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Region Neumarkt
Montag, 11. Dezember 2017 7

Tagung

Sie helfen Familien in Notlagen

Im Pädagogischen Zentrum in Parsberg trafen sich Menschen, die als Erziehungsstellen Kinder aufnehmen und betreuen.
Von Günter Treiber

Sogenannte Erziehungsstellen nehmen erziehungsschwierige Kinder bei sich zu Hause auf. Foto: dpa

Parsberg.Zur Fachtagung konnte der Leiter des Pädagogischen Zentrums (PÄZ) Josef Riedl Erzieher aus ganz Bayern und Vertreter aus den Jugendämtern Neumarkt und Regensburg sowie der Heimaufsicht willkommen heißen. Ein besonderer Gruß galt der Hauptreferentin Enamaria Weber-Boch, die zum Thema „Getrennt und doch gebunden“ sprach. Am Nachmittag wurden für die Teilnehmer verschiedene Workshops angeboten.

Betreuung über viele Jahre

Den Begriff Erziehungsstellen erläuterte Riedl für das Neumarkter Tagblatt wie folgt: „Erziehungsstellen sind pädagogische Fachkräfte, die als Angestellte des PÄZ oder einer anderen Einrichtung ein oder zwei erziehungsschwierige Kinder bei sich zu Hause aufnehmen und dort in der Regel über viele Jahre betreuen“. Solche Personen, so Riedl weiter im Gespräch, werden laufend gesucht. Voraussetzung sei allerdings, dass sie eine Fachausbildung haben.

Mit zwei Familien leben ist sowohl für Kinder als auch für deren Erzieher und Eltern eine Herausforderung, die Grenzen setzt, aber auch Chancen hat. Referentin Enamaria Weber-Boch hatte selbst zehn Jahre lang als sogenannte Kleinstheimmutter sechs Kinder und Jugendliche zusammen mit ihren eigenen Kindern betreut. Sie gründete später mit ihrem Mann Kinderhäuser und dezentrale Kinderheime.

„Ein fremdes Kind in der eigenen Familie aufzunehmen, ist eine bereichernde, aber auch schwierige Aufgabe, die alle Beteiligten vor Herausforderungen stellt“, führte Weber-Boch in ihr Referat ein. „Nämlich die sozialen Eltern oder Betreuer, die abgebenden leiblichen Eltern und vor allem das betreffende Kind“. Im weiteren Verlauf sprach sie vom verhaltensschwierigen Kind, das zum Symptomträger der Familie wird. Sie erklärte die Probleme junger Menschen in der stationären Jugendhilfe und sie sprach auch über die Herausforderungen der sozialen Eltern, die Grenzen setzen müssen und aber auch Chancen haben. Eindringlich erläuterte Weber-Boch die Elemente ihres Konzepts.

Um das Familienleben einer Erzieherfamilie miterleben zu können, konnte sich das Tagblatt mit Armella Dunkes aus Neumarkt unterhalten, die seit sechs Jahren ein Geschwisterpaar betreut. Das Mädchen ist jetzt zehn Jahre alt und ihr Bruder 13. Ihre Befähigung, beim Arbeitgeber PÄZ als Erziehungsstelle die Kinder betreuen zu können, hat sie sich als Mitarbeiterin in einem SOS-Kinderdorf sowie bei einem Studium zur Jugend- und Heimerzieherin erworben.

Sorgerecht teilweise entzogen

Ihre beiden Kinder haben eine unheilbare Bindungsstörung, erklärt Dunkes. Das Sorgerecht der leiblichen Eltern sei teilweise entzogen, es liege derzeit beim Jugendamt. „Man kann versuchen“, so Dunkes, „die Bindungsstörung zu dämpfen, indem man den Kindern eine stabile und sichere Erziehung anbietet“. Die beiden Kinder gehen in eine öffentliche Schule und seien nicht viel anders als andere Kinder.

Wichtig sei in der Erziehung, dass sie die Bindung zu den leiblichen Eltern nicht verlieren. Sie müsse aber auch Grenzen setzen, sagt Dunkes, sie lasse sich mit dem Vornamen ansprechen und sagt dazu zu den beiden: „Ihr habt eine Mama und ich übernehme nur die Aufgabe einer Mama“. Diesen Unterschied zu erkennen, sei ein langer Prozess versichert sie.

Die Grenzen allerdings schwächt sie für sich selber ab, als sie unserer Zeitung sagt: „Ich hänge sehr an den beiden und wünsche mir, dass ich sie bis zum Ende einer beruflichen Ausbildung betreuen darf.

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