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Region Neumarkt
Sonntag, 22. Oktober 2017 10° 7

Politik

OB-Kandidaten diskutieren Neumarkts große Themen

Unter anderem ging es um Verkehr, Finanzen und die Innenstadt. Dabei waren die Ansichten oft sehr konträr.
von Bettina Dennerlohr

Sie bildeten die Diskussionsrunde (v.l.): Richard Graf (CSU), Tagblatt-Redakteur Wolfgang Endlein, Amtsinhaber Thomas Thumann (UPW), Tagblatt-Redakteur Lothar Röhrl und Dieter Ries (FLitZ) Foto: Heil

Neumarkt.Thomas Thumann (UPW), Richard Graf (CSU) oder Dieter Ries (FLitZ) – das ist die Wahl, vor der die Neumarkter am 24. September stehen, wenn sie über ihren künftigen Oberbürgermeister entscheiden. Alle drei Kandidaten trafen am Mittwochabend auf Einladung unseres Medienhauses bei einer Podiumsdiskussion im Johanneszentrum aufeinander. Durch den Abend führten die Tagblatt-Redakteure Wolfgang Endlein und Lothar Röhrl. Sie moderierten eine Diskussionsrunde, deren Teilnehmer die Gelegenheit nutzten, sich zu positionieren – sowohl bei politischen Themen, als auch gegen ihre Mitbewerber. Vor allem zwischen Amtsinhaber Thumann und Ries, der sich selbst schon im Vorfeld nur Außenseiterchancen eingeräumt hatte, entspannen sich immer wieder Wortgefechte. So teilte Thumann Ries unter anderem durch die Blume mit, es würde die Verwaltung entlasten, wenn Ries nicht immer wieder Dienstaufsichtsbeschwerden gegen ihn einlegen würde. Ries wiederum konterte, er werde immer einschreiten, wenn er der Meinung sei, es handle sich um rechtswidriges Verhalten.

Klare Positionen

Überhaupt waren die Rollen an diesem Abend klar verteilt: Thumann präsentierte sich als der Mann an der Spitze einer wohlhabenden Stadt und verwies mehrfach auf seine juristische Ausbildung. Graf dagegen positionierte sich als Herausforderer, der in Sachfragen größtenteils konträre Ansichten zum amtierenden Oberbürgermeister vertritt. Ries wiederum hatte schon vor der Diskussionsrunde geäußert, er wolle sich aus „der Ecke Verhinderer/Blockierer“ lösen und sowohl Kritik als auch alternative Lösungsvorschläge anbieten.

Etwa 260 Zuhörer waren gekommen. Foto: Heil

Die beiden Moderatoren hatten für diesen Abend Fragerunden erarbeitet, deren Themen Neumarkt aktuell und auch noch in einigen Jahren beschäftigen werden. Schon um das ersten Thema herum entspann sich eine rege Diskussion. Es ging um das Ganzjahresbad – und das sei schließlich eng mit der Frage nach Parkplätzen verknüpft, sagte Endlein. Amtsinhaber Thumann bekräftigte seinen bisherigen Standpunkt: „Es gibt kein Parkproblem.“ 2011 sei er mit dem Ganzjahresbad als alleinigem Thema angetreten und habe 69 Prozent der Wählerstimmen geholt. Er könne daher nach etwa 30 Beschlüssen nicht nachvollziehen, warum die Pläne revidiert werden sollten, „nur weil eine OB-Wahl dazwischenkommt“. Graf wiederum sagte, es sei klar, dass Neumarkt ein Bad brauche – allerdings sehe er die Parkplatzfrage nicht als gelöst an. Werde er zum Oberbürgermeister gewählt, so wolle er das mit „Offenheit und Transparenz“ angehen. Ries wiederum kündigte an, im Falle eines Wahlsieges zu prüfen, ob der Standort geändert werden könne. „Wenn ich damit leben muss, ziehe ich es durch – wenn auch mit Zähneknirschen“, sagte Ries.

Hier sehen Sie ein Video der Diskussionsrunde:

Riesenandrang bei der Podiumsdiskussion

Wenig Einigkeit herrschte unter den Kandidaten auch beim Thema Innenstadt, das Röhrl ins Spiel brachte. Ries sagte, seit der Eröffnung des „Neuen Marktes“ hätten sich in der Innenstadt viele Leerstände ergeben, etwa bei Hackner. Es brauche ein ganzheitliches Konzept, um die Marktstraße voranzubringen, beispielsweise mit Hallen oder Überdachungen. Thumann widersprach: Der „Neue Markt“ habe viele Leute an die Altstadt gebunden – sei es wegen Einkaufsmöglichkeiten oder Arbeitsplätzen. Er sehe die Verantwortung auch bei den Einzelhändlern selbst: Diese müssten „in die Schuhe kommen“. „Die, die was machen, haben großen Erfolg“, sagte Thumann. Die Rizzi-Ausstellung beispielsweise sei zu wenig aufgegriffen worden. Derzeit bearbeite die Stadtverwaltung außerdem mehrere Bauanträge für Wohnraum in der Altstadt. Graf wiederum befand, in der Innenstadt habe sich „das Ein oder Andere nicht zum Besseren gewandt“. Die Kommune müsse Impulse setzen, beispielsweise mit einem Gründerladen oder einem Reparaturcafé. Stattdessen seien Anregungen, etwa von aktives Neumarkt, nicht umgesetzt worden. „Es reicht nicht, Private zu drangsalieren“, sagte Graf auf Thumanns Kritik an Einzelhändlern.

Hier finden Sie einige Stimmen aus dem Publikum.

Mit einem Augenzwinkern ging es dann in die Zwischenrunde: Die Kandidaten sollten von Endlein vorgefertigte Sätze vervollständigen. So sorgte Ries für Lacher, als er erklärte, er werde es selbstverständlich gerne annehmen, sollte ihm der OB eines Tages Freikarten für das fertiggestellte Ganzjahresbad überreichen. Thumann wiederum sagte, er könne gar nicht genau benennen, bei welchen Themen er einer Meinung mit Ries sei – erst müsse der sagen, wogegen er eigentlich nicht sei. Graf wiederum führte die gute wirtschaftliche Lage Neumarkts auf funktionierende „äußere Parameter“ zurück.

Die Hintergründe der Diskussionrunde lesen Sie hier.

Schlagartig ernst wurde die Runde dann beim Thema Finanzen. Graf sprach davon, die Haushaltskasse der Stadt laufe Gefahr, zugrunde gerichtet zu werden. Dafür gebe es „gefährliche Symptome“. Für die Stadt könne es da nur die Devise geben: „Firmen halten oder besser noch herholen“. Ries sprach davon, dass unter anderem in die Infrastruktur am Unteren Tor unnötig viel Geld investiert worden sei. Thumann konterte mit einem Verweis an die Stadträte: Während jeder Haushaltssitzung würden er und der Kämmerer mahnende Worte sprechen – schon in der nächsten Sitzung würden das einige nicht mehr wissen.

Diskussion um Trinkwasser

Deutliche Worte fielen auch beim Thema Trinkwasser. Am Tag der Diskussionsrunde war eine Pressemitteilung der FLitZ-Stadträte erschienen, in der diese nicht nur ein Ratsbegehren gefordert, sondern auch mögliche Belastungen des Trinkwassers in den Raum gestellt hatten. Der Amtsinhaber sprach von einer „infamen Verhaltensweise, mit Ängsten und Sorgen zu spielen“. Ein Gutachten belege, dass das Wasser frei von Schadstoffen und unbelastet sei. Zu einer dezentralen Wasserenthärtung sagte Thumann, viele Bürger hätten mit dem momentanen Härtegrad kein Problem, müssten dann aber die entsprechenden Kosten mittragen. Graf dagegen sprach sich für eine zentrale Lösung aus – es gehe ihm aber nicht um die Wasserhärte, sondern um die Kalkausflockung. Werde er Oberbürgermeister, so kündigte Graf an, würden über diese Frage die Bürger oder der Stadtrat entscheiden.

Unser Spezial zur OB-Wahl finden Sie hier.

Viel zustimmendes Gemurmel durchzog den Saal, als die Kandidaten über die Tempo-30-Zonen in Neumarkt und Beschwerden von Anwohnern sprachen. Einig waren sich alle drei OB-Kandidaten: Es werde nie gelingen, alle zu ertappen., die mit zu hoher Geschwindigkeit unterwegs sind. Ries führte an, dass sich oft gerade die Eltern falsch verhielten, die ihre Kinder mit dem Auto zur Schule bringen. Thumann sagte, auf Wunsch von Anliegern seien mehrfach Messgeräte aufgestellt worden. Ihr Ergebnis: Die meisten Autofahrer halten sich an die Begrenzung. Dagegen seien die Anlieger oft diejenigen, die zu sehr aufs Gas drückten. Graf forderte, bei Kontrollen neue Wege zu gehen und beispielsweise überkommunale Verbände zu beauftragen: „Mit einfachen Blitzern ist es nicht getan.“

Hier sehen Sie ein Video zum „Superwahltag“ in Neumarkt:

Der "Superwahltag" in Neumarkt

Zum Abschluss der Diskussionsrunde räumten die beiden Moderatoren Endlein und Röhrl den drei OB-Kandidaten jeweils 60 Sekunden Redezeit ein, während der sie um die Stimmen des Publikums werben konnten. Thumann sagte, Neumarkt sei für seine Kontinuität bekannt. Er sehe sich nun mit 52 Jahren und nach zwölf Jahren als Oberbürgermeister in der Position, für die Stadt wichtige Projekte weiter umzusetzen. Graf sagte, die Stadt stehe vor vielen großen Aufgaben. Er verspreche mehr Bürgernähe und das unter seine Führung kreativ an Lösungen gearbeitet werde, um Neumarkt fit für die Zukunft zu machen. Ries sagte, er sei kompetent in Sach- und Fachfragen, weil er 40 Jahre lang in einer Verwaltung gearbeitet habe. Er wolle sich damit für die Bürger einsetzen – egal ob bei Straßen, Radwegen oder Sozialem.

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