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Region Neumarkt
Samstag, 1. August 2015 27° 3

Gesundheit

Stromtrasse: Das Risiko Elektrosmog

Die mögliche Stromleitung durch den Raum Neumarkt bringt neben Strom auch Strahlung mit sich. Über deren Risiken gibt es unterschiedliche Meinungen.
von Wolfgang Endlein

Dass man eine Stromleitung nicht anfassen sollte, ist Allgemeinwissen. Doch ob von den Strahlen einer Hochspannungsleitung gesundheitliche Risiken ausgehen, darüber ist das Wissen noch dürftig. Foto: Stratenschulte

Neumarkt.Schwarze Schrift auf gelben Untergrund: Hochspannung. Lebensgefahr. So warnen Schilder an großen Strommasten, wie sie 2022 auch im Landkreis Neumarkt stehen könnten. Letzteres geht aus den Plänen für eine Stromtrasse hervor, die der Netzbetreiber Amprion am Dienstag vorstellte. Doch es gibt eine mögliche Gefahr, vor der keine gelben Schilder warnen: elektrische und magnetische Strahlen. Gemeinhin Elektrosmog genannt.

Vor dem Hintergrund der Pläne für die 500 Kilo-Volt-Gleichstromtrasse stellt sich die Frage, wie groß die Gefahren für die Gesundheit sind, die von den starken niederfrequenten elektrischen und magnetischen Feldern in der Umgebung von Stromleitungen ausgehen. Im Raum stehen Vorwürfe, die Strahlung verursache beispielsweise Krebs und Alzheimer, schwäche das Immunsystem und führe zu vielen weiteren Problemen.

Aufgeheizte Diskussion im Netz

Im Internet füllt das Thema unzählige Seiten, was schon auf die Brisanz des Themas und seine Komplexität hinweist. Zusammengefasst lässt sich sagen: Es gibt durchaus Verdachtsmomente – aber letztlich keine eindeutigen Beweise für die gesundheitliche Gefährdung. Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) spricht in einem zusammenfassenden Bericht über vorhandene Studien von „keinen eindeutigen negativen Effekte“, „aber vereinzelten Hinweisen“ – jedoch eben auch keinen Beweisen.

„Ich sage nicht, dass die niederfrequente Strahlung krank macht“, sagt deshalb auch Baubiologe Stefan Schön aus Velburg. Auch wenn er eigentlich vom Gegenteil überzeugt ist und an erdrückende Beweise für die Gefahr der Strahlung glaubt. Er fürchtet aber Klagen. Beim Thema Strom seien schließlich große wirtschaftliche Interessen im Spiel, sagt er. „Was man aber auf jeden Fall sagen kann, ist, dass Strahlung Stress erzeugt.“ Doch auch dafür gibt es laut BfS und Weltgesundheitsorganisation (WHO) bislang keine Beweise.

Den Stress von den Bewohnern eines Hauses wegzunehmen, ist eine der Hauptaufgaben des Baubiologen aus Velburg. „Baubiologe ist die Lehre von der ganzheitlichen Beziehung des Menschen zu seiner Wohnumwelt“, erklärt Schön – und dabei spiele die Vermeidung von Strahlung eine wichtige Rolle.

Unter diesem Gesichtspunkt bereiten Schön Hochspannungsleitungen wie die geplante große Sorgen. Das dabei entstehende elektrische Feld ist es weniger. Dieses lasse sich durch ein leitfähiges Gewebe im Putz vom Hausinneren fernhalten. Auch das BfS erachtet elektrische Felder nicht als relevant, da schon übliche Baumaterialien sie abhielten. „Aber gegen das Magnetfeld hilft das alles nichts. Das tut nur ein ausreichender Abstand“, sagt Schön.

Ein Umstand, den auch der Netzbetreiber Amprion betont: „Wir achten darauf, dass wir möglichst große Abstände zur Wohnbebauung herstellen“, sagt Amprion-Sprecherin Joelle Bouillon. Doch was ist ein ausreichend großer Abstand? Das Gesetz sagt dazu nichts. Es gibt keinen vorgeschriebenen Mindestabstand. Lediglich darf eine Trasse kein Gebäude, in dem sich Menschen dauerhaft aufhalten, überspannen. Stefan Schön schätzt: „Grob gesagt ist es problematisch innerhalb von 200 Metern zu so einer Leitung zu wohnen“.

Jeder Meter mehr Abstand bedeutet weniger elektromagnetische Strahlung – und für die gibt es im Gegensatz zum Mindestabstand auch einen gesetzlichen Grenzwert. 500 Mikrotesla dürfen bei einer Gleichstromleitung wie der geplanten nicht überschritten werden. Amprion verspricht, dass dieser Wert bei ihrer Leitung weit unterschritten wird. Zum Vergleich: Im Röhrenfernseher treten 0,2 bis 0,5 Mikrotesla auf. Doch bereits in einem halben Meter Entfernung beträgt der Wert nur noch rund ein Prozent davon.

Womit man mitten im Haushalt eines jeden angekommen ist. Denn auch darauf weisen BfS, Schön und andere Experten hin: große Stromtrassen und deren Strahlung sind das eine, das andere ist die Belastung, die Menschen durch den Umgang mit Handy, kabellosem Internet und Co. im eigenem Heim auf sich nehmen.

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