ihrer Lebensaufgabe geworden, ihre Kunden zu beraten – und dabei auch gleich für Vorfreude zu sorgen auf das, was alles aus Stoff gemacht werden kann. Sie sagt, sie sei froh, dass sie noch in der Stoffstube mitwirken dürfe. Die Geschäftsführung wurde vor 18 Jahren an Barbara Schießl übergeben. Die heute 51-Jährige erzählt, sie finde nach dem Tod ihres Mannes Hans Schießl vor vier Monaten genauso wie ihre Mutter Ablenkung in der Stoffstube.

Auch die Enkelinnen helfen mit

In Lisas Stoffstube gibt es viel zu tun, alle sind beschäftigt – angefangen von Mutter und Tochter bis hin zu den 16 Frauen, die teils als 450-Eurokräfte in der Stoffstube tätig sind. „Auch meine Enkeltöchter Anna und Nina bringen sich in dem Geschäft mit ein“, erzählt die 81-Jährige.

Das komplette Team trifft sich auch gerne außerhalb der Öffnungszeiten. Foto: Barbara Schießl

Während Anna Schießl als Betriebswirtin die wirtschaftliche Seite betreut, hilft Nina in der Stoffstube mit – wenn sie nicht gerade einen Nähkurs besucht. Es gebe zwar zwei feste Näherinnen im Team, aber einen Kurs für die Kunden anzubieten, das stehe auf der Wunschliste ganz oben, sagt Barbara Schießl.

Dass aus dem kleinen Stofflager im Keller von Elisabeth Wirthmann mal so eine große Stoffstube werden könnte, das hätte sich die Gründerin nie vorstellen können. Allerdings: Vielleicht ist es ihr doch in die Wiege gelegt worden. Denn: Die 81-jährige ist mit zwei Brüdern in einem Kramerladen in Dietfurt aufgewachsen.

So hat es in der Stoffstube 1995 ausgesehen. Foto: Barbara Schießl

Damals wurden dort Stoffe verkauft – genauso wie Zucker oder Mehl. „Die Nähmaschine stand in der Küche und gehörte zum täglichen Arbeitsgerät“, sagt Wirthmann. Die Oma sei Schneidermeisterin gewesen und als die kleine Elisabeth still und heimlich mal die Nähmaschine in Gang gebracht habe, da sei es schon um sie geschehen gewesen. Die Hochzeit mit Eduard Wirthmann 1962, der Umzug nach Parsberg und die Geburt ihrer drei Kinder hätten dann im Vordergrund gestanden – und als fünf Jahre später der Gatte tödlich verunglückt sei, sei Elisabeth Wirthmann plötzlich mit drei kleinen Kindern alleine dagestanden. Der ebenfalls plötzliche Tod ihres Sohnes Hans 1986 sei dann der Beginn der Stoffstube gewesen. „Mein Schwiegersohn Hans Schießl half mir, die Stoffe im Keller so zu stapeln, dass ich die ersten Kunden bedienen konnte.“ Im Lauf der Jahre sei der „Verkaufsraum“ auf die Garage ausgeweitet worden. Der obere Stock sei mit einer Wendeltreppe erweitert worden – und so sei es weitergegangen. Egal ob für Kleidung, Trachten, Kostüme, Vorhänge, Dekos oder Möbelbezüge: Die Stoffe, Nadeln und Fäden, Vorhangstangen, Schienen und Plissees seien gefragt gewesen.

Schnitte seit 50 Jahren aktuell

Beim Rundgang durch die ehemaligen Verkaufsräume im Wohnhaus von Wirthmann findet sich nach wie vor ein Lager von Stoffen. „Hier sind die Reißverschlüsse in allen Farben“, deutet die 81-Jährige in den hintersten Kellerraum. Sie erinnert sich daran, wie der Polar Vlies aufgekommen ist . Damit habe man preisgünstig Decken nähen können. „Die Technik ist nach wie vor die gleiche. Wir haben auch noch die Schnitte von vor 50 Jahren, auch die werden wieder angenommen“, erzählt Barbara Schießl.

Kleidung soll gut am Körper liegen

Auch wenn man die Kleidung von der Stange jederzeit und überall kaufen kann, so legten figurbewusste Kunden doch Wert darauf, dass die Kleidung auch gut am Körper liegt. „Und dann beginnt man zu Nähen“, lacht Schießl. Sie ist gelernte Bankkauffrau und kam während ihres Mutterschutzes in die Stoffstube. Sie habe auch schon mal ein Dirndl genäht – allerdings fehle ihr die Zeit, sagt sie. Vielmehr sei sie mit Leib und Seele die Beraterin in der Stoffstube und freue sich noch mehr, wenn die Kunden später mit den genähten Sachen wiederkommen: „Ich erkenne den Stoff sofort wieder.“

Es gibt auch Reste in der Stoffstube. „Auch die Patchworker sind Kunden, die in der Wühlkiste fündig werden“, sagt Wirthmann. Sie selbst habe sich gerade erst eine Walkerjacke genäht, sagt sie: „Das flanellartige Gewebe in Leinwand- oder Köperbindung aus Wolle, Baumwolle oder Viskose lässt sich leicht nähen und franst nicht aus.“

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