mz_logo

Region Neumarkt
Freitag, 24. November 2017 13° 3

Medizin

Männergrippe: So leiden die Neumarkter

Das vermeintlich starke Geschlecht kann aufatmen: Den Männerschnupfen gibt es wirklich. Schuld sind wie immer die Hormone.
Von Johannes Heil

Vorbildlich: Ein Männerschnupfen sollte laut Experten mit viel Ruhe und im Bett auskuriert werden. Foto: dpa

Neumarkt.Es ist ein Buch, das den Lauf der Weltgeschichte derart nachhaltig verändern könnte, wie es nur wenige zuvor geschafft haben. Denn „Männerschnupfen“ von Ina Lackerbauer und Peter Buchenau liefert Antworten. Es zeigt, dass der Männerschnupfen nicht nur ein Hirngespinst des vermeintlich starken Geschlechts, sondern eine greifbare wissenschaftliche Tatsache ist. Auch in Neumarkt hört man die Männerwelt angesichts solch froher Kunde jubeln. Doch was steckt denn nun hinter diesem Phänomen, das auch jedem Neumarkter schon einmal eine Nahtoderfahrung bereitet hat?

Vom Krieger zum Muttersöhnchen

Hausmittel sind bei jeder Erkältung eine willkommene Hilfe. Foto: WKF/dpa/gms

Jeder Mann kennt es – die Nase läuft, der Hals kratzt, die Stirn glüht. Arme und Beine fühlen sich an, als würden sie zu einem anderen Körper gehören – dem Körper eines Toten. Die niederschmetternde wie folgenschwere Diagnose: Männerschnupfen. Eine Hiobsbotschaft, die aus furchtlosen Kriegern winselnde Muttersöhnchen macht.

Ina Lackerbauer, Co-Autorin des Buches, hat eine gute Nachricht: Der Männerschnupfen hat erwiesenermaßen einen biologischen Hintergrund. „Testosteron verleiht dem Mann zwar sehr viele seiner männlichen Eigenschaften“, sagt die Biologin. „Aber es sorgt auch dafür, dass das Immunsystem der Männer bisweilen nicht ganz so effizient arbeitet.“ Wer also besonders viel Testosteron sein eigen nennt, der ist besonders anfällig für Schnupfen – je größer die Muskeln, desto triefender die Nase.

Spricht man mit Frauen in der Neumarkter Innenstadt, dann wird schnell klar: Dieser Tage grassiert er wieder der Männerschnupfen. Vielen ist das Thema aber zu heikel, sie wollen ihren Namen diesbezüglich nicht in der Zeitung lesen. Hinter vorgehaltener Hand fallen aber Wörter wie „Weltuntergang“ und „Endzeitstimmung“, wenn sie über das Befinden ihrer Männer sprechen.

Das Ziel: Die nächste Apotheke

Eine, die den Mut aufbringt, über das Thema zu reden, ist Kristin Drindl aus Berg. Ihr Mann Stephen sei erst kürzlich von einem Männerschnupfen geplagt worden. „Männer leiden schon immer sehr, wenn sie eine Erkältung haben“, berichtet sie. Sie sieht es pragmatisch: „Man muss versuchen, das Beste aus der Situation zu machen.“

Auch im Internet ist die Männergrippe ein Thema, wie dieses Video zeigt:

Das versuchen auch die Herren der Schöpfung: Dick eingemummt schlurfen sie mit Taschentüchern in den behandschuhten Händen durch die Innenstadt – nicht selten gestützt von ihrer Partnerin. Ihr Ziel ist die nächste Apotheke. Dann stehen sie zum Beispiel bei Stefanie Henle. Sie ist PTA bei der Kloster-Apotheke. „Erfahrungsgemäß nehmen Männer schon schneller etwas gegen eine Erkältung als Frauen“, sagt sie. Kratzt der Hals oder schmerzt der Kopf, dann griffen Männer zu sogenannten Kombipräparaten wie Aspirin oder Grippostad. Die richtige Therapie sieht aus Apothekersicht aber anders aus: „Man sollte einen Schnupfen in aller Ruhe auskurieren“, so Henle.

Einen Erfahrungsbericht unseres Autors Johannes Heil lesen Sie hier:

Glosse

Ein handfester Skandal

Auch ich huste und röchle seit nunmehr vier Wochen bemitleidenswert und beständig vor mich hin. Die Einschätzung, ich sei ein gesundheitliches Wrack, habe...

Doch bei aller Euphorie: Ein bisschen müssen sich die Männer auch an die eigene Nase fassen. Dr. Volker Busch leitet die Arbeitsgruppe „Psychosozialer Stress und Schmerz“ an der Universitätsklinik Regensburg und betreibt die Internetseite www.brain2b.de. Busch führt neben dem Hormonhaushalt den häufig ungesünderen Lebenswandel der Männer als weiteren Grund an: „Männer ernähren sich wissenschaftlich nachweislich schlechter, schlafen weniger und rauchen häufiger.“

Schlägt die Männergrippe zu, ist höchste Vorsicht angesagt. Foto: Techniker Krankenkasse/dpa/gms

Diese Faktoren könnten das Risiko einer Infektionserkrankung erhöhen. „Dass Männer tatsächlich schmerzempfindlicher sind, lässt sich wissenschaftlich nicht belegen“, sagt Busch. Im Gegenteil: Frauen würden eher zu klinischen Schmerzen neigen. „Dass Männer während einer Grippe mitunter den Anschein erwecken, sie lägen im Sterbebett, ist sicher eher ihrem Wunsch nach Aufmerksamkeit und Zuwendung geschuldet.“

Ein Mantra für den Seelenfrieden

Und hier kommt dann die Partnerin ins Spiel. Denn auch für sie ist eine Männergrippe ein lebensverändernder Schicksalsschlag. Liegt der ehemals scheinbar unkaputtbare Familienvater in Fötusstellung im Bett und schreit nach seiner Mama, dann zerrt das arg am Nervenkostüm.

Jeder Männerschnupfen geht einmal vorbei.

Autorin Ina Lackerbauer

Autorin Lackerbauer rät Frauen zur Umsicht. Partnerinnen sollten Verständnis zeigen und den ohnehin schon gepeinigten Gatten nicht auch noch unnötig aufziehen. Bestärkend aber auch mit einer gesunden Portion Strenge – so könnten die Partnerinnen dem Mann wirklich helfen, sagt sie. „Liebe stärkt das Immunsystem. Und was gibt es da Besseres als eine fürsorgliche Partnerin, die sich ein wenig kümmert“, sagt auch Busch. Für den inneren Seelenfrieden der Partnerinnen hingegen helfe es, so Lackerbauer, sich immer wieder ein Mantra vorzubeten: „Jeder Männerschnupfen geht irgendwann einmal vorbei.“

Hier finden Sie weitere Nachrichten aus Neumarkt und Umgebung.

Aktuelle Nachrichten von mittelbayerische.de auch über WhatsApp. Hier anmelden: http://www.mittelbayerische.de/whatsapp

Hier finden Sie ein Video zum Thema:

Video: dpa

Die Kommentarfunktion steht exklusiv unseren Abonnenten zur Verfügung. Als Abonnent melden Sie sich bitte an oder registrieren Sie sich. Alle anderen Nutzer finden preiswerte Angebote in unserem Aboshop.

Anmelden Registrieren Zum Abo-Shop

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht