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Region Neumarkt
Montag, 20. November 2017 5

Verkehr

Unfallflucht ist ein häufiges Vergehen

Wenn in Neumarkt Autos geschrammt werden, machen sich die Täter oft aus dem Staub. Die Polizei macht Geschädigten Hoffnung.
Von Johannes Heil

Ist der Schaden da, muss sich die Werkstatt um die Aufnahme des Schadens kümmern. Foto: Inga Kjer/dpa

Neumarkt.Wirft man einen Blick in den Polizeibericht der PI Neumarkt, dann taucht ein Delikt mit annähernd tagtäglicher Regelmäßigkeit auf. Der von den Beamten geschilderte Vorfall folgt hierbei immer einem ähnlichen Muster: Ein Pkw wird auf einem Parkplatz abgestellt, der Fahrer verlässt nur für kurze Zeit sein Auto – klassischerweise, um etwas einzukaufen.

Bei der Rückkehr zu seinem Fahrzeug stellt der Fahrer dann fest, dass von seinem Bummel nicht nur volle Einkaufstüten als Andenken bleiben, sondern auch ein dicker Kratzer oder eine tiefe Delle in seinem Auto. Von einem einsichtigen Unfallfahrer, der auf den Geschädigten wartet, ist hingegen keine Spur. Ebenso wenig von einem Zettel, auf dem eine Telefonnummer hinterlegt wäre. „Der unbekannte Unfallverursacher entfernte sich vom Unfallort, ohne sich um die Schadensregulierung zu kümmern“, so heißt es dann im Polizeijargon.

Schwerwiegende Vorfälle

Sich nach einem derartigen Verstoß aus dem Staub zu machen, ist beileibe kein Kavaliersdelikt. Dies bestätigt Albert Brück, Pressesprecher beim Polizeipräsidium Oberpfalz. „Das sind nicht selten schwerwiegende Vorfälle. Denn vor allem aus finanzieller Sicht ist der entstandene Schaden nicht unerheblich“, sagt Brück. Im Jahr 2016 habe es in der Oberpfalz 5728 Verkehrsunfälle mit unerlaubtem Entfernen vom Unfallort gegeben – was eine Steigerung von gut acht Prozent gegenüber 2015 bedeutet.

Wie schon erwähnt – auch in Neumarkt ist das unerlaubte Entfernen vom Unfallort gewiss keine Seltenheit. Allein bis 31. Juli dieses Jahres gab es im Gebiet der PI Neumarkt 206 Fälle, sagt Richard Löhner, Sachbearbeiter Verkehr. Allerdings müsse man unterscheiden – diese Zahl beinhalte nicht jene Unfallfluchten im fließenden Verkehr, die oft Verletzte zur Folge haben. Allerdings seien jene sehr selten. Die sogenannten „Parkplatzrempler“ hingegen, seien fast an der Tagesordnung.

Doch es gibt auch gute Nachrichten. Denn entgegen der landläufigen Meinung, ein solches Delikt könne quasi unmöglich aufgeklärt werden, spricht das Zahlenwerk eine andere Sprache. Bei beachtlichen 38 Prozent liegt nämlich oberpfalzweit die Aufklärungsquote bezüglich des unerlaubten Entfernens vom Unfallort. Auch Löhner bestätigt dies: Von den 206 bis 31. Juli aufgenommenen Unfallfluchten wurden 72 aufgeklärt – also knapp 35 Prozent.

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Unfallflucht

  • Korrektes Verhalten:

    Das Argument, man habe nicht gedacht, dass bei dem Kontakt ein Schaden entstanden sei, zähle nicht, sagte Richter Rainer Würth in einer Verhandlung am Montag. „Es reicht die theoretische Möglichkeit, dass der Schaden entstanden sein könnte. Ihre Pflicht besteht darin, vor Ort zu bleiben“, so Würth.

  • Zettel:

    Lediglich einen Zettel mit Kontaktdaten anzubringen, sei nicht ausreichend, so die Polizei. Eine angemessene Wartezeit sei vorgeschrieben.

  • Zeugen:

    Als Zeuge sollte man sich das Kennzeichen notieren, rät die Polizei. Sich den Fahrzeugtyp oder die Farbe des Autos zu merken, könne im Nachhinein ebenfalls sehr wichtig sein. (jh/npr)

Die Spuren zum Täter

Diese guten Quoten seien vor allem der Aufmerksamkeit anderer Verkehrsteilnehmer oder Anwohner geschuldet. „Oft hat jemand etwas gesehen, das bei den Ermittlungen weiterhilft, oder hat sich ein Kennzeichen gemerkt“, sagt Brück. Löhner ergänzt: „Manchmal sind auch Spuren am Fahrzeug erkennbar, die Rückschlüsse auf den Unfallverursacher zulassen.“ Auch die Aufrufe in der Presse führten laut Brück immer wieder dazu, dass sich Zeugen meldeten – und dann auch der Verursacher überführt werden könne. Deswegen solle der Geschädigte auch nicht resignieren und den Schaden unbedingt melden, so Brück. Ruft der Geschädigte noch am Unfallort die Polizei, dann komme immer eine Streife vorbei und nehme den Schaden dann auch auf.

Wenn ein Unfallverursacher erwischt und nachträglich zur Verantwortung gezogen wird, dann kann es für diesen richtig ungemütlich werden. „Zum einen kann er zivilrechtlich auf Schadenersatz belangt werden“, sagt Brück. Doch auch strafrechtlich gesehen droht Ärger. Denn wird man erwischt, dann führt ein simpler Kratzer womöglich direkt auf die Anklagebank des Amtsgerichts.

Geldstrafe vor dem Amtsgericht

So wie am Dienstag, als sich eine 35-Jährige vor dem Amtsgericht Neumarkt verantworten musste. Sie hatte im Mai auf einem Parkplatz eines Supermarktes in der Dreichlingerstraße die Tür ihres Autos geöffnet und dabei ein neben ihr parkendes Auto beschädigt. Die Angeklagte bestritt zwar, das Anschrammen bemerkt zu haben, war aber noch am Unfallort auf das Vergehen aufmerksam gemacht worden. Dennoch fuhr sie davon, ohne sich entsprechend um den Schaden zu kümmern. Dafür gab es nun vor dem Amtsgericht die Quittung. Die Frau wurde wegen unerlaubten Entfernens vom Unfallort letztlich zu einer Geldstrafe von 450 Euro (30 Tagessätze zu jeweils 15 Euro) verurteilt. Außerdem sprach Richter Würth ein Fahrverbot von drei Monaten aus.

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