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Region Neumarkt
Donnerstag, 19. Oktober 2017 19° 3

Projekt

Neumarkt stellt sich der Vergangenheit

Parallel zu dem neuen Musical „Hitlerjunge Adolf“ haben Neumarkter Schüler eine besondere – und interaktive – Ausstellung im Reitstadel konzipiert.
von Heike Regnet

  • Schülerinnen der Mädchenrealschule sind der Historie ihres Schulhauses auf den Grund gegangen - ihr Ergebnis ist in der Ausstellung zu sehen.Fotos: nrt
  • Anna-Lena Koschig von der Friedrich Ebert Stiftung lobte das Konzept in Neumarkt.

Neumarkt.Im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Lass die Vergangenheit ruhn?“! waren in den vergangenen Monaten Jugendliche aus sechs Schulen der Neumarkter Historie auf der Spur und erstellten eine themenbegleitende Ausstellung. Die Schautafeln sind bis Mitte April im Reitstadel zu sehen und dann im Stadtmuseum. Das Besondere an der Ausstellung ist, dass man mit Hilfe von Audioguides in Form von Würfeln sich Originalinterviews mit Zeitzeugen anhören und zusätzliche Informationen holen kann.

Zur Vorpremiere des Musicals am Mittwochabend wurde die Ausstellung eröffnet. „Neumarkt stellt sich seiner Vergangenheit“, sagte Oberbürgermeister und Schirmherr Thomas Thumann. „Das ist Geschichts- und Verantwortungsbewusstsein in einem.“ Viel sei seit der ersten Ausstellung „Aus Ruinen auferstanden“ im Jahr 1995 geschehen. Das bürgerschaftliche Engagement sei groß. Viele Gespräche wurden mit Zeitzeugen geführt, die nun teilweise bei der aktuellen Ausstellung zu hören sind.

Der Dank Thumanns galt allen, die das Projekt unermüdlich vorantreiben. Großes Lob sprach er den Schülern aus, mit deren Material eine interessante Ausstellung entstanden sei. Einige von ihnen waren zur Feierstunde gekommen, so auch Antonia, Vanessa, Carina, Sabrin, Johanna und Julia aus der zehnten Klasse der Mädchenrealschule. „Eigentlich war es schon viel Arbeit, bis wir alles zusammen hatten“, sagten die Mädchen. „Aber es war auch echt interessant.“ Sie hatten sich mit der bewegten Geschichte ihres Schulhauses auseinandergesetzt, das ein Heim für die Hitlerjugend war.

Aus Rheinland-Pfalz war Dr. Klaus Eichenlaub nach Neumarkt gekommen und er nutzte die Stunde vor Musicalbeginn, um sich die Ausstellung anzusehen. Mit Audioguide am Ohr wanderte er von Tafel zu Tafel und lauschte konzentriert. „Es ist ganz toll, dass man dieses Thema aus den Archiven rausbringt“, sagte er im Gespräch mit dem Tagblatt. „Die Neumarkter sind zu beneiden, dass sie das so geschafft haben.“

Dr. Eichenlaub ist Leiter des europäischen Jugendmusicalfestivals und kennt Neumarkt seit der Aufführung des Musicals „Der letzte Brief“. Deshalb wollte er sich „Hitlerjunge Adolf“ nicht entgehen lassen. Fasziniert von der Ausstellung war auch Dr. Gabriele Moritz. „Es ist toll, was die Schulen geleistet haben. Das ist nur mit Engagement möglich, das über die normale Arbeitszeit hinausgeht.“

Ergänzt werden die Arbeiten der Schüler durch die Ausstellung „Demokratie stärken – Rechtsradikalismus bekämpfen“ der Friedrich-Ebert-Stiftung. Die Referentin für politische Bildung, Anna-Lena Koschig, freute sich über diese gelungene Kombination. „Wir wollen informieren und eine Plattform für den Austausch bieten.“ Vor allem wolle man junge Menschen erreichen – und dies sei in Neumarkt bestens gelungen. Auch der Vorsitzende des Vereins Musical und Theater, Alois Dorner, zeigte sich beeindruckt: „Es ist erstaunlich, welch Schicksale zu lesen und zu hören sind.“

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