mz_logo

Region Neumarkt
Samstag, 16. Dezember 2017 10

Serie

Stehen oder sitzen – das ist die Frage

Der Neumarkter Rechtsanwalt Geedo Paprotta beschäftigt sich dieses Mal mit juristischen Folgen des Wasserlassens.
Von Rechtsanwalt Geedo Paprotta

Justitia verschließt auch vor diesem Thema nicht ihre Augen.. Foto: Frank Rumpenhorst/dpa

Neumarkt. Herbert Grönemeyer hat einmal ein Lied über uns Männer gesungen und es gleich auch so genannt. Die Quintessenz dieses vor Wahrheit nur so strotzenden Songs findet sich vielleicht in der Zeile: „Männer sind einfach sonderbar…“ Obwohl der Musiker allerlei markante männliche Eigenschaften aufs Korn nimmt, von der Neigung zum Raketenbau bis zum schütteren Haar, lässt er die zum Beleg dieser Behauptung wohl bestechendste These außer Acht: „Männer pinkeln im Stehen“.

Einige Mitmänner werden nun vielleicht erbost aufheulen und dies bestreiten („Männer sind furchtbar schlau…“), aber keine Sorge. Auch Sitzpinkler können echte Männer sein! Das Landgericht Düsseldorf hat es in seiner Entscheidung unter dem Aktenzeichen 21 S 13/15 jedenfalls ausdrücklich nicht entschieden, ob Männer besser im Stehen oder im Sitzen … Konkret ging es um einen Vermieter, der nach dem Auszug seines Mieters im Bad die Fliesen neu verlegen musste. Rund ums Klo waren die Marmorfliesen völlig kaputtgeätzt, weil der Mieter ausschließlich im Stehen gepieselt hatte. Das spritzt erfahrungsgemäß.

Das Gericht jedoch befand, dass dies keinen unsachgemäßen Gebrauch der Mietsache darstelle: Urinieren in aufrechter Körperhaltung sei bei männlichen Personen nicht unüblich. Es dürfe nicht als allgemein bekannt vorausgesetzt werden, dass durch ein „Urinieren im Stehen“ aufgrund von Kleinstspritzern dauerhafte Schäden an einem Marmorboden drohten. Ob das Urinieren im Stehen generell ein vertragsgemäßer Gebrauch der Mietsache sei, lies das Gericht ausdrücklich offen.

Aber: Männer pinkeln im Stehen! – nicht etwa im Gehen, oder wie es das Sozialgericht Gelsenkirchen formulierte: „Die Verrichtung der Notdurft erfolgt erfahrungsgemäß nicht während der Fortbewegung“. Ein Gebäudereiniger hatte sich beim Urinieren auf dem Heimweg von der Arbeit in einem Gebüsch ausrutschender Weise einen Oberarmbruch zugezogen und forderte nun Entschädigungsleistungen von der gesetzlichen Unfallversicherung. Das Sozialgericht befand, dass der Unfall wohl tatsächlich nicht versichert gewesen wäre, wenn er beim Urinieren selbst passiert wäre. Der Weg zum Urinieren hingegen sei sehr wohl versichert. Da man erfahrungsgemäß nämlich nur beim Gehen und nicht beim Stehen ausrutschen kann, muss der Mann wohl noch gegangen sein, als er ausrutschte! (Az. S 10 U 256/98). Das soll nun kein Freibrief für pinkelnde Männer werden!

Das Amtsgericht Köln bestätigte zum Beispiel die fristlose Kündigung eines Mieters, der regelmäßig in den Garten pinkelte mit dem Argument, der „Fäkalgeruch störe den Hausfrieden“ (Az. 210 C 398/09). Auch das Amtsgericht Zerbst bestätigte eine fristlose Kündigung, weil ein Mieter ständig in den Keller uriniert hatte. In diesem besonderen Fall wurde sogar ein Videobeweis zugelassen, der den heimlichen Pisser in flagranti … na ja (Az. 6 C 614/02). Ich möchte diese Ausführungen mit Grönemeyers Worten abschließen: „Männer sind auf dieser Welt einfach unersetzlich.“

Die Kommentarfunktion steht exklusiv unseren Abonnenten zur Verfügung. Als Abonnent melden Sie sich bitte an oder registrieren Sie sich. Alle anderen Nutzer finden preiswerte Angebote in unserem Aboshop.

Anmelden Registrieren Zum Abo-Shop

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht