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Region Neumarkt
Samstag, 16. Dezember 2017 5

Preis

Rengersrichter ist Deutschlands Bester

Michael Kneißl ist als „Milchviehhalter des Jahres“ ausgezeichnet worden. Bis morgens um vier Uhr feierte der Landwirt.
Von Bernhard Neumayer

Bei einer Gala in Berlin wurde Michael Kneißl geehrt. Foto: Ledényi

Rengersricht.Stress ist er ja als Landwirt eigentlich gewohnt. Quasi rund um die Uhr muss er sich um seine 76 Kühe kümmern. Sieben Tage in der Woche, 365 Tage im Jahr. Doch diesen Terminstress und die vielen Presse- und Fototermine kannte Michael Kneißl bislang noch nicht.

Doch in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag hat sich das schlagartig geändert. Der Landwirt aus Rengersricht ist vorgestern als „Milchviehhalter des Jahres“ mit dem Ceres-Award ausgezeichnet worden. Moderatorin Susanne Schöne hat Kneißl den bedeutendsten Preis für Landwirte in Deutschland im Rahmen der Gala „Nacht der Landwirtschaft“ in Berlin überreicht.

Am Morgen danach ist dem 30-Jährigen am Telefon die Freude anzuhören. „Diese Auszeichnung ist eine Ehre, aber auch eine Bestätigung unserer Arbeit“, sagte Kneißl, der sich mit seinem Familienbetrieb den Traum einer eigenen Molkerei verwirklicht hat. „Das war schon immer meine Idee.“

Der bedeutendste Preis für Landwirte

  • Anerkennung:

    Der Ceres-Award wurde 2014 erstmals verliehen und von Branchenvertretern als „höchste landwirtschaftliche Auszeichnung“ eingestuft.

  • Name:

    Patin für den Award ist Ceres, die römische Göttin des Ackerbaus, der Fruchtbarkeit und des Wachsens. Schirmherr ist Joachim Rukwied, Präsident des Deutscher Bauernverbandes.

  • Kategorien:

    Der Wettbewerb wird in mehreren Kategorien ausgelobt, welche die gesamte Vielfalt der heutigen Landwirtschaft widerspiegeln.

  • Gesamtsieger:

    Aus den Gewinnern der elf Einzelkategorien wählte eine Jury den Gesamtsieger. Der 36-jährige Georg Mayerhofer aus dem Landkreis Passau hat in diesem Jahr gewonnen. (bn)

Deshalb nahm er sein Schicksal in die eigenen Hände und schaffte mit dem Sachkundelehrgang „Milchverarbeitung“ und diversen Praktika in anderen Hofmolkereien die Voraussetzung dafür, Milch abfüllen und verkaufen zu dürfen.

Als er 2013 einen Stall für 76 Kühe baute, wurden im ersten Stock die Molkereiräume mit Hygieneschleuse und Abtrenngang eingerichtet. Im Juni 2015 legte die Molkerei los.

Das ist der Stall der Kneißls in Rengersricht. Foto: Ledényi

Neben Voll- und entrahmter Milch bietet er auch verschiedene Arten von Joghurt an. 1 000 Liter schafft die Anlage in der Stunde. Mit 250 000 Litern verarbeiteter Milch hat er im ersten Jahr begonnen, mittlerweile ist er bei 330 000 Litern. „Unser Ziel ist es, 500 000 Liter Milch im Jahr zu verarbeiten“, erläuterte Kneißl am Telefon.

„Wir haben bis kurz nach vier Uhr morgens gebührend gefeiert.“

Michael Kneißl

Im Hintergrund sind Stimmen zu hören. Es herrscht Unruhe. Kneißl unterbricht seine Erzählungen und entschuldigt sich. Ein weiterer Fototermin steht an. Doch zehn Minuten später meldet er sich noch einmal. „Diese Pressetermine sind für mich noch ungewohnt“, gibt er zu. Dann fängt er wieder an, von der Gala zu erzählen.

„Es war ein schöner und aufregender Abend“, blickte Kneißl zurück. Gemeinsam mit seiner Frau, seinen Eltern und Geschwistern war er bei der Gala. Vorab hatte eine Fachjury mehrere Landwirte besucht und deren Arbeit bewertet. Drei Bewerber wurden zum Finale eingeladen und jeweils in einem kurzen Video vorgestellt. „Als dann die Moderatorin nach und nach erzählt hat, was der Sieger-Betrieb leistet, stieg die Hoffnung mit jedem weiteren Satz“, erzählte Kneißl. Als der Name seiner Hofmolkerei dann als Sieger auf der Leinwand stand, war der Jubel groß. Erst haben die Kneißls mit den anderen Landwirten auf der Gala gefeiert, dann ging es weiter in die Hotellobby. „Wir haben bis kurz nach vier Uhr morgens gebührend gefeiert.“

Die Familie machte sich für die Gala schick. Foto: Kneißl

Der Zusammenhalt in der Familie war auch für die Fachjury mitentscheidend, warum Kneißl den Titel gewonnen hat. „Der Sieger ist Milchviehhalter aus Leidenschaft. Die Zusammenarbeit mit der Familie ist ihm wichtig“, urteilte die Jury des Ceres-Awards. „Statt mehr Menge macht er mehr aus der Milch. Mit einer eigenen Marke bringt er seine Produkte an die Kunden. Für die Wünsche der Verbraucher hat er ein offenes Ohr und setzt sie schnell um.“

Vermarktung auch auf Facebook

Kneißls Eltern schmeißen gemeinsam mit einem Auszubildenden die Landwirtschaft auf dem Hof in Rengersricht. Seine Frau kümmert sich um Lieferscheine, Rechnungen und um den Facebook-Auftritt. 2270 Likes hat die Seite der Hofmolkerei Kneißl aktuell (Stand: Donnerstagabend). Über das soziale Netzwerk haben die Kneißls ihren Followern mitgeteilt, dass sie den Preis abgesahnt haben.

Auf der Facebook-Seite posteten die Kneißls den Erfolg:

Neben seiner Familie unterstützen ihn drei Arbeiter für die Molkerei und ein festangestellter Molkerei-Techniker. Er kümmert sich um den Rest. „Ich bin am Hof quasi das Mädchen für alles“, sagt Kneißl und lacht. Er organisiert den Arbeitsalltag, stellt die eigenen Produkte bei möglichen Kunden vor und verkauft die Erzeugnisse. „Wir wollten aus der Milch der Kühe einfach mehr herausholen, als sie einfach stur zu verkaufen“, erklärte Kneißl. Er wollte sich mit der Molkerei selbstverwirklichen und den Kunden Milch und Joghurt aus der Region und ohne Gentechnik anbieten. „Mittlerweile achten viele Menschen schon darauf, dass sie regionale Produkte kaufen“, sagte Kneißl.

„Wenn die Kunden unsere Milch im Supermarkt kaufen, macht mich das natürlich sehr stolz.“

Michael Kneißl

Bevor er seine eigenen Produkte aber vertreiben kann, steht eine Menge Bürokratie an. Für jedes Produkt muss Kneißl einen Produktpass mit 100 Angaben ausfüllen. Außerdem benötigt er Zertifikate – von der EU, für das Siegel Qualität aus Bayern und vor allem das IFS-Globalfoods-Zertifikat, das ihm die Türen zu den Einzelhändlern öffnet.

Rund 35 Supermärkte in der Umgebung verkaufen bereits Milchprodukte der Hofmolkerei Kneißl. „Wenn die Kunden unsere Milch im Supermarkt kaufen, macht mich das natürlich sehr stolz.“

Die Familie kümmert sich um die Tiere. Foto: Ledényi

Kneißl will die Nähe zum Kunden. Auch deshalb veranstaltet er jedes Jahr ein Hoffest. „Bei der letzten Feier waren 6000 bis 7000 Menschen da“, erzählte Kneißl. Auch im kommenden Jahr soll das Fest wieder stattfinden. Ab und zu kämen auch sonntags Familien, um sich den Hof anzuschauen.

Von der Auszeichnung erhofft sich Kneißl noch mehr Aufmerksamkeit für den Betrieb. „Der Name Kneißl soll weiter bekanntwerden.“ Bevor er sich ab heute wieder darum kümmert, genoss er mit seiner Familie die Auszeit und nutzte die wenigen Stunden in Berlin, um sich die Stadt in Ruhe anzuschauen – ganz stressfrei ohne Pressefotografen. Nur für ein paar Selfies mit der Familie war noch Zeit.

Die Familie freute sich über den Titel. Foto: Kneißl

Lesen Sie hier, wer Gesamtsieger der Veranstaltung geworden ist.

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