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Region Neumarkt
Montag, 11. Dezember 2017 5

Jubiläum

Seit zehn Jahren Hilfe gegen Süchte

Für die Suchtberatung des evangelischen Diakonischen Werks gibt es viele Gründe, warum sie gebraucht wird.
Von Lothar Röhrl

Die existenziellen Gefahren, die von Spielsucht ausgehen, sind nicht mehr zu leugnen. Auch darauf hat sich zehn Jahren nach ihrer Gründung die Suchtberatung des Diakonischen Werks Nürnberger Land/Neumarkt eingestellt.Foto: Christian Charisius/dpa

Neumarkt.Vor zehn Jahren haben die Diakonie in Abstimmung mit dem Bezirk, dem örtlichen Gesundheitsamt und dem ökumenischen Partner, der Caritas in Neumarkt eine Suchtberatung für die Stadt und den Landkreis auf dem Weg gebracht. Vor zehn Jahren war Sucht gleichbedeutend mit Abhängigkeit von Alkohol, Tabak oder Drogen. Doch jetzt, zehn Jahre später, ist unwiderlegbar, wie schwer auch Spielsucht, Arbeitssucht oder jedes andere Suchtverhalten einen Menschen und oft auch dessen persönliches Umfeld beschädigen bis zerstören kann. Aber auch seit genau zehn Jahren gibt es im Landkreis Neumarkt eine Anlaufstation für Hilfe: die Suchtberatung des Diakonischen Werks Altdorf-Hersbruck-Neumarkt. Dieses Jubiläum wird demnächst so begangen, wie sich diese Einrichtung selbst sieht: Selbstlos im Dienste derer, die Hilfe ersuchen.

Diakon Detlef Edelmann der Vorsitzende der Diakonie Nürnberger Land/Neumarkt hat die Beratungsstelle von seinem Vorgänger Herbert Lang übernommen. Es hat einen guten Grund, weshalb Neumarkt als Ergänzung in diesem Namen steht. Denn im Nachbarlandkreis Nürnberger Land hatte es schon vor 2007 eine Suchtberatung gegeben. Detlef Edelmann erinnert sich, dass eine solche Hilfe auch im Neumarkter Landkreis installiert werden solle. So bekam das Diakonische Werk als einziger Interessent den Zuschlag.

Seit dem ersten Tag ist die Finanzierung gleich geblieben. Zu 80 Prozent kommt der Bezirk Oberpfalz für die Kosten auf, die bei diesem Diakonischen Werk anteilsmäßig für die Suchtberatung Neumarkt anfallen. Das Jahresbudget beträgt inzwischen knapp 240 000 Euro. Unverändert ist die Art der Hilfe geblieben. „Der Bedarf an einer niedrigschwelligen Beratung war damals hoch und ist es sicher heute auch noch.“ Eine Entwicklung war, so Detlef Edelmann, dass für Menschen, die nicht wissen, wie es nach dem Verlust ihres Führerscheins wegen Alkohol am Steuer weitergehen soll, ein neues Angebot geschaffen werden musste.

Teil der Vorbereitung auf die MPU

Ein spezielles Gruppenangebot ist seitdem gut besucht. Eine weitere Entwicklung war, dass nicht mehr nur ‚trockene‘ Menschen kommen können. „Kontrolliert trinken ist vielleicht manchmal besser als Abstinenz, die nicht gehalten werden kann“, stellt Edelmann dazu fest.

Das Zusammenwirken mit anderen Hilfsangeboten ist der Suchtberatung auch im Falle einer Drogenabhängigkeit wichtig. Denn mit Crystal Meth hat sich eine Herausforderung eingestellt, die es so vor zehn Jahren nicht gegeben hatte. Diese synthetisch hergestellte Substanz ist zu einer Modedroge geworden. Auch hier hat die Suchberatung reagiert. Beispielsweise gibt es neben der Beratung für Menschen, die illegale Drogen konsumieren, auch Gruppenangebote für deren Angehörige.

Ein neues Programm wird in diesen Tagen starten, um speziell jugendliche Konsumenten zu betreuen, gibt es jetzt „FReD“: Das ist die Abkürzung für „Frühintervention bei erstauffälligen Drogenkonsumenten“. Hier agiert die Suchtberatung als Teil eines Netzwerkes, zu dem beispielsweise die Neumarkter Polizei, die Justiz, das G6, die Schulen und das Gesundheitsamt gehören. „FReD“ versteht sich nicht nur Betreuung von Personen, die mit Crystal Meth in Berührung gekommen sind. Das Projekt will vor allem Prävention leisten. Denn das große Problem bei Crystal Meth ist, dass Konsumenten sehr schwer davon loskommen. für Jugendliche und junge Erwachsenen im Alter von 14 bis 21 Jahren.

Hier finden Sie weitere Informationen:

Zehn Jahre Suchtberatung

  • Kontakt:

    Die Beratungsstelle befindet sich im Gebäude der evangelischen Diakonie in Neumarkt, Seelstraße 11a. Sie ist erreichbar unter Telefon (0 91 81) 44 09 06, über E-Mail suchtberatung@diakonie-ahn.de oder www.diakonie-ahn.de.

  • Abend mit Uli Borowka:

    Der ehemalige Bremer Nationalspieler hat ein Buch über sein Parallelleben als Fußballspieler und als Alkoholiker geschrieben. Das stellt er am 29. November ab 19 Uhr in Neumarkt im evangelischen Gemeindesaal vor; www.neumarkt-ticket.de. (lr)

Mehr Bedrohung durch Glücksspiel

Wesentlich mehr Beachtung als noch vor zehn Jahren gilt dem Thema Glücksspielsucht. So beantwortete Detlef Edelmann die entsprechende Frage unseres Medienhauses. Glücksspielsucht sei Kontrollverlust. „Wer spielsüchtig ist, ist krank. Und diese Krankheit trifft in vielen Fällen nicht nur den Spieler selbst“, merkte der Diakonievorsitzende an. Dieses ist zwar wie bei allen anderen Suchtthemen auch hier erste Anlaufstelle. Wegen der Komplexität dieses Themas leitet die lokale Suchtberatung Klienten an die spezialisierte Landesstelle Glücksspielsucht in Bayern (LSG) weiter.

Ähnlich gehe man auch bei Themen wie Arbeitssucht, Sexsucht und bei psychischen Erkrankungen wie „Burnout“ vor. Detlef Edelmann kann sich noch gut erinnern, wie unterschätzt „Burnout“ noch vor zehn Jahren war. Der Suizid von Fußball-Torhüter Robert Enke im November 2009 habe bewirkt, dass hier endlich ein Thema in die Öffentlichkeit gerückt wurde. Und somit dorthin, wo es nach Meinung von Detlef Edelmann schon lange davor hingehört hätte.

Der Zufall will es, dass ein Fußballer im Mittelpunkt eines Beitrags zu dieser Zehn-Jahres-Feier des Diakonischen Werks stehen wird. Am 29. November kommt der ehemalige Nationalspieler Uli Borowka nach Neumarkt. Ab 19 Uhr spricht er im Klostersaal des Evangelischen Gemeindezentrum (Kapuzinerstraße 5) in Neumarkt über sein Doppelleben als Fußballprofi und Alkoholiker konnte er vor Fans und Öffentlichkeit jahrelang verheimlichen. Erst vier Jahre nach seinem Abschied aus der Bundesliga gelang ihm im Jahr 2000 nach viermonatiger, stationärer Therapie der Ausstieg aus der Alkoholsucht. Borowka berichtet in seiner typisch direkten und kompromisslosen Art von Alkohol und Fußball, Freunden und Feinden, Enttäuschungen und Unterstützung. In dem Begleittext des Diakonichen Werks als Einladung zu dieser Veranstaltung heißt es zum Schluss: „Dabei spart er nichts aus. Am wenigsten sich selbst.“

Die Feierstunde zum Jubiläum wird am 8. Dezember in der Beratungsstelle mit Gästen und Mitarbeitenden über die Bühne gehen.

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