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Region Neumarkt
Freitag, 20. Oktober 2017 19° 3

Beteiligung

Neue Ideen für mehr Engagement

Neumarkts Bevölkerung wird immer älter. Bei der Bürgerkonferenz wurde jene Entwicklung und die Lage des Ehrenamts diskutiert.
Von Johannes Heil

Die Altersstruktur der Neumarkter Bevölkerung wird sich bis zum Jahr 2030 noch einmal stark verändern.Foto: Patrick Pleul/dpa

Neumarkt.Wie wirksam und effektiv Bürgerbeteiligung sein kann, dafür sei das Bürgerhaus Neumarkt selbst ein hervorragendes Beispiel, sagte Ralf Mützel, der Leiter des Amtes für Nachhaltigkeitsförderung. Ohne die Bürgerkonferenz im Oktober des Jahres 2003 hätte es diesen Ort der Zusammenkunft nämlich nie gegeben. Diese Konferenz hatte damals vor 14 Jahren die Einrichtung einer zentralen Anlaufstelle für bürgerschaftliches Engagement empfohlen.

Daher sei es mehr als passend, dass die Bürgerkonferenzen des Jahres 2017 ebendort stattfinden würden. Am Mittwoch stand nun die erste von vier Veranstaltungen auf dem Programm. Es ging – ebenfalls passenderweise – um die Themenbereiche bürgerschaftliches Engagement und demografischer Wandel. Rund 50 Neumarkter kamen zusammen, um den Vortrag der renommierten Professorin Doris Rosenkranz von der TH Nürnberg zu hören und eigene Ideen mit einzubringen. „Durch die Bürgerkonferenzen erhoffen wir uns Impulse für eine lebendige Stadt“, sagte Mützel. Bis zum Frühjahr solle eine Nachhaltigkeitsstrategie entwickelt werden, in die die Ideen der Bürgerkonferenzen maßgeblich mit einfließen sollen.

Kooperation mit der Wirtschaft

Professorin Doris Rosenkranz hielt einen Vortrag. Foto: Heil

Doch ehe sich das Plenum daran machte, Vorschläge zu erarbeiten, widmete sich Rosenkranz in ihrem Vortrag den beiden großen Themenfeldern des Abends. Bürgerschaftliches Engagement und demografischer Wandel, das seien zwei Themenkomplexe, die zusammengehörten, sagte Rosenkranz. Man müsse sich den Herausforderungen der Zeit stellen, und neue Wege und Ansätze finden, Menschen für das Ehrenamt zu begeistern. Eine verstärkte Kooperation mit der Wirtschaft sei ebenso denkbar wie beispielsweise das sogenannte Digital Volunteering, bei dem man sich über den eigenen PC in digitaler Form einbringen kann.

Beim Thema demografischer Wandel drehe sich ganz viel um „Wahlverwandtschaften“, so Rosenkranz. Früher sei es selbstverständlich gewesen, dass sich die Kinder um ihre älter werdenden Eltern gekümmert hätten. Durch verschiedene Faktoren seien ältere Menschen nun immer mehr gefordert, ihr Umfeld selbst passend zu gestalten und sich eben jene Wahlverwandtschaften zu schaffen.

Hier finden Sie ein Video von der Bürgerkonferenz:

Die Teilnehmer tauschten Meinungen aus. Video: Heil

Es ist ein Thema, das in den kommenden Jahren weiter an Relevanz gewinnen wird: „Im Jahr 2030 wird es in der Stadt Neumarkt wesentlich mehr Menschen geben, die älter sind als 60, als jetzt“, sagte Rosenkranz. Das Durchschnittsalter der Neumarkter Bevölkerung liege derzeit bei 44,7 Jahren, bayernweit bei 43,6. Noch stärker mit einer drohenden Überalterung zu kämpfen haben Regionen in Nordbayern. Dort liege das Durchschnittsalter mancherorts schon heute bei über 50 Jahren. „Im Gegensatz dazu haben Sie in Neumarkt einen soliden Sockel an jungen Menschen“, sagte Rosenkranz.

Doch wie kann man dem demografischen Wandel angemessen Rechnung tragen und die Situation des Ehrenamts in Neumarkt konkret verbessern? Diesen Fragen widmete sich anschließend das Plenum in zwei Gruppen. In Sachen bürgerschaftliches Engagement wurde etwa ein Ehrenamtsrabatt im Bereich der Mobilität ins Spiel gebracht. Die Ehrenamtskarte solle darüber hinaus stärker beworben und die damit verbundenen Möglichkeiten erweitert werden. Auch wurde die Idee diskutiert, Menschen mit Behinderung stärker im Ehrenamt zu beteiligen.

Drei zentrale Themenfelder

Die Ansätze bezüglich des demografischen Wandels drehten sich um die Bereiche Begegnung, Wohnraum und Mobilität. In Sachen Mobilität stießen vor allem die Fahrzeiten der Neumarkter Busse auf Kritik. Alternative Wohnformen, modulares Wohnen und Schaffung von bezahlbarem Wohnraum seien Ansätze im Immobilienbereich. Einige Ideen sollen in die Tat umgesetzt werden. Die versammelten Neumarkter zeigten jedenfalls Interesse, sich aktiv daran zu beteiligen. Die nächste Bürgerkonferenz findet dann am 25. Oktober statt. Von 18 bis 21 Uhr dreht sich dann alles um die Themen Kinder, Jugend, Familie und Integration.

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So lief die Bürgerkonferenz:

Begrüßung:



Stadträtin Ruth Dorner begrüßte die rund 50 Gäste im Neumarkter Bürgerhaus. Sie ermunterte die Besucher, sich rege an der Diskussion zu beteiligen. Es sollten konkrete Inhalte entwickelt werden, die sich in der Stadt auch tatsächlich umsetzen ließen, so Dorner.

Vortrag:

Professorin Doris Rosenkranz von der TH Nürnberg ging in ihrem Vortrag auf die Themen des Abends ein. Rosenkranz ist Sprecherin der Hochschulkooperation Ehrenamt und eine ausgewiesene Expertin in Sachen bürgerschaftliches Engagement und demografischer Wandel.

Gruppenarbeit:

Die Gruppen tauschten Gedanken aus. Foto: Heil

Nach dem gut halbstündigen Vortrag teilten sich die Besucher in zwei Gruppen auf. Eine Gruppe suchte nach Ideen zur Aufwertung des Ehrenamtes, die andere Gruppe beschäftigte sich mit alternativen Ansätzen auf dem Gebiet des demografischen Wandels.

Präsentation:

Nach der Beratungsphase stellten die Sprecher der Gruppen die Ergebnisse zunächst teamintern vor. Marina Malter vom Eine Welt Laden Neumarkt präsentierte Vorschläge, wie das bürgerschaftliche Engagement in Neumarkt eine Aufwertung erfahren könnte.

Ergebnisse:

Judith Himmler stellte die Ergebnisse vor. Foto: Heil

Am Ende der Bürgerkonferenz trafen sich alle noch einmal im Plenum und hörten sich die gesammelten Vorschläge an. Judith Himmler von der Freiwilligen Agentur Neumarkt stellte die Ansätze vor und bot den Teilnehmern der Versammlung an, an der Verwirklichung mitzuwirken.

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