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MZ-Serie

Stiche im Mund – ein Notarzt muss her

Wenn Wespen oder Bienen Mund- und Rachenschleimhäute erwischen, können Atemnot oder ein allergischer Schock die Folge sein.
Von Nicole Selendt

Vor allem im Spätsommer tun sich Wespen an allem gütlich, was süß ist und auch Kindern gut schmeckt – und das kann zu tränenreichen Zusammenstößen führen. Foto: dpa

Neumarkt.nIm Sommer geht das ganz schnell: Kinder schlecken ein leckeres Eis, essen einen Kuchen oder nehmen einen Schluck aus ihrer Trinkflasche – und haben die Wespe oder Biene, die sich auf der Leckerei niedergelassen hat, nicht bemerkt. Das Insekt sticht den Kleinen Patienten im Mund – schlimmer noch – im Rachenbereich. Und schon wird aus dem spaßigen Nascherlebnis im Schwimmbad oder im Garten bitterer Ernst.

Oft haben Eltern zunächst gar nicht gesehen, was geschehen ist. Doch recht schnell lässt sich in einem solchen Fall feststellen, was ihrem Kind zugestoßen ist. Denn es wird über große Schmerzen klagen und im Mund oder Rachen wird sich eine Schwellung bilden – die unter Umständen rasch zunehmen kann. Es kann zu zunehmender Atemnot kommen, die Lippen des Kindes können blau werden, es können Anzeichen eines Schocks auftreten und der kleine Patient könnte das Bewusstsein verlieren.

Immer den Rettungsdienst rufen

Die Erste-Hilfe-Experten Herbert Berschneider vom BRK und Kinderkrankenschwester Elke Spruck raten nun zunächst zum Kühlen – am besten von innen und von außen. Das Kind kann einen Eiswürfel lutschen, den Mund mit kaltem Wasser spülen. Allerdings weiß Berschneider: „Man muss natürlich drauf achten, dass das Kind das überhaupt mitmacht.“ Ein Rezept das fast immer hilft: ein Steckerl-Eis. Von außen wirken kühle Sofort-Kompressen, feuchte und kalte Tücher als Halsumschlag oder auf der Wange abschwellend und verschaffen dem Kind zumindest ein wenig Schmerzlinderung.

Berschneider gibt allerdings zu bedenken, dass ein Kühlpack, das direkt aus der Gefriertruhe kommt, nicht direkt auf die Haut eines Kindes gelegt werden sollte. Erfrierungen könnten hier die Folge sein. Deswegen empfielt er, das Kühlpack in ein Tuch zu wickeln und anschließend auf den Stich zu legen. Einmal-Kühlpacks, die durch einen Schlag auf die Packung aktiviert werden und sich für einen Besuch im Schwimmbad oder am See bestens als Notfall-Apotheke eignen, sind ebenfalls eingepackt besser verträglich.

Die Experten warnen auch: Man sollte nicht lange im Rachen nach einem steckengebliebenen Stachel suchen – vor allem nicht mit irgendwelchen spitzen Gegenständen. Die Gefahr eines Atemstillstandes besteht. Entfernen kann einen eventuell steckengebliebenen Stachel immer noch der Notarzt. Denn der sollte bei einem Stich im Mund- und Rachenraum in jedem Fall verständigt werden. „Denn“, wie Spruck betont, „auch wenn auf den ersten Eindruck keine unmittelbare Bedrohung besteht: Der Rachenraum kann schnell zuschwellen, die Atemwege versperrt werden und dann ist das Kind in Lebensgefahr.“ Man sollte den kleinen Patienten auch nicht selbst in die Klinik bringen, empfiehlt Spruck.

Ein Schock kann lebensbedrohlich sein. Die Schocklage sollte eingenommen werden, bis der Notarzt kommt. Quelle: © Henrie / Fotolia

Hat ein Insekt ein Kind mit seinem Stachel an der Lippe erwischt, sei zunächst nicht unbedingt der Rettungsdienst gefragt. Hier gelte es, den kleinen Unglücksraben genau zu beobachten, sagt Berschneider. Allerdings ist ein Anruf beim Notarzt sofort fällig, wenn auch nur die kleinsten Anzeichen für eine Atemnot auftreten. Berschneider empfiehlt auch, das Kind so wenig wie möglich zu bewegen. Denn durch viel Bewegung würden die Giftstoffe des Tieres schneller durch den Körper transportiert und wirkten so schneller. Und das sei vor allem dann problematisch, wenn zusätzlich zu der Schwellung im Rachenraum noch eine allergische Reaktion komme.

Regeln für einen Tag im Freibad

Einige Regeln helfen dabei, Wespen- oder Bienenstiche – und damit tränenreiche Ausflüge ins Schwimmbad – zu vermeiden. So sollte man sich seine Liegeposition nicht zu nahe an einem Mülleimer suchen. Viele der Insekten tun sich an den dort weggeworfenen Essensresten gütlich. Auch kleine verschmierte Ketchup-, Schokolade- und Eiscrememäulchen sind ab spätestens August, vor allem aber ab Mitte September höchst risikoreich. Lieber gleich nach dem Naschen mit einem feuchten Tuch abwischen.

Vermeiden sollte man in der Wespenzeit auch Getränkedosen oder offene, undurchsichtige Trinkflaschen mit süßem Inhalt. Die Insekten können hineinkriechen und beim Trinken für eine böse Überraschung sorgen. Wer mit seinem Kind nicht darauf verzichten will, denkt an einen Strohhalm – der vermindert das Risiko, gestochen zu werden. Zuletzt sollten Eltern darauf achten, ihre Kinder auf Blumen- oder Fallobstwiesen nicht barfuß herumlaufen zu lassen. Dort sind viele Bienen und Wespen auf Nahrungssuche in Bodennähe – die Kleinen können leicht auf sie treten.

Wer sich für seine Touren mit dem Kind ins Freibad oder an einen Badesee eine Notfallapotheke zulegen möchte, der braucht laut Elke Spruck nicht viel: eine Salbe oder ein Gel, das kühlend und abschwellend wirkt, ein Sofort-Kühl-Pack und gegebenenfalls das homöopathische Mittel Apis.

Die nächsten Erste-Hilfe-Kurse in Neumarkt

Die nächsten Erste-Hilfe-Kurse in Neumarkt finden an folgenden Terminen statt: Das Familienzentrum Neumarkt veranstaltet im Seminarraum des Klosters St. Josef am Donnerstag, 16. Und 23. April und am Mittwoch, 21. und 28. Okotber, jeweils abends von 19 bis 21.30 Uhr einen Zweitageskurs. Ein Tageskurs findet am Samstag, 27. Juni von 9 bis 15 Uhr statt. Die Kursgebühr beträgt 27 Euro pro Person oder 47 Euro pro Elternpaar (inkl. Materialkosten), Referentin ist Elke Spruck, Lehrerin für Kinderkrankenpflege und Ausbilderin für Erste Hilfe bei Kindernotfällen. Es ist Platz für 15 bis 25 Teilnehmer, die Anmeldung ist möglich auf www.familienzentrum-neumarkt.de, per E-Mail unter info@familienzentrum-neumarkt.de oder unter Tel. (09181) 509771.

Das Rote Kreuz in Neumarkt veranstaltet seinen nächsten Erste Hilfe-Kurs für Kindernotfälle am Samstag, 25. Juli, von 8 bis 17 Uhr im BRK-Haus Neumarkt, Klägerweg 9. Die Kursgebühr beträgt 30 Euro, Referent ist Erste Hilfe-Ausbilder Herbert Berschneider. Platz ist für 16 Teilnehmer, eine Anmeldung ist nur online unter www.kvneumarkt.brk.de/seminare möglich.

Darum tut ein Stich so weh

  • Bienengift:

    Honigbienen injizieren bei einem Stich bis zu 140 Mikrogramm (ein Millionstel Gramm) Flüssigkeit. Diese ruft normalerweise eine lokale Entzündung, Schwellung und starke Schmerzen hervor. Das ist in der Regel ungefährlich, kann aber bei Allergikern zu einem anaphylaktischen Schock – und im schlimmsten Fall zum Tod – führen. Die komplexe Giftmischung besteht aus biogenen Aminen, Oligopeptiden, und Enzymen. Für die allergische Wirkung von Bienengift sind vor allem die Phospholipase A2 , Hyaluronidase, saure Phosphatase und Histamin verantwortlich.

  • Wespengift:

    Die Mischung von Substanzen – zwischen zwei und fünf Mikrogramm–, die man bei einem Wespenstich verabreicht bekommt, enthält die für die Schmerzempfindung verantwortlichen Amine Serotonin und Histamin. Die wichtigsten Allergene im Wespengift sind das Antigen 5, die Phospholipasen A1 und A2 sowie die Hyaluronidase.

  • Hornissengift:

    Das Gift der Hornisse enthält neben Histamin, Serotonin, Dopamin, Noradrenalin und Adrenalin die höchste bei einem Lebewesen nachgewiesene Konzentration an Acetylcholin. Die meisten Menschen empfinden einen Hornissenstich als deutlich schmerzhafter als einen Bienen- oder Wespenstich. Das liegt an den hohen Konzentrationen an biogenen Aminen und Acetylcholin im Gift der Tiere, aber auch an der Tatsache, dass das Tier mit seinem längeren Stachel eine tiefere Stichwunde in der Haut hinterlässt. Die Giftigkeit ist aber im Vergleich zum Bienengift erstaunlich gering.

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