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Montag, 20. November 2017 5

Glaube

Islam-Feiertag? Echo ist gespalten

In Neumarkt ist man wenig überzeugt von einem muslimischen Feiertag. Vor allem die Politik findet deutliche Worte.
Von Johannes Heil

Muslime während des Gebets: In Neumarkt stößt der Vorschlag eines islamischen Feiertags auf wenig Zuspruch. Foto: dpa

Neumarkt.Für eine heftige Diskussion sorgte Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU). Er hatte sich offen dafür gezeigt, in bestimmten Regionen Deutschlands muslimische Feiertage einzuführen. In der Folge bekam der Minister sehr viel Gegenwind, politisch und in der Bevölkerung. In einer Umfrage sprachen sich 70 Prozent der Deutschen gegen die Einführung eines muslimischen Feiertags aus. Doch wie sieht es in Neumarkt aus, wäre ein muslimischer Feiertag hier tatsächlich denkbar?

Hortolani: „Neumarkt ist liberal“

Rainer Hortolani (UPW) ist der Integrationsbeauftragte des Stadtrats. „An die 70 Prozent würden sich sicher auch in Neumarkt ergeben“, sagt Hortolani, fügt aber an: „Ich denke schon, dass die Neumarkter eine sehr liberale Einstellung haben, vielleicht mehr als anderswo.“ Dass sich eine Mehrheit für einen muslimischen Feiertag aussprechen würde, hält Hortolani indes für unwahrscheinlich.

Ein eigener Feiertag wäre auch aus Hortolanis eigener Sicht nicht sehr sinnvoll. „Dafür wissen wir hier zu wenig über den Islam“, sagt er. „Man sollte nicht versuchen, künstlich etwas zu konstruieren.“ Umso wichtiger sei es aber, dem Islam Wertschätzung zuteilwerden zu lassen. „Es ist wichtig, dass man im gegenseitigen Austausch bleibt, um Ressentiments abzubauen.“

Deswegen plädiert Hortolani auch für eine andere Lösung: „Ich würde mich für einen Tag der Begegnung aussprechen.“ So wie es schon seit Jahren bundesweit am 3. Oktober Usus sei. Dieser ist nämlich nicht nur der Tag der Deutschen Einheit, sondern auch der Tag der offenen Moschee. Auch in Neumarkt sei dieser Tag bislang praktiziert worden, in diesem Jahr hätte er aber aufgrund von Umbauten im Gebäude der türkisch-islamischen Gemeinde ausfallen müssen. „Im nächsten Jahr wird er aber sicher wieder stattfinden.“

Hier finden Sie Informationen zu muslimischen Feiertagen:

Die wichtigsten muslimische Feiertage

  • Fastenbrechen:

  • Das „Fest des Fastenbrechens“ ist ein Fest, das am Ende des Fastenmonats Ramadan begangen wird. Es beginnt mit dem Sonnenuntergang des letzten Fastentags. Am frühen Morgen des nächsten Tages versammeln sich die Muslime zum rituellen Festgebet. Speisen und nichtalkoholische Getränke werden in den Moscheen und in den Häusern gereicht. Kinder bekommen Süßigkeiten, wie etwa Zuckerfäden (Foto: dpa) oder Geschenke, weshalb das Fest auch „Zuckerfest“ genannt wird. 2017 fiel es auf den Zeitraum von 25. bis 27. Juni.

  • Opferfest:

  • Das Opferfest ist das höchste islamische Fest und wird etwa 70 Tage nach dem Fastenbrechen begangen. Es wird in Erinnerung an den Propheten Abraham gefeiert. Das Fest dauert vier Tage. In diesem Jahr fand es von 31. August bis 4. September statt.

Ein Schritt nach dem nächsten

Irfan Soykurt ist der Vorsitzende von Ditib, ebenjener Türkisch-Islamischen Gemeinde. Er findet die Idee eines Feiertags grundsätzlich zwar gut, mahnt aber an, nicht einen Schritt vor dem nächsten zu tun. Zuerst müsse der Islam auch politisch als Religion anerkannt werden. „Man darf die Arbeit nicht von hinten anfangen, man muss von vorne beginnen“, sagt er.

Der Präsident des Zentralkomitees deutscher Katholiken (ZdK), Thomas Sternberg zeigte sich aufgeschlossen: „In einer mulireligiösen Gesellschaft kann in Gegenden mit hohem Anteil an frommen Muslimen ein islamischer Feiertag hinzukommen, ohne dass die christliche Tradition des Landes verraten würde.“

Auch Domkapitular Norbert Winner ist der Idee gegenüber nicht grundsätzlich abgeneigt. „In Ballungsräumen, in denen viele Muslime leben, ist das durchaus vorstellbar.“ Allerdings fügt er an: „Flächendeckend macht es keinen Sinn.“

Vorschlag zu einseitig?

Bei Vertretern der Politik ist man von der Idee nicht überzeugt. Marco Gmelch, der Vorsitzende des CSU-Stadtverbands Neumarkt sagt über den Vorstoß des Ministers der Schwesterpartei: „Das Christentum ist eine Grundlage unserer Geschichte. Um ein Zeichen für eine offene Gesellschaft zu setzen, gibt es andere Möglichkeiten.“ Speziell in Neumarkt gebe es viele positive Beispiele, wo der muslimische Glaube sehr gut integriert sei. „Auch werden andere Glaubensrichtungen bei diesem Vorschlag nicht beachtet. Daher ist er mir zu einseitig“, so Gmelch.

Ursula Plankermann, SPD-Fraktionsvorsitzende im Stadtrat sieht ebenfalls keine Notwendigkeit für einen muslimischen Feiertag. Sogar die Bedeutung der bestehenden christlichen Feiertage würde immer weiter ausgehöhlt. Viel wichtiger sei es, das Miteinander der Religionen noch weiter zu stärken. Zu dieser Einsicht kam offenbar auch Thomas de Maizière. Er wollte sich falsch verstanden wissen, er habe lediglich einen Gedanken aufgegriffen. Daraus einen „Vorstoß“ zu machen nannte er im Nachhinein „abwegig“.

Wie viele Muslime es in Neumarkt tatsächlich gibt, ist statistisch indes nicht erfasst. „Es kursieren zwar überall viele Zahlen über den Anteil von Muslimen, aber eine amtliche Statistik gibt es nicht“, sagt Gunnar Loibl vom Bayerischen Landesamt für Statistik. Es würden nur die Mitglieder der katholischen und evangelischen Kirchen erfasst. Der Zensus von 2011 weist demnach für die Stadt 25 016 Katholiken und 6149 evangelische Christen aus.

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