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Region Neumarkt
Dienstag, 23. Januar 2018 4

Bürokratie

Neumarkter nutzen Online-Angebot kaum

Anträge könnten Bürger auch bequem von Zuhause am Rechner ausfüllen – doch viele Neumarkter verzichten darauf.
Von Bernhard Neumayer

Die Eheurkunde können Neumarkter im Bürgerserviceportal der Stadt online beantragen. Foto: Neumayer

Neumarkt.„Wenn viel los ist, kann es sein, dass man 45 Minuten wartet“, sagt Christian Mader, der Leiter des Sachgebiets Verkehrswesen am Landratsamt, über die Kfz-Zulassungsstelle. Zeit, die sich Bürger sparen könnten, wenn sie vorher online einen Termin vereinbaren. Das lästige Nummer ziehen wäre passé.

„Es wird schon genutzt“, sagt Mader. Doch die Anzahl der Nutzer sei relativ gering. „Am Tag vereinbaren im Durchschnitt 20 Menschen online einen Termin“, schätzt der Amtsleiter. Ist wenig los, kommen an einem Arbeitstag etwa 50 Bürger zur Zulassungsstelle. „An stark frequentierten Tagen sind es durchschnittlich 200.“ Reserviert man online einen Termin, ist es egal, wie viele anstehen. „Wenn der Bürger zum ausgemachten Zeitpunkt erscheint, ist er der Nächste, der aufgerufen wird“, erklärt Mader. Mit wenigen Klicks sowie der Angabe des Wunschtermins und des Namens bestätigt das Amt das Datum. Doch nicht alle bürokratischen Angelegenheiten lassen sich so einfach erledigen. „Bei vielen Bürgern ist der Personalausweis mit der elektronischen ID schon das erste Hindernis“, weiß Mader.

Diese bürokratischen Angelegenheiten können Sie als Neumarkter online erledigen:

Diese Formulare bieten Neumarkts Ämter an

Große Scheu bei Bürgern

Ältere Ausweise verfügen nicht über diese Funktion. Seit etwa einem halben Jahr ist die elektronische ID bei neuen Personalausweisen automatisch freigeschaltet. Fritz Kraus, der IT-Leiter des Landratsamtes, glaubt, dass die Scheu bei den Bürgern relativ groß sei. „Mit der Behörde haben die Menschen weniger Kontakt als mit Online-Banking oder Online-Shopping“, sagt Kraus. Da seien die Hürden geringer. Bei komplizierteren Angelegenheiten – wie der Online-Anmeldung eines Fahrzeugs – müssten laut Kraus mehrere Hindernisse überwunden werden. Man braucht unter anderem einen Zugang zum Serviceportal und die ID-Funktion des Personalausweises. Außerdem muss das Auto online zugelassen worden sein.

So einfach kann man sich beim Portal des Landratsamtes das Kfz-Wunschkennzeichen reservieren lassen. Foto: Neumayer

„Am häufigsten nutzen Bürger deshalb das einfachste Online-Angebot des Landratsamtes, das allgemeine Kontaktformular“, sagt Kraus. Beliebt sei auch das Kfz-Wunschkennzeichen. „Ist die Kombination frei, kann man sie sich reservieren lassen.“ Kraus gibt aber zu, dass das Online-Angebot von den Bürgern nicht so angenommen werde, wie es technisch möglich ist.

Das bestätigt auch Dr. Franz Janka, der Pressesprecher der Stadt. „Vielleicht haben die Bürger Scheu, persönliche Daten weiterzugeben“, vermutet er. Laut Janka nutzen viele Neumarkter auch nicht die Online-Funktion ihres Personalausweises.

„Ich wusste gar nicht, dass es sowas überhaupt gibt.“

Kerstin Haas

„Ich habe diese Funktion zwar, kann sie aber fast nie nutzen, weil es zu wenige Möglichkeiten gibt“, sagt Passantin Nicole Brock. Außerdem gehe sie sowieso viel lieber persönlich ins Amt. Eine andere Bürgerin, die wir in der Stadt treffen, kennt die Online-Funktion des Ausweises nicht. „Ich wusste gar nicht, dass es sowas überhaupt gibt“, sagt Kerstin Haas. Sie erledige ihre bürokratischen Angelegenheiten auf dem klassischen, analogen Weg. Auch das Online-Fundbüro der Stadt habe Haas noch nicht benutzt.

„Grundsätzlich wird das aber gut genutzt“, sagt Pressesprecher Janka. Wird ein verlorener Gegenstand bei den Mitarbeitern im Amt abgegeben, wird er registriert. Dann kann der Unglücksrabe seinen verlorenen Schlüssel online suchen.

Viele Bürger gehen noch persönlich ins Rathaus II in Neumarkt. Foto: Neumayer

Im Bürgerservice-Portal der Stadt werden laut Janka am häufigsten Urkunden beantragt. „Vor der Wahl haben auch viele Bürger ihre Briefwahlunterlagen online angefordert“, sagt Janka. Seit mehreren Jahren bietet die Stadt diesen Service an. Wie steht Neumarkt mit diesen Online-Angeboten im Vergleich zu einer ähnlichen großen Stadt da?

Vorgabe: Komfortabel und sicher

Eine an der Größe der Bevölkerung vergleichbare Stadt ist Amberg. Der Leiter des Einwohneramts, Martin Schafbauer, sagt, dass auch die Amberger Bürger ihre Wahlunterlagen online beantragen konnten. „25 Prozent aller Briefwähler haben den elektronischen Weg gewählt“, sagt er. Am meisten genutzt wird laut Schafbauer der Online-Antrag auf Ausstellung eines Führungszeugnisses. Schafbauer gibt aber zu, dass das Angebot allgemein von den Bürgern noch nicht so wahrgenommen wird. „Nur wenn es komfortabel und sicher ist, nutzt der Bürger die Online-Möglichkeiten.“

Für Vanesa Sadrija scheint es das in Neumarkt zu sein. „Ich gehe zum Beantragen kaum ins Rathaus oder ins Landratsamt“, sagt die Passantin, die ihre Angelegenheiten lieber online erledigt. „Das ist ganz einfach und geht viel schneller als im Amt.“

Sadrija umgeht damit eine lästige Angelegenheit – im Gegensatz zu den meisten Neumarktern. Für die heißt es weiterhin: Nummer ziehen und warten – auch wenn es eine Stunde oder länger dauert.

Lesen Sie hier eine Geschichte aus Regensburg: Das Rathaus wird digital

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