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Region Neumarkt
Donnerstag, 23. November 2017 10° 3

Justiz

Schlägerei bleibt ungeklärt

Beim Neumarkter Amtsgericht ging es um eine Prügelei. Wer sie gestartet hatte, war unklar – es fehlte an unabhängigen Zeugen.
von Gerd Schlittenbauer

Der Fall entpuppte sich vor Gericht als verworren. Foto: Oliver Berg/dpa

Neumarkt.Mit einer tätlichen Auseinandersetzung in einem Asylbewerber-Wohnheim musste sich Amtsrichter Rainer Würth am Dienstag befassen. Doch wer mit dem Schlagen angefangen hatte, dies konnte vor Gericht nicht definitiv geklärt werden. Jedenfalls hat der 34-jährige Angeklagte mit einem Holzstock einen 22-jährigen Widersacher auf den Daumen geschlagen, sodass dessen Knochen brach.

Doch ganz so einfach war der Hergang wohl nicht, denn der 22-Jährige behauptete, er sei zu Beginn vom Angeklagten mit einem Motorradhelm traktiert worden. Er gestand, dass er mit der Faust zurückgeschlagen habe, wonach der Andere seinerseits den Stock ins Spiel brachte. Anlass der Auseinandersetzung war anscheinend, dass ein Kind ein provisorisch aufgestelltes Fußballtor umgeworfen hatte.

Nicht zuletzt war auch von einem Eisen die Rede – der Angeklagte behauptete, er sei damit geschlagen worden. Würth war versucht, dies aufgrund der entstandenen Verletzungen zu glauben, doch der Widersacher behauptete steif und fest, er habe nicht mit dem Eisen zugeschlagen.

Überhaupt war das Problem der Gerichtsverhandlung, dass es keine unabhängigen Zeugen gab. Richter Würth unterbrach die Sitzung, um sich Gedanken über eine Einstellung des Verfahrens zu machen. „Ich habe kein Interesse, aus der Sache einen Elefanten zu machen, also sollten sich die Beteiligten gut benehmen“, hatte der Richter schon vor der Zeugenvernahme klar gemacht. Dem kamen die Parteien einigermaßen nach, lediglich einer der Zuhörer wollte im Gerichtssaal nach Ende der Verhandlung noch auf weitere vermeintliche Rechte pochen und musste von Richter Würth scharf in die Schranken gewiesen werden.

„In solch engen Verhältnissen zu leben, ist für alle schwer“, betonte der Richter begleitend zur Einstellung des Verfahrens, der auch Staatsanwältin Magdalena Mayer zugestimmt hatte. Auch seien die ethnischen Konstellationen in Asylbewerber-Wohnheimen manchmal „ungünstig“. In diesem Fall ging es nicht zuletzt um eine Auseinandersetzung zwischen syrischen Arabern und syrischen Kurden. Nichtsdestotrotz: „Wenn man hier ist, dann muss Ruhe sein“, betonte der Richter. Und weiter: „Ich rate allen, künftig Auseinandersetzungen aus dem Weg zu gehen.“

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