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Region Neumarkt
Sonntag, 21. Januar 2018 5

Tiere

Theater um Affen im Jura-Zoo

Zwölf Primaten kommen von Neumarkt nach Wales. Tierschützer beklagen die Haltung im Tierpark – und fordern ein neues Konzept.
Von Bernhard Neumayer

  • In diesen Einzelkäfigen wurden gestern Vormittag drei Javaner und neun Kapuziner-Affen vom Jura-Zoo abtransportiert. Foto: Dr. Goldner
  • In diesen Käfigen wurden die Affen transportiert. Foto: Dr. Goldner

Neumarkt.Als der weiße Kleintransporter mit der großen grün-gelben Aufschrift „Wales Ape & Monkey Sanctuary“ abzischt, kratzt Zoo-Besitzer Dieter Pelech seine Autoscheiben frei – mit leicht glasigen Augen. Der Abschied fällt ihm sichtlich schwer. Zwölf seiner Affen aus dem Neumarkter Jura-Zoo werden gerade nach Wales abtransportiert. Dort sollen sie bessere Lebensbedingungen als im Tierpark vorfinden.

„Ich bin sehr traurig“, sagt Pelech, kurz nachdem drei Javaner- und neun Kapuziner-Affen seinen Zoo verlassen haben. 25 Jahre seien die Kapuziner von ihm im Jura-Zoo gepflegt worden. Auf einen Schlag sind sie jetzt weg. „Doch es ist besser so“, gibt Pelech zu. Er habe – auch aufgrund familiärer Probleme – keine Zeit mehr für die große Anzahl der Tiere gehabt. Zwei Gibbon-Affen bleiben aber weiterhin im Zoo.

Wir waren dabei, als die Affen abtransportiert wurden. Hier sehen Sie das Video dazu:

Theater um Affen im Jura-Zoo

Beim Abtransport war auch Dr. Colin Goldner vom „Great Ape Project“ dabei. Die Organisation setzt sich für Grundrechte der Menschenaffen ein. Er ist froh, dass Pelech die Affen freiwillig abgibt. „Sie werden in Wales ein besseres, artgerechtes Leben haben“, sagt Goldner. Für Pelech sei der Arbeitsaufwand zu hoch und die Zeit zu knapp, sich angemessen um die Tiere zu kümmern, meint Goldner.

„Schlimmster Zoo der Oberpfalz“

Bereits im vergangenen Sommer sorgte der Neumarkter Tierpark für Schlagzeilen und Diskussionen. „Insbesondere wegen einer nicht angemessenen Haltung seiner Primaten ist der Jura-Zoo öffentlich in die Kritik geraten“, sagt Goldner. Tierschützer sprachen damals vom „wohl schlimmsten Zoo der Oberpfalz“.

Mit diesem Transporter wurden die Affen gefahren. Foto: Neumayer

Amtsveterinär Dr. Martin Schmid hatte im Sommer nach Kontrollen Mängel im Neumarkter Tierpark festgestellt. Details wollte er aber nicht verraten. „Die Mängel müssen innerhalb einer unterschiedlich lang gesetzten Frist behoben werden“, erklärt Schmid. Bekomme ein Tier kein Wasser, müsse das sofort geändert werden. „Muss ein komplettes Gehege neugebaut werden, ist die Frist natürlich länger“, sagt der Sachgebietsleiter des Neumarkter Veterinäramts.

Lesen Sie hier: Harte Kritik an Neumarkter Jura-Zoo

Schmid sagt, dass in jedem Tierpark ständig Anpassungen notwendig seien. „Diesem Fluss unterliegt auch der Jura-Zoo.“ Jede Tierart müsse artgerecht gehalten werden. Ansonsten schreite das Veterinäramt ein.

Bevor die zwölf Affen nach Wales abtransportiert wurden, prüfte Schmid, ob die Tiere transportfähig sind. „Der Besitzer fängt die Affen und bringt sie in Einzelkäfige“, berichtet der Amtsarzt, der ein Gesundheitszeugnis für den Transport erstellen musste. Erst dann dürfen die Tiere ins Ausland gebracht werden. Auf die Frage, wie es im Jura-Zoo weitergeht, wollte Schmid nicht antworten.

2015 waren wir zu Besuch im Jura-Zoo und haben diese Fotos geschossen:

Der Neumarkter Jura-Zoo

Geht es nach Simon Fischer, sollte der Neumarkter Tierpark mit einem neuen Konzept fortgeführt werden. Der Sprecher und Mitgründer der Aktionsgruppe „Tierrechte Bayern“ aus Roth kritisierte den Jura-Zoo im Sommer heftig. Dennoch hofft er, dass er nicht komplett geschlossen werden muss. „Ich fände eine Art Streichelzoo mit der Gaststätte sehr nett“, sagt Fischer. Heimische Tiere wie Ponys, Hühner, Ziegen oder Schafe sollte der Zoo seiner Meinung nach behalten. „Exoten wie Affen oder Flamingos müssen aber weg“, betont Fischer. Der Jura-Zoo könne eine artgerechte Haltung dieser Tiere nicht gewährleisten. Dem Betreiber fehle offensichtlich die Zeit, um alles sauber zu halten. „Es kann nicht sein, dass Affen in Kot und Urin herumturnen.“

Wird aus dem Park ein Streichelzoo?

Er ist froh, dass das Projekt „Great Ape“ mitgeholfen hat, die zwölf Affen aus dem Zoo abtransportieren zu können. „Man kann davon ausgehen, dass es den Tieren in Wales bessergeht“, meint Fischer, auch wenn er die Gegebenheit dort nicht kennt. Die Lebensbedingungen im Jura-Zoo sind ihm aber bekannt. Zuletzt machte er sich davon im Sommer ein Bild. Er berichtet von einem zu kleinen Gibbon-Gehege und von nackten Betonboden, auf dem Kapuzineraffen leben.

Dieses Schild hängt am Eingangstor des Jura-Zoos. Foto: Neumayer

„Das Gibbon-Haus war viel zu klein für diese aktiven Tiere“, sagt auch Tierrechtler Dr. Goldner. Er verrät, es gebe einen Deal zwischen dem Amt und dem Zoo. „Erst wenn ein größeres Gibbon-Haus fertig ist, darf der Tierpark wieder öffnen“, sagt Goldner. Im Gegenzug habe der Betreiber dem Abtransport der zwölf Affen zustimmen sollen. Goldner berichtet, dass der Tierpark künftig ein Streichelzoo werden soll.

Der kurz angebundene Zoo-Betreiber Pelech wollte sich dazu gestern nicht äußern. Er befreite sein Auto vom Eis und fuhr fort.

Lesen Sie auch: Hier wurden Tierschützern in Neumarkt ebenfalls aktiv: Wird Besuchern hier ein Bär aufgebunden?

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