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Region Neumarkt
Sonntag, 28. August 2016 31° 2

Bildung

Technikerschule lehrt Smart Energy

Ab September entsteht das in Bayern einmalige Kompetenzzentrum. Für die Schule bringt es Chancen und Herausforderungen.
von Bernhard Neumayer

  • Frank Pöhlmann, Albert Hierl und Christian Schlierf demonstrieren die „smarte Technik“, die die Techniker im Beruf konfigurieren sollen. Foto: Neumayer
  • Die Bautechniker arbeiten sehr praxisnah – hier mit einer Wärmebildkamera. Foto: Neumayer

Neumarkt.Beim Rundgang durch das Schulhaus im Beruflichen Schulzentrum in der Kerschensteinerstraße wird schnell klar, was intelligente Energienutzung unter anderem ist. Sobald die erste Person den Werkstattraum für Gesellen betritt, schaltet sich auch das Licht vollautomatisch ein und passt die Lichtintensität der Umgebung an. „Das ist ein Teil des Smart Home – mit dem vollautomatischen Lichtsystem werden auch unsere neuen Klassenzimmer ausgestattet werden“, erklärt Schulleiter Albert Hierl. „Es gehen nur die LED-Lampen an den Plätzen an, wo sich gerade auch eine Person aufhält“, sagt Studiendirektor Frank Pöhlmann, der Leiter der Abteilung „Elektrotechnik“.

Mit der Erweiterung der Technikerschule um das Fachgebiet „Elektrotechnik und Informationstechnik mit dem Schwerpunkt Smart Energy“ kommen auf die Verantwortlichen der Berufsschule neue Herausforderungen zu. Deshalb hat sich unsere Zeitung mit Schulleiter Hierl, weiteren Fachlehrern und drei Schülern der Bautechnik zum Rundgang getroffen.

„Das ist einmalig in Bayern“

Ab dem Schuljahr 2016/17 bietet die Technikerschule in Neumarkt neben der Ausbildung „Energiesparendes Bauen“ auch die Richtung „Elektrotechnik + Informationstechnik“ an. Die Berufsschule wird dann zu einem Kompetenzzentrum. „Das ist einmalig in Bayern“, sagt Hierl. Dazu werden die bestehenden Räume teilweise umfunktioniert, neugestaltet und vernetzt. „Wir werden neue Labore mit bester Technik einrichten“, sagt Studienrat Christian Schlierf, der fachliche Leiter der „Technikerschule-Smart Energy“.

Für das erste Schuljahr sei geplant, um die 20 Schüler aufzunehmen. „Die Ausbildung ist sehr praxisnah“, sagt Hierl. Mit den Laboren und den neuesten Techniken könne sich jeder Schüler auf beste Lernbedingungen freuen. „Wir sind die innovativste Technikerschule“, sagt Hierl.

Zwei Jahre in Vollzeit dauert die neue Ausbildung. Ab sofort kann sich jeder Interessierte bis zum 31. Juli anmelden. „Da wir eine staatliche Schule sind, fallen keine Schulkosten an – es besteht sogar Anspruch auf Meister-BAföG.“ Eine Altersbeschränkung für die Zulassung gibt es nicht. Allerdings wird vorausgesetzt, dass der Schüler eine qualifizierte Fachkraft mit mindestens einjähriger Berufserfahrung ist.

Ansonsten müsse man als Techniker offen für Neues und technikaffin sein. Gute mathematische Vorkenntnisse seien ebenfalls wichtig. „Man macht den Techniker nicht im Vorbeigehen, denn es ist vom Umfang her schon viel zu lernen“, sagt Oberstudienrat Michael Maier, der die Technikerschule leitet. Auf zwei Jahren bekomme der Schüler geballtes Wissen vermittelt. „Mit dem nötigen Einsatz und den angebotenen Vorbereitungskursen ist es aber auf jeden Fall machbar“, ist sich Hierl sicher.

Praxisnahe Ausbildung

Den Vorteil von Technikern gegenüber Hochschulabsolventen sieht er in der grundlegenden Ausbildung: „Der Techniker kommt im Vergleich zu einem Bachelor-Absolventen aus der Praxis.“ Neben den theoretischen Prüfungen absolvieren die Techniker ein Praktikum und machen mehrere Projekte. Beispielsweise haben die Schüler für energiesparendes Bauen im Frühjahr 2015 eine Untersuchung mit einer Wärmebildkamera gemacht. In Berngau beleuchteten die Schüler die Gebäude mit der Wärmebildkamera, um eventuelle Probleme bei den Häusern ausmachen zu können. „Außerdem lernten die Schüler den praxisbezogenen Umgang mit einer Wärmebildkamera“, sagt Hierl. „Die Berufschancen sind hervorragend, weil die Branche boomt“, sagt Hierl. Gerade im Landkreis Neumarkt seien die Chancen auf dem Arbeitsmarkt sehr groß. Der Anteil der regenerativen Energien konnte in Deutschland auf 33 Prozent gesteigert werden. Im Landkreis Neumarkt liegt diese Quote bei knapp 80 Prozent. „Smart Energy ist die Zukunft“, sagt Schlierf.

„In Neumarkt haben wir ja die großen Firmen. Sie sprechen mich schon immer an, weil sie am liebsten schon halbjährig unsere qualifizierten Fachkräfte wollen“, freut sich Hierl. Nach der Ausbildung könne man entweder arbeiten oder an einer Hochschule studieren: „Die Schüler haben nach der Ausbildung alle Möglichkeiten.“ Beispielsweise könne ein Absolvent in den Bereichen Energieversorgung, Energieerzeugung und Automatisierung sowohl in der Industrie als auch im Handwerk arbeiten.

„Ein möglicher Aufgabenbereich wäre zum Beispiel in einem Planungsbüro“, erklärt Maier. Die qualifizierte Fachkraft würde ein System für das jeweilige Gebäude konfigurieren. „Das System muss individuell auf die Bedürfnisse der Kunden zugeschnitten werden.“ Um diese Fertigkeiten zu erwerben, werden dem Schüler in der neuen Ausbildungsrichtung „Smart Energy“ im ersten Schuljahr grundlegende Kenntnisse der Elektro- und Informationstechnik vermittelt. Im zweiten Jahr hat jeder Schüler die Möglichkeit, sich zu spezialisieren.

Herausforderung für die Lehrer

Nicht nur für die Schüler wird die neue Ausbildung eine große Herausforderung. Auch die Schulleitung muss sich der Aufgabe stellen. Neue Lehrpläne müssen geschrieben werden und die Fachlehrer müssen sich die fachliche Tiefe der neuen Themengebiete aneignen. „Wir wollen schließlich Niveau vermitteln“, sagt Hierl. Um genügend Lehrkräfte für die neue Ausbildung zu haben, sucht die Berufsschule daher noch dringend qualifizierte Lehrer im Bereich „Elektrotechnik“ und „Informationstechnik“.

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