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Region Neumarkt
Mittwoch, 22. November 2017 10° 3

Entsetzen

Kirwabaum angesägt: Anwohner in Gefahr

Die Täter hatten einen großen Keil aus dem Kirwabaum in Pavelsbach geschnitten. Doch der steht direkt neben einem Haus.
Von Ernst Waller, MZ

Eng geht es zu im Hof des Gasthauses Schrödl: Wäre der angeschnittene Baum gekippt, dann hätte dies fatale Folgen für Gebäude und Menschen haben können. Foto: Fischer

Pavelsbach. Das hat Tradition: Seit Jahrzehnten schon stellen die Pavelsbacher ihren Kirwabaum auf. Das ganze Dorf ist bei dem Großereignis, das unter der Führung der Kirwa-Buam veranstaltet wird, auf den Beinen. Zwei Tage feiern die Pavelsbacher ausgelassen – doch heuer hätte es zu einem schlimmen Unglück kommen können. Denn Unbekannte hatten den neben Häusern stehenden Baum angesägt. „Das ist grob fahrlässig“, schimpft Kevin Scheuerer von den Kirwa-Buam Pavelsbach in der Marktgemeinde Postbauer-Heng . Ein kräftiger Windstoß hätte den angeknacksten Riesen gefällt – mit unvorhersehbaren Folgen.

Ein 30 Meter hoher Prachtkerl

Das fröhliche Fest in Pavelsbach begann wie jedes Jahr. Die Burschen holten den Kirwabaum aus dem Wald. Der rund 30 Meter hohe Prachtkerl mit einem Durchmesser von etwa 33 Zentimetern wird zu den Klängen der Blasmusik mit Bulldog und Anhänger durch das Dorf zum Gasthaus Schrödl gebracht. Dort stellen ihn die Kirwa-Burschen und ihre Helfer noch von Hand auf. Es geht eng zu im Hof des Gasthauses Schrödl; keine fünf Meter vom Kirwa-Baum entfernt ist die Gaststätte mit den Wohnräumen der Wirtsleute. Gegenüber auf der anderen Seite der Straße befindet sich ein Wohnhaus.

„Das ist grob fahrlässig.“

Kevin Scheuerer von den Kirwa-Buam Pavelsbach

Heuer haben die Burschen um Kevin Scheuerer den Platz um den Baum besonders schön gestaltet und auch eine kleine Bühne aufgebaut, auf der übrigens der Bruder von Kevin Scheuerer seiner Katja einen Heiratsantrag gemacht hat. Es war ein rundum gelungenes Fest.

Der Schnitt an dem Baum geht tief. Foto: Fischer

Doch irgendwann in der Nacht zum Sonntag – wohl so gegen 4 Uhr – haben sich noch unbekannte Übeltäter an dem Baum zu schaffen gemacht. Vermutlich mit einer Elektrosäge (eine Motorsäge wäre zu laut gewesen, eine Handsäge zu langsam) haben sie einen Keil aus dem Baum geschnitten. Rund ein Drittel des Baumstammes wurde angesägt . „Gerade so wie man einen Baum im Holz schneidet, um ihn zu fällen“, weiß Markus Hirsch. Der Vorsitzende des örtlichen Sportvereins, der früher als junger Mann selbst bei den Kirwa-Burschen war, war am folgenden Tag vom gedankenlosen Vorgehen der Täter wie viele andere Pavelsbacher entsetzt.

Am Sonntagmorgen gegen 9 Uhr haben Kevin Scheuerer und die anderen Burschen das Malheur bemerkt. Sie haben den schwer angeknacksten Baum mit Metallstreben abgesichert, damit er nicht umfallen und auf die Häuser stürzen kann.

Brauchtum wird missbraucht

  • Kreisheimatpfleger:

    „Das geht viel zu weit“, sagt Rudi Bayerl. Der Kreisheimatpfleger hat in den letzten Jahren sehr zu seinem Bedauern erkennen müssen, dass Brauchtum immer mehr missbraucht werden. „Den Leuten fehlt es da oft an Fingerspitzengefühl“, sagt er zum Neumarkter Tagblatt. Neckereien zwischen Vereinen seien absolut ok, aber im Pavelsbacher Fall seien die Täter zu weit gegangen. „Die haben überhaupt nicht verstanden, um was es eigentlich geht“, sagt Bayerl.

  • Missbrauch:

    Bayerl spricht von einem Missbrauch des Brauchtums und nennt weitere Beispiele. So würden in der Walpurgisnacht oft von Anwesen die Gartentürl ausgehoben und an einem zentralen Ort verbrannt. Dabei stecke dahinter ein alter Brauch: Früher haben die Leute aus nicht aufgeräumten Anwesen Leitern, Schubkarren etc. genommen und auf dem Kirchplatz gestapelt. Sonntag früh musste der Besitzer dann seine Sachen unter dem Gespött der Dorfgemeinschaft wieder abholen.

Das Entsetzen im Dorf über die Tat ist groß. „Mein Gott, was da hätte alles passieren können“, spricht Markus Hirsch aus, was sich viele Pavelsbacher denken. „Das ist nun wirklich nicht mehr lustig.“ Auch Kevin Scheuerer von den Kirwa-Burschen kann über die unsinnige Tat nur den Kopf schütteln. „Das ist grob fahrlässig“, sagte er zum Neumarkter Tagblatt. Die Täter hätten eine sehr gefährliche Situation heraufbeschworen; Ein kräftiger Windstoß hätte den Baum zum Kippen bringen können. Er habe durchaus Verständnis für einen Spaß, wenn der Baum beispielsweise noch im Wald liege. „Aber einen stehenden Baum langt man nicht mehr an“, betont er. Er könne nicht mal erahnen, wer hinter der üblen Tat steckt.

„Ich bin regelrecht schockiert“

Von einer „erheblichen Gefahr für die Anwohner“ spricht Peter Himml, geschäftsleitender Beamter der Marktgemeinde. „Ich bin regelrecht schockiert“, sagte er. Die Täter hätten schwere Personenschäden in Kauf genommen.

„Mit Brauchtum hat das nichts zu tun“, sagt Heimatpfleger Rudi Bayerl. Foto: Griesbeck

„Mit Brauchtum hat das nichts zu tun“, schimpft auch Heimatpfleger Rudi Bayerl. Das Vorgehen sei grober Unfug: „Hier wird das Brauchtum missbraucht“.

Eigentlich sollte der Baum bis zum März des nächsten Jahres das Dorfbild schmücken – doch schon nächste Woche muss er umgemacht werden. Die Gefahr für die Anwohner ist einfach zu groß. Die Burschen haben Anzeige erstattet, die Polizei hat die Ermittlungen aufgenommen. Von den Tätern fehlt bislang jede Spur.

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