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Region Neumarkt
Samstag, 18. November 2017 5

Körperschmuck

Schmaler Grat zwischen Kunst und Schmerz

Das Tattoo Weekend Neumarkt hofft auf guten Besuch. Der Trend fasziniert die Menschen in der Region immer mehr.
Von Johannes Heil

Tattoos sind im Trend – auch in Neumarkt. Fotos: Linh/dpa

Neumarkt.Wenn die Tattoo-Gemeinde zusammenkommt, dann ist das immer so ein bisschen wie ein Familientreffen. Und wie es in einer Familie nun einmal so üblich ist, geht es dort sehr unverbindlich zu. Man ruft sich mit den Vornamen, die Nachnamen sind unwichtig. Deswegen sind die Veranstalter des Tattoo Weekend Neumarkt in der Szene auch nur unter den Namen Dani und Matze bekannt. Und das soll auch so bleiben, darauf legt Dani wert.

Das kommende Wochenende ist für Dani ein ganz Besonderes. In den Jura-Hallen trifft sich die Community dann nämlich bereits zum zweiten Mal in Neumarkt zum Tattoo Weekend. Im Vorjahr war die Premiere ein „Riesenerfolg“. Über 4000 Menschen seien in die Jura-Hallen gekommen. „Es wäre super, das in diesem Jahr noch einmal zu toppen“, sagt Dani. Wie viele Leute sich dann aber tatsächlich von der Faszination Tattoo locken lassen, das sei im Vorhinein nur schwer einzuschätzen.

Expansion im zweiten Jahr

Das Tattoo Weekend wurde im vergangenen Jahr sogar derart gut angenommen, dass man in diesem Jahr „expandiert“ hat. Im April fand in Grafenwöhr das deutsch-amerikanische Tattoo Weekend statt. „Dort hatten wir extrem viel Zulauf“, sagt Dani. In Heidenheim folgte dann Ende Mai die zweite Veranstaltung.

Noch vor 25 Jahren waren Tattoos eine wahre Seltenheit. Wer sich den Körperschmuck stechen ließ, hob sich deutlich vom Rest der Bevölkerung ab, war fast schon ein Exot. Mittlerweile hat sich der Prozentsatz der Menschen, die sich bereits ein Tattoo haben machen lassen, dramatisch erhöht. Mit der steigenden Anzahl an Tätowierungen hat sich auch die Zahl dementsprechender Messen deutlich erhöht. „Mittlerweile gibt es Tattoo-Messen wie Sand am Meer“, sagt Dani. Da sei es besonders wichtig, sich vom Rest abzuheben.

Hier finden Sie weitere Informationen zu Tattoos:

Video: jh

Das Besondere in Neumarkt, so die Organisatorin, sei das Drumherum in den Hallen und auf dem Festplatz. „Bei anderen Veranstaltungen ist nicht besonders viel geboten im Rahmenprogramm. Wir jedoch bieten mehr an als ‚nur‘ Tattoos.“ Burlesque-Tänze, US-Cars und Oldtimer sowie Livemusik warten auf die Besucher. Man wolle das Tattoo-Weekend zu einer massentauglichen Veranstaltung machen. „Im vergangenen Jahr hatten wir auch viele ältere Ehepaare, die spazieren gegangen sind und dann bei uns vorbeigekommen sind und sich umgeschaut haben“, sagt Dani.

Da seien zwar schon einige verwunderte Blicke zu erkennen gewesen, aber durchaus auch anerkennende. Viele Menschen würden sich auch einfach dafür interessieren, wie ein Tattoo aus handwerklicher Sicht denn eigentlich entsteht. Da gebe es beispielsweise das sogenannte Stencil, eine Vorform des eigentlichen Tattoos, das vielen Menschen nicht kennen würden. In Sachen Tattoos gebe es auch keine Altersbeschränkung – zumindest nach oben. „Ich kenne jemanden, der sich noch mit 81 Jahren ein Tattoo hat machen lassen“, erzählt Dani. „Tätowierungen sind in der Mitte der Gesellschaft angekommen.“ Auch für Kinder sei beim Tattoo Weekend einiges geboten. Da aber Tattoos schließlich nichts für Heranwachsende sind, sollen Hüpfburg und Kinderschminken die Kleinsten begeistern. Tätowierungen sind bis zur Vollendung des 16. Lebensjahres in Deutschland nicht erlaubt, bis zum 18. Geburtstag bedarf es der Einwilligung eines gesetzlichen Vertreters.

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Tattoos

  • Herkunft:

  • Tätowierungen haben Menschen schon seit vielen Jahrtausenden. Das Wort selbst soll eine englische Ableitung vom polynesischen tatau sein, das das unauslöschliche Beschriften der Haut bezeichnet. Auf den Inseln im Pazifik sind Tattoos seit Jahrhunderten fester Bestandteil der Kultur.

  • Gesundheit:

  • Laut einer Studie der Uniklinik Regensburg aus dem Jahr 2010, zu der 3500 Menschen befragt wurden, haben 67 Prozent der frisch Tätowierten Probleme mit Entzündungen, Schwindel, Fieber oder Übelkeit. Bei sechs Prozent verschwinden Juckreiz oder Schwindel auch nach längerer Zeit nicht.

  • Auswahl:

  • Auf den eigenen optischen Eindruck muss man sich zwangsläufig bei der Wahl des Tätowierers verlassen. Ist es sauber im Studio, trägt der Tätowierer Einmalhandschuhe, gibt es Einrichtungen zur Desinfektion – darauf sollte man achten.

  • Entfernung:

  • In der besagten Studie der Uniklinik Regensburg erklärten fünf Prozent der Befragten, dass sie das Tattoo wieder gerne loswerden würden. Eine der Möglichkeiten ist die Lasertechnik. Dabei werden die eingelagerten Farbkristalle erhitzt und sie zerplatzen. Erfolgversprechend ist diese Technik aber insbesondere bei farbigen Tattoos nicht immer. (en/kh)

Eine Art, sich selbst auszudrücken

Warum Tattoos derartig angesagt sind? „Ich glaube, es ist für viele Menschen eine gute Art, sich selbst auszudrücken“, meint Dani. Die eigene Individualität solle damit betont werden. Auch auf Danis Körper prangen zahlreiche Tattoos. Wäre da aber noch die Sache mit dem Schmerz. „Es tut schon weh, sich ein Tattoo machen zu lassen. Jene Stellen, an denen die Haut sehr dünn ist, sind besonders schmerzhaft“, sagt Dani. Aber das seien Qualen, die man gern aushalte. „Schließlich will man das Tattoo ja unbedingt haben.“ Angst um die Gesundheit muss beim Tattoo Weekend niemand haben. Dass jemand vor Schmerz kollabiere, sei sehr selten. „Letztes Jahr ist es nur einmal passiert – beim Piercen.“

Beim Tattoo Weekend werden an jedem Abend die besten Werke gekürt. Wirft man einen Blick auf die verschiedenen Kategorien, wird schnell klar: Tattoo ist nicht gleich Tattoo. Es gibt die Kategorien „Best of Black and Grey“ und „Best of Colour“, die jeweils die besten Werke in Schwarz und Grau sowie in Farbe würdigen. Die dritte Kategorie heißt „small“. „Hier dürfen die Tattoos nicht größer als eine Zigarettenschachtel sein“, sagt Dani. Auch die Tätowierer unterscheiden sich stark voneinander. Während sich der eine auf farbenfrohe Comics spezialisiert, arbeitet der andere nach einer realistischen Vorlage. So vielfältig die Wünsche der Kunden, so mannigfaltig ist auch die künstlerische Palette der Tattoo-Künstler. Besonders angesagt seien derzeit die sogenannten Mandalas, sagt Dani. Auf eine Attraktion sind die Veranstalter besonders stolz. „Und wir haben natürlich den Bembers“, sagt Dani. Der fränkische Kutl-Comedian wird als Stargast beim Tattoo-Wochenende auftreten.

Das Tagblatt verlost Eintrittskarten

Das Neumarkter Tagblatt verlost fünf Eintrittskarten für das Tattoo Weekend. Wer zu den Gewinnern zählen möchte, kann am Dienstag unter der (0 13 79) 88 58 13 (0,50 Euro je Festnetzanruf; Mobilfunk ggf. abweichend) an dem Gewinnspiel teilnehmen. Am Samstag hat das Tattoo Weekend dann von 12 bis 22 Uhr geöffnet, am Sonntag von 12 bis 20 Uhr. Eine Tageskarte kostet im regulären Verkauf zehn Euro, eine Karte für das gesamte Wochenende gibt es für 14 Euro. Weiter Informationen sind unter www.tattooweekend.de verfügbar.

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