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Region Neumarkt
Dienstag, 12. Dezember 2017 10

Projekt

Rumänien: Das Paradies will lernen

Zwei Jahre lang zeigte Werner Thumann vom Neumarkter Landschaftspflegeverband vor Ort gute Wege in die Moderne.
Von Eva Gaupp

Die Rumänen wollen ihre Artenvielfalt in den Karpaten erhalten. Dabei soll der Neumarkter Landschaftspflegeverband helfen. Foto: Körössy Ruki

Neumarkt.Wer eine Silberdistel oder einen Kreuzenzian bei einem Streifzug durch den Landkreis Neumarkt entdeckt, kann sich glücklich schätzen. Nicht umsonst steht die Silberdistel Pate für die Leckereien mit Juradistl-Lamm und Juradistl-Weiderind. Nur an ausgesuchten sonnigen Standorten auf dem Magerrasen sind die beiden seltenen Pflanzen zu finden – und deshalb hat der Landschaftspflegeverband in den vergangenen Jahren auch einiges getan, um ihren Lebensraum zu schützen.

Der Kreuzenzian ist im Landkreis Neumarkt sehr selten – auf den Bergwiesen in den Karpaten wächst er in Hülle und Fülle. Foto: Werner Thumann

Insofern herrschen in den rumänischen Karpaten geradezu paradiesische Zustände: „Dort wächst er auf fast allen Bergwiesen, wird mit abgemäht und an die Tiere verfüttert“, erzählt Werner Thumann noch immer staunend. Der Geschäftsführer des Neumarkter Landschaftspflegeverbands war in den vergangenen zwei Jahren als Berater sechsmal in Rumänien. So lange hat das Beratungshilfeprojekt gedauert, das über den Deutschen Verband für Landschaftspflege (DVL) koordiniert und vom Bundesumweltamt finanziert wird. Zweimal waren im Gegenzug Delegationen aus dem rumänischen Kreis Hargitha bei Szeklaburg in der Oberpfalz.

Landkreis Neumarkt als Vorbild

Solche Partnerschaften gebe es auch mit Schweden, Spanien, Luxemburg, Litauen und bald mit Island, erklärt Marie Kaerlein, Coordinator International affairs beim DVL. Der Neumarkter Verband mit Werner Thumann habe sich angeboten, weil er sehr viel Erfahrung in vielen verschiedenen Arbeitsgebieten aufweise. „Das ist nicht bei allen Landschaftspflegeverbänden üblich.“

Ziel war es, den rumänischen Kollegen in der Landschaftspflege und der Regionalentwicklung, aber auch Politikern vorbildhafte Beispiele aus dem Landkreis Neumarkt zu zeigen. Wie etwa zugebaute Gewässer renaturiert und regionale Produkte vermarktet werden können bzw. wie gezielte Landschaftspflege und Umweltbildung gelingen kann. „Aber auch wir haben sehr viel gelernt. Und wir möchten die Partnerschaft unbedingt über den Projektzeitraum hinaus weiterführen“, sagt Thumann, der offen zugibt, dass er vor seiner ersten Reise in die Ostkarpaten nicht so genau gewusst habe, was ihn dort erwartet. Jetzt sagt er: „Aus der beruflichen Tätigkeit wurde eine Leidenschaft“. Weshalb seine Frau und er den privaten Sommerurlaub in Rumänien verbracht haben.

Die Lebenbedingungen in Rumänien seien mit denen in Deutschland heute kaum zu vergleichen. Gerade in den ländlichen Gebieten herrsche noch eine bäuerliche Struktur wie in Deutschland vor 40, 50 Jahren. Die Menschen in den Dörfern seien zum Großteil Selbstversorger mit ein paar Kühen, Schweinen, Schafen, Stallhasen, Hühnern und einem großen Garten, in dem sie Obst und Gemüse anbauen. Wer größere Anbauflächen besitze, verkaufe seine Früchte auf regionalen Märkten.

In den Bergen werden die Wiesen meist noch von Hand gemäht. Foto: Körössy Ruki

Doch die junge Generation möchte so nicht mehr leben und versucht ihr Glück in den Städten. Damit vollzieht sich auch in den Karpaten ein Wandel, wie ihn der Westen bereits vor Jahrzehnten erlebt hat. Die steilen Bergwiesen wurden meist von der Hand gemäht – heute liegen mehr und mehr Flächen brach. Durch die schonende Bewirtschaftung entwickelte sich bis heute jedoch eine unglaubliche Artenvielfalt – die die Rumänen erhalten wollen. „Es gibt so viele Silberdisteln, dass sie geerntet und das Herz als Speise zubereitet wird“, erzählt Thumann. Tausende von Wildblumen und -kräutern dufteten auf den Wiesen um die Wette.

Doch wenn die regelmäßige Mahd ausfällt, passiert in den Karpaten dasselbe wie auf den Magerrasen im Landkreis Neumarkt: Die Flächen verbuschen, wachsen zu, die Lebensbedingungen verändern sich und die Artenvielfalt nimmt rapide ab. In Rumänien, wo die Fichte zuhause ist, breitet sich der Nadelbaum rasant aus.

Von den Neumarktern lernen

Aus der deutschen Erfahrung heraus könnte eine Beweidung eine Lösung für die Rumänen sein, gezielte Entbuschungsaktionen durch den Menschen eine weitere. Bei Gesprächen mit Politikern erklärte Thumann, welche staatlichen Förderprogramme in Bayern und Deutschland die Landschaftspflege unterstützen. „Eine denkbare Möglichkeit sind auch Sponsoren aus der Wirtschaft. Wir haben ebenfalls Unternehmen, die unsere Arbeit seit Jahren unterstützen. Ohne sie ginge es nicht.“

Doch der Berater Werner Thumann hat ebenfalls durch die Partnerschaft etwas gelernt: „Ich habe gesehen, was wir verloren haben und bin jetzt erst recht motiviert, unsere Artenvielfalt zu erhalten und Lebensräume zu schaffen, um die Vielfalt wieder zu verbessern.“

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