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Region Neumarkt
Montag, 20. November 2017 5

Preisverleihung

Klimaschutz hat viele Gesichter

Zum zweiten Mal hat die Stadt Neumarkt ihren Klimaschutzpreis verliehen. Ausgezeichnet wurden sehr unterschiedliche Projekte.
von Bettina Dennerlohr

Alle zwei Jahre wird der Neumarkter Klimaschutzpreis verliehen. In diesem Jahr gab es fünf Gewinner in vier Kategorien.

Begrüßung: Die Hintergründe des Preises

Oberbürgermeister Thomas Thumann erklärte die Bemühungen der Stadt Neumarkt um den Klimaschutz. „Unsere Ziele sind sehr ambitioniert“, sagte Thumann. Bis zum Jahr 2050 solle die CO-Emission um 95 Prozent sinken. Die Idee für den Klimaschutzpreis stamme vom Klimaforum der Stadt, sagte Thumann. Die Firmen Klebl Hausbau und Gloßner Immobilien haben dafür insgesamt 10 000 Euro gestiftet. Der Preis wird in vier Kategorien vergeben, die mit jeweils 2500 Euro dotiert sind. Bei mehreren Preisträgern wird geteilt. Über die Vergabe entscheiden die Preisstifter, Vertretern des Stadtrates, der Stadt, des Amts für Nachhaltigkeitsförderung und der Technischen Hochschule Nürnberg.

Kategorie Privatpersonen: Bastian und Susanne Lang

Für die Langs war von Anfang an klar: Sie wollen in Woffenbach in einem Naturholzhaus wohnen. Wichtige Themen waren laut Laudator Hans Werner Gloßner natürliche Baustoffe, Schallschutz und ein niedriger CO-Ausstoß. Laut Berechnungen erzeuge das Haus mehr Energie, als in ihm verbraucht wird. Dafür sorgen laut Gloßner unter anderem eine Photovoltaikanlage, eine Luft-Wärmepumpe mit Fußbodenheizung und ein Sonnenspeicher. So entstehe jährlich ein Überschuss an Energie, der entweder ins öffentliche Netz gespeist werde oder ein E-Auto an der Ladestation im Carport auftanke.

Kategorie Organisation/Schule/Einrichtung: Jurenergie

Die Bürgerenergiegenossenschaft wurde laut Laudator Georg Hollfelder 2010 gegründet. Sie stehe für eine regional organisierte Energiewende. Seit der Gründung hätten sich mehr als 940 Bürger mit fast neun Millionen Euro beteiligt. 2015 habe die Jurenergie einen Rekordumsatz von rund 2,8 Millionen Euro erzielt. „Die Wertschöpfung reicht von der Erzeugung bis zur Vermarkung“, so Hollfelder.

Kategorie Organisation/Schule/Einrichtung: Mittelschule West

Die Schüler sollen zu einem verantwortungsvollen Umgang mit Energie erzogen werden. Deshalb habe die Schule sogenannte „Energie-Sheriffs“ ausgebildet, sagte Laudator Georg Hollfelder. Die Siebtklässler würden seit Januar energiesparende und umweltschonende Verhaltensweisen in den Klassen vorstellen, zum Beispiel richtiges Lüften oder die Nutzung von Licht. Durch Energiesparmaßnahmen und die Energie-Sheriffs habe die Mittelschule West nach einer ersten Kalkulation 25 Prozent der Stromkosten und zehn Prozent der Heizkosten gespart. Die Mittelschule zeige, dass Klimaschutz im Kleinen anfange.

Hier sehen Sie ein Video von der Verleihung:

Der zweite Neumarkter Klimaschutzpreis

Kategorie Wirtschaft/Gewerbe: Bauernhof Stengel in Kerkhofen

Die Familie Stengel habe sich 2014 das Ziel gesetzt, fossile Energien und Trinkwasser zu sparen, sagte Laudator Hans Werner Gloßner. So habe sie einen Elektrotransporter für die Auslieferung von Milchprodukten gekauft und ihre PV-Speicherkapazität mehrfach vergrößert. Außerdem diene laufe die Wasserversorgung der Eismaschine nun über einen Kreislauf. Dessen Abwärme werden zum Spülen der Mehrwegflaschen benutzt. Insgesamt sei der Stromverbrauch aus dem Netz von etwa 12 000 Kilowattstunden auf 2400 reduziert worden.

Sonderpreis Junge Tüftler: Mittelschule Weinberger Straße

Ein Solar-Velo-Taxi haben Schüler mit ihrem Lehrer Philipp Seitz gebaut. Dahinter verberge sich ein Lastenfahrrad, das mit Unterstützung eines elektrischen Motors fahre, erklärte Laudatorin Ruth Dorner. Ziel sei es gewesen, ein ökologisch betriebenes Begleitfahrzeug für Ausflüge zu haben. Dieses besondere Taxi habe etwa bei Ausflügen die Rucksäcke transportiert oder auch eine Mitschülerin, die sich den Fuß verstaucht hatte. Bisher seien durch das Solar-Velo-Taxi rund 100 Liter Benzin und 300 Kilo Kohlenstoffdioxid eingespart worden.

Sonderpreis Junge Tüftler 2015: Gymnasium Parsberg

Für das P-Seminar war der Preis 2015 der Startpunkt. Lehrer Christoph Schnabel stellte mit Schülern vor, was sich seither getan hat, denn die Gruppe baute ein Elektro-Quad. Das nächste große Ziel: Der TÜV soll bestätigen, dass das Quad auf öffentlichen Straßen bewegt werden darf. Im nächsten Jahr will Schnabel ein jahrgangsübergreifendes Wahlfach „Elektromobilität“ starten.

Der Vortrag: Dr. Michael Kopatz zu „Ökoroutine“

„Klimaschutz ist wie eine Diät – die ersten Kilo gehen schnell, dann wird es schwer“, sagte Dr. Michael Kopatz vom Wuppertal Institut. Er hat das Buch „Ökoroutine“ geschrieben. Seine These: Das Klima kann nur gerettet werden, wenn sich Gewohnheiten unserer Gesellschaft ändern. Kopatz schlägt durchaus schmerzhafte Einschnitte vor: Die Starts an Flughäfen auf dem momentanen Stand einfrieren, ein Limit für den Straßenausbau und Parkplätze reduzieren – letzteres rang den Lokalpolitikern ein Lachen ab. Doch für Kopatz sind diese Veränderungen unumgänglich. Denn – so seine Argumentation– der Mensch neige zur Expansion. Damit lasse sich das Klima aber nicht retten.

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