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Region Neumarkt
Mittwoch, 24. Januar 2018 3

Verkehr

Traunfeld: Die Bürger entscheiden

Noch gibt es keine Pläne für eine neue Autobahnausfahrt. Ob es sie je geben wird, das überlässt die Politik Lauterhofen.
Von Eva Gaupp

Eine Anbindung an die A6 würde über den Ort Traunfeld erfolgen. Mit einer Umgehungsstraße wäre nicht zu rechnen. Foto: Hennig

Lauterhofen.Ob es eine neue Anschlussstelle an der A6 bei Traunfeld geben wird oder nicht, entscheiden allein die Bürger. Ob nur die Traunfelder befragt werden oder auch die Bewohner der umliegenden Orte oder alle Bürger der Marktgemeinde Lauterhofen – darüber möchte Bürgermeister Ludwig Lang am Donnerstag mit seinem Marktgemeinderäten sprechen. „Es sind verschiedene Szenarien denkbar“, sagt Lang auf Anfrage des Tagblatts. Möglich sei eine Befragung mit Stimmzetteln wie bei einer Wahl. „Sie soll anonym ablaufen, damit jeder seine Meinung abgeben kann.“

Vorab hatten sich die Bürger im Rahmen der jüngsten Bürgerversammlung noch konkretere Informationen gewünscht. Allerdings: So viele Informationen über eine mögliche Anschlussstelle Traunfeld gibt es gar nicht. „Es gibt noch keine konkreten Pläne“, versichert Kreisentwickler Michael Gottschalk.

Vorstoß der beiden Landräte

Landrat Willibald Gailler und sein Amtskollege des Landkreises Nürnberger Land, Armin Kroder, hatten lediglich 2017 einen Antrag gestellt, eine neue Anschlussstelle bei Traunfeld zu prüfen. Der Freistaat Bayern hat den Vorschlag für gut befunden und an das Bundesverkehrsministerium weitergeleitet – und dieses hatte Mitte November grundsätzlich signalisiert, dass Voruntersuchungen erfolgen dürfen. Es gebe auch noch keine Investoren, die auf ein künftiges Gewerbegebiet bei Traunfeld spekulierten. „Nur wenn Lauterhofen dahinter steht, würde der Landkreis seinerseits Planungen einleiten, weil die Anschlussstelle Traunfeld über die Kreisstraße NM10 erschlossen würde“, sagt Gottschalk.

Der Kreisausschuss hatte zuletzt entschieden, dass der Landkreis seinerseits die Ausfahrt nicht forciert. Der Bund Naturschutz sowie Kommunalpolitiker vorwiegend aus den Reihen von Bündnis 90/Die Grünen hatten Kritik an dem Vorschlag geübt und ein Aktionsbündnis gegründet.

„Es würde keinen Sinn machen, über die Köpfe der Bürger hinweg zu entscheiden.“

Michael Gottschalk

Und der Kreistag des Landkreises Nürnberger Land hat sich ganz aus dem Projekt ausgeklinkt: Vor allem Bürger aus Schupf und Kainsbach, aber auch Vertreter von Bund Naturschutz und DAV Hersbruck hätten Befürchtungen wegen eines stärkeren Verkehrsaufkommens geäußert, wie der Referent des Landrats, Dr. Rolf List, erklärt. Im Mai habe sich dann noch das IHK-Gremium Hersbruck dagegen positioniert. Es gebe andere Vorhaben, denen die Wirtschaftsvertreter mehr Priorität einräumten, so List.

„Es würde keinen Sinn machen, über die Köpfe der Bürger hinweg zu entscheiden“, sagt auch Michael Gottschalk. Deshalb befürwortet er eine Bürgerbefragung vor Ort. Er selbst lebt in Engelsberg in der Marktgemeinde Lauterhofen und empfindet die Stimmung in der Bevölkerung als eher heterogen. Ein Bürgerentscheid oder eine formlose Bürgerbefragung brächten deshalb Klarheit. „Die Gemeinde muss dahinter stehen, denn für sie eröffnen sich in erster Linie die Chancen.“

Lauterhofens Bürgermeister Ludwig Lang will die Meinung seiner Bürger einholen. Foto: Hennig

Diese Chancen seien es auch gewesen, die die Landräte Gailler und Kroder 2016 zu ihrem Antrag bewegt hätten: Die Anbindung der Bürger an das überörtliche Verkehrsnetz werde verbessert – für den strukturschwachen ländlichen Raum ein wichtiger Impuls. Und Rettungsfahrzeuge gelangten auf dem rund 15 Kilometer langen Abschnitt zwischen den Anschlussstellen Alfeld und Altdorf schneller auf die A6. Dieser Abstand sei überdurchschnittlich hoch, teilt die Autobahndirektion Nord mit. Aus ihrer Sicht stelle deshalb eine neue Anschlussstelle eine „grundsätzlich sinnvolle infrastrukturelle Ergänzung dar.

Auf dieser Karte kann man sehen, wo eine Autobahnausfahrt Traunfeld entstehen könnte:

„Aber eine Autobahnauffahrt Traunfeld hätte keine überregionale Bedeutung“, stellt der Kreisentwickler klar. Sie diene vor allem der Erschließung des nördlichen Gemeindeteils Lauterhofens. Die übrigen Gemeinden würden bereits jetzt über die Anschlussstelle Alfeld erschlossen.

Lärmschutz wäre ungewiss

Und was einen möglichen Lärmschutz angeht, spricht Michael Gottschalk ebenfalls klare Worte: Der Bau einer Anschlussstelle Traunfeld sei allein noch keine Garantie dafür, dass entlang der A6 ein Lärmschutz gebaut wird. „Das müsste erst berechnet werden.“ Auch wenn bekannt sei, dass die Bewohner von Traunfeld und Dippersricht unter dem Verkehrslärm leiden. Denn bei einer bestehenden Autobahn gelten andere Lärmschutzgrenzwerte als bei einem Neubau.

Und noch etwas stellt Gottschalk klar: Wenn die Anschlussstelle gebaut wird, fließt der Verkehr durch Traunfeld über die Kreisstraße NM10. Laut einem Verkehrsgutachten des Münchner Experten für Verkehrsplanung, Prof. Dr. Harald Kurzak, rechnet man mit rund 1800 Fahrzeugen pro Tag, die den neuen Anschluss nutzen würden. Auf der NM10 rollen täglich etwa 900 Fahrzeuge, selbst wenn 500 bis 600 dazu kämen, reiche das Aufkommen nicht aus, um eine Umgehungsstraße zu bauen. „Da gäbe es etwa 50 andere Ortschaften im Landkreis, die stärker betroffen wären.“ Zudem bedeute eine Umgehungsstraße immer einen zusätzlichen Eingriff in die Natur.

Traunfeld liegt unmittelbar an der Autobahn. Doch einen Anspruch auf Lärmschutz haben die Anwohner nicht. Foto: Hennig

Der Rückzug des Landkreises Nürnberger Land und der Beschluss des Neumarkter Kreistags sieht Lauterhofens Bürgermeister sehr positiv: Jetzt wurde der Ball zurückgespielt und der Druck wurde herausgenommen“, sagt Lang. Ohne eine Entscheidung übers Knie brechen zu müssen, könnte nun ohne Emotionen sachlich über das Vorhaben diskutiert werden. „Wir haben mehr Zeit, das Vorhaben zu prüfen.“ Denn der Bau einer weiteren Anschlussstelle sei „eine weitreichende Entscheidung“.

Zuletzt hatte das Bundesverkehrsministerium grünes Licht gegeben, mit ersten Vorplanungen beginnen zu können.

Dazu kam Nachricht aus Berlin.

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