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Region Neumarkt
Dienstag, 26. September 2017 19° 1

Naturkatastrophe

Neumarkt rüstet sich für Unwetter

Schäden, wie sie Hurrikans verursachen, sind in Neumarkt unbekannt. Aber auch hier nimmt das Wetter extremere Züge an.
von Wolfgang Endlein

Derartige Schäden wie hier nach Hurrikan Irma in der Karibik kennt man in Neumarkt nicht. Foto: Desmond Boylan/AP/dpa

Neumarkt.Viel Sonne, tolle Strände: Für viele ist Florida das Paradies. Derart viel Sonne oder gar Strände finden sich in Neumarkt nicht. Dennoch sagt Benedikt Aurbach: „Wir leben im Paradies“. Der Mann vom örtlichen Technischen Hilfswerk (THW) bezieht das auf die günstigen Wetterbedingungen. Hurrikans wie aktuell Irma in Karibik drohen in Neumarkt nicht. Und auch im Vergleich mit anderen Regionen in Deutschland und Bayern ist es in Neumarkt was Unwetter anbelangt relativ ruhig.

Benedikt Aurbach ist Ortsbeauftragter des THW Neumarkt. Foto: Froschhammer

Das zeigt auch der Blick zurück. „Da muss ich mal überlegen“, sagt Neumarkts Stadtarchivar Dr. Frank Präger. Aber auch nach längerem Überlegen, kommt er zum Schluss: schwere Naturkatastrophen mit Toten, wie man sie aus dem Fernsehen kennt, habe es in Neumarkt noch nie gegeben. Für einzelne Menschen mit großem Schaden verbundene Unwetter hingegen durchaus. Beispielsweise mehrere Hochwasser, angefangen mit einem kurz nach der Wende zum 20. Jahrhundert oder zuletzt jene in den 1980er Jahren (siehe Infoartikel).

Orkan Wiebke fegte 1990 auch über den Landkreis Neumarkt hinweg. Foto: Metterlein

Düstere Prognose der Forscher

Sie waren auch der Anlass für die Stadt, den Hochwasserschutz verstärkt voranzutreiben. Allein seit 2006 wurden laut Stadt mehr als 14 Millionen Euro investiert, um für mehr Schutz zu sorgen. Beispielsweise wurden Hochwasserrückhaltebecken wie jenes an der B8 nahe Pölling errichtet, das Kanalisationssystem für Starkregenereignisse fit gemacht und Gewässer wie der Maierbach bei Pölling renaturiert (wir berichteten).

Mehr über schwere Unwetter in Neumarkt der vergangenen Jahrzehnte lesen Sie hier:

Unwetter im Landkreis Neumarkt

  • 1985:

    Vom verheerendsten Unwetter seit Menschengedenken schrieb das Tagblatt in seiner Ausgabe vom 30. Mai 1985. Vor allem der Nordwesten des Landkreises litt unter Überschwemmungen. Wie in Pölling standen auch in anderen Orten Straßen unter Wasser. Menschen wurden nicht verletzt, aber es entstand Schaden in Millionenhöhe.

  • 1990:

    Orkan Wiebke knickte Anfang März auch im Landkreis Neumarkt Hunderte Bäume um, deckte Dächer ab und störte die Stromversorgung ebenso wie den Bahnverkehr. Die Feuerwehren und die Bauhöfe waren rundum die Uhr im Einsatz. Freuen durften sich hingegen Lehrer und Schüler, für die es schulfrei gab.

  • 1987:

    Zwei Jahre später kam es erneut zu einem starken Unwetter mit Blitz, Hagel und viel Regen. Laut Berichterstattung von damals waren die Schäden Anfang Juli zwar nicht so groß wie beim Unwetter zwei Jahre zuvor, dennoch entstand ein Millionenschaden. Unter anderem wurde eine Brücke über die Pilsach weggerissen.

  • 2015:

    Ende Mai fegt eine plötzlich auftretende Windhose über den Freystädter Ortsteil Ohausen hinweg. Der Spuk dauerte nur wenige Sekunden an, dabei wurden allerdings 20 Häuser beschädigt und Bäume umgerissen. Die Feuerwehr war mit einem Großaufgebot vor Ort. Die Polizei bezifferte den Schaden auf mehrere hunderttausend Euro.

Nötig macht das auch ein Effekt, dem sich selbst Neumarkt trotz seiner günstigen Lage nicht entziehen kann: der Klimawandel. Forscher sind sich sicher, dass infolgedessen Extremwetter zunehmen werden. Laut Deutschem Wetterdienst (DWD) wird es in Zukunft nicht nur häufiger Starkregen geben, sondern auch heftigeren.

Kreisbrandrat Anton Bögl Foto: Gottschalk

Eine Entwicklung, die der oberste Feuerwehrmann im Landkreis, Kreisbrandrat Anton Bögl, zumindest was die Quantität anbelangt, aus praktischer Erfahrung bereits bestätigen kann. „Es nimmt immer mehr zu“, sagt Bögl über lokale Unwetter und deren Folgen in Form von umgeknickten Bäumen oder vollgelaufenen Kellern. Nichtsdestotrotz sagt Bögl: „Bei uns im Landkreis ist es noch in einem vernünftigen Bereich“.

Ganz anders ist die Lage derzeit in Florida, wo aktuell auch deutsche THW-Kollegen von Benedikt Aurbach, dem Ortsbeauftragten für Neumarkt, helfen. Das Neumarkter THW selbst hat ebenfalls zunehmend mit Folgen von Extremwetter zu tun. „Die Stürme werden schwerwiegender“, sagt Aurbach, der mit rund 50 Aktiven und schwerem Gerät die Feuerwehr in Notfällen unterstützt.

Stefan Berner ist am Landratsamt Neumarkt für den Katastrophenschutz zuständig. Foto: Gottschalk

Zusammenarbeit wird im Notfall groß geschrieben, wie Stefan Berner sagt. Er ist am Landratsamt dafür zuständig, das Zusammenspiel der unterschiedlichen Kräfte mit zu koordinieren. Der Katastrophenschutz ist ein Teil seiner Arbeit, wobei es einen dem Gesetz nach richtigen Katastrophenfall in Neumarkt noch nie gegeben habe, wie Berner erklärt. Der Fall also, bei dem eine länger andauernde, meist großräumige Notlage auftritt, die nur mit überregionaler Hilfe gemeistert werden kann. Etwa das Hochwasser 2016 in Niederbayern.

1985 litt vor allem Pölling unter einem starken Hochwasser. Foto: Meier

Einsatzleitstelle im Container

Mit einem Katastrophenfall hervorgerufen durch Naturgewalten rechnet Berner in Neumarkt indes nicht. Dank der günstigen Lage der Stadt: keine großen Flüsse, keine Lawinen, keine Sturmfluten, kein Erdbeben. Womit Berner allerdings rechnet sind vermehrt lokal auftretende Extremwetter in Form von Gewittern mit starkem Wind, Regen oder Hagel.

Eines der jüngsten Naturereignisse mit extremer Ausformung im Landkreis Neumarkt war eine Windhose nahe Freystadt. Damals berichtete die MZ in diesem Artikel darüber.

2015 erlebte der Freystädter Stadtteil Ohausen die Auswirkungen einer Windhose. Foto: Daniel Karmann

Derartige Unwetter mögen nicht als Katastrophenfall im eigentlichen Sinn eingestuft werden, gemeistert werden müssen sie nichtsdestotrotz. Weshalb man sich wappnet im Landkreis. Berner wie auch Bögl sehen sich gut gerüstet. Ein beispielhaftes Mosaik dabei ist ein Einsatzleitcontainer, den der Landkreis demnächst vorstellen wird. „Das ist Hightech“, sagt Berner über die rund 250 000 Euro teuren mobile Leitstelle für Notfälle, die autark von externer Strom- und Kommunikationsversorgung arbeitet.

1987 sorgte ein Unwetter für Überschwemmungen im Landkreis Neumarkt. In der Folge wurde auch diese Brücke über die Pilsach beschädigt. Foto: Stepper

Doch bei aller Planung und Technik gilt für Stefan Berner auch: „Man kann nicht alles planen“. Ein Stück Ungewissheit bleibt immer. Auch im Paradies Neumarkt.

Weitere Nachrichten aus Neumarkt lesen Sie hier.

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