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Freitag, 19. Januar 2018 4

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Kastler Madonna gibt Rätsel auf

Ein Denkmal in der Pfarrkirche bereitet Historikern Kopfzerbrechen. Ein Kleidungsstück ist der Grund.

Das Kunstwerk beschäftigt die Historiker. Foto: Diözesanmuseum

Kastl.Einige Rätsel gibt Historikern ein Denkmal der Renaissance in der Pfarrkirche Kastl auf, das der Fachbereich Kultur- und Denkmalpflege des Bistums Eichstätt auf der Homepage des Diözesanmuseums als Kunstwerk des Monats Dezember präsentiert. Die Darstellung aus Jurakalkstein befindet sich am ersten Pfeiler der nördlichen Arkaden des Mittelschiffs der ehemaligen Klosterkirche und heutigen Pfarrkirche St. Peter in Kastl. Sie zeigt eine Madonna mit Kind, die von einem Abt verehrt wird. Die Inschrift in der Kartusche verrät, dass es sich um den Abt Johannes Menger handelt, der von 1539 bis 1554 das Benediktinerkloster geleitet hat. Das Stück ist nach dem Abbruch der sogenannten Stifterkapelle im Kloster in die Kirche versetzt worden.

Das Werk eines Meisters

Die Muttergottes im Typus der Himmelskönigin mit Krone und als vornehme, jugendliche Gestalt präsentiert mit der rechten Hand eine Weintraube. Das Jesuskind schmiegt sich an die Mutter und umarmt sie. Der Abt kniet in typischer Stifterpose auf einer separaten polygonalen Konsole. Er trägt das Messgewand und die Pontifikalien, Mitra und Stab. Das Bildwerk wird aufgrund überzeugender Kriterien als eigenhändiges Werk des Meisters Loy Hering geführt und in die Zeit um 1539 bis 1543 datiert.

Dem kirchengeschichtlich bewanderten Betrachter fällt auf, dass der Abt ein Rationale trägt. Historiker stehen vor einem Rätsel: Warum hat der Abt den Eichstätter Meister mit diesem Werk beauftragt und warum zeigt er sich mit dem Rationale, einem Schulterschmuck, der nach Kirchenrecht als Würdezeichen nur dem Bischof zusteht? Schriftliche Quellen, die eine Auskunft geben würden, sind bislang nicht bekannt.

Es bleiben nur Spekulationen

So bleiben nur spekulative Überlegungen, so Dr. Emanuel Braun, der Leiter des Eichstätter Diözesanmuseums und im Bistum Eichstätt zuständig für Kultur- und Denkmalpflege. Man kann annehmen, dass sich Abt Menger in einer für das Kloster schwierigen Zeit profilieren wollte und dass er sich bewusst als Marienverehrer und mit bischöflichen Insignien darstellen ließ. Kastl ist das bedeutendste Benediktinerkloster des bairischen Nordgaus. Es wurde um 1102 gegründet und mit Mönchen aus dem Hirsauer Reformkloster Petershausen bei Konstanz besiedelt. Seit 1983 wird im Bereich des Bistums Eichstätt der Bestand an Kunstwerken dokumentiert. Bei der Forschung und Erfassung im Bereich des Bistums kommt es immer wieder zu überraschenden Erkenntnissen. Mit der Reihe „Kunstwerk des Monats“ werden auf der Homepage des Domschatz- und Diözesanmuseums einige dieser Entdeckungen vorgestellt: www.dioezesanmuseum-eichstaett.de.

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