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Region Neumarkt
Dienstag, 20. Februar 2018 5

Familie

Unterstützung für Mütter

Eine Veranstaltung im Bürgerhaus soll alleinerziehende Frauen stärken und helfen, Konflikte mit dem Ex zu vermeiden.
von Josef Wittmann

Alleinerziehende Mütter fühlen sich mit ihren Kindern oft alleine gelassen. Foto: Marcel Kusch/dpa

Neumarkt.„Der Vater hat seine Freiheit, aber wir werden einfach zugeschnürt“, beklagt eine junge Frau die Situation der Alleinerziehenden. Sie und 14 weitere Mütter sind der Einladung der Servicestelle „Bündnis für Familie“, der Gleichstellungsstelle des Landkreises und der Beratungsstelle für Schwangerschaftsfragen am Landratsamt gefolgt. Zum Thema „Alleinerziehend – Konfliktfreie Umsetzung im Alltag“ sprach Therapeutin Andrea Hollweck im Bürgerhaus.

Wichtig: Austausch mit anderen

Sie habe Ähnliches erlebt wie ihre Zuhörerinnen, sagt sie. Ihr Rat: „Ziel ist es, Ihnen einen lösungsorientierten Umgang mit dem anderen Elternteil zum Wohle der Kinder und aller Beteiligten aufzuzeigen.“ Genau das erhoffen sich die alleinerziehenden Mütter auch. Vielen geht es wie einer Mutter, die mit ihren drei Kindern aus Baden-Württemberg hierher gezogen ist. Sie sagt: „Mir geht es um den Austausch mit Menschen mit gleichem Hintergrund. Ich wohne im Landkreis und habe keinen Kontakt zu anderen Alleinerziehenden“. Auch ihre Tischnachbarin sagt, sie erwarte, Tipps zu bekommen, „dass es nicht immer wieder zum Streit mit dem Vater meiner Kinder kommt“.

Organisatorin Anita Dengel vom Bündnis für Familie hat für diesen Vormittag eine Kinderbetreuung im Storchennest organisiert, die die Stadt Neumarkt bezahlt. Und einige Mütter nutzen das Angebot, weil sie sonst nicht dabei sein könnten. Denn oft kümmerten sich die Ex-Partner seit der Trennung nicht mehr um ihre Kinder, bestätigen einige Mütter. Nach der Trennung hätten die Männer „zu 100 Prozent wieder ihre Freiheit. Und wir haben nix. Man kommt nicht raus aus der Situation“.

Die „Situation“, das sei der Hürdenlauf zwischen Jobcenter, Jugendamt, Wohngeldstelle und anderen öffentlichen Stellen, denen halbjährlich immer wieder die gleichen Papiere vorzulegen seien. Man habe nicht nur das Gefühl, vom Amt benachteiligt zu werden, wenn man arbeiten gehe, berichtet eine berufstätige Mutter, weil mehr Einkommen oft zu weniger Wohngeld oder weniger Harz-Vier führe. Sondern man werde oft so behandelt, als ob man betrügen wolle oder „irgendwelche Millionen unterm Kopfkissen versteckt hat“, sagt sie.

Die meisten negativen Gefühle weckten aber die Ex-Partner. Für die Kinder, die zwischen Mutter und Vater pendeln müssen, sieht Referentin Andrea Hollweck aber auch Vorteile. Die würden früher als Altersgenossen lernen, sich der Situation anzupassen und gewännen dadurch an sozialer Kompetenz. Hollweck rät den Müttern, die Situation, die sie nicht ändern können, zu verbessern, indem sie ihren Umgang mit der Situation verändern. „Der Staat sagt, Ihr müsst alles gemeinsam machen, aber das funktioniert in den allermeisten Fällen nicht“. Deshalb rät sie den Frauen zu eigenen Regeln und Plänen bis hin zur verbindlichen Jahres-Urlaubsplanung mit dem Kindsvater. Denn „es gibt auch noch Euch. Ihr müsst Euch Zeit holen, damit Ihr Euch nicht auflöst“, schärft sie den Müttern ein. Deshalb sei es nicht nur für die Kinder gut, mit ihren Vätern Zeit zu verbringen, sondern auch für die Mütter, die die Zeit ohne Kinder für sich selbst nutzen sollten.

Fokus auf das Wohl der Mutter

Mit dem Mittel der Familienaufstellung und unterstützt durch die Plüschtiere „Susi“ und „Fritz“‘, als Repräsentanten der alleinerziehenden Mutter und ihres Ex, hilft Hollweck, den Fokus auf das eigene Wohl der Mutter und ihre Möglichkeiten zu richten. Weg vom nicht mehr geliebten Kindsvater und allen Ängsten und Sorgen rund um ihn. 2018 sei das Jahr der Venus. „Da bröckeln viele Konditionierungen ab“, gibt die Therapeutin das Signal zu mehr Selbstvertrauen.

Sie setzt auf die selbsterfüllende Prophezeiung und rät: „Wünscht Euch vom Universum, was Euch gut tut! Eure Gedanken haben Schöpfungskraft.“ Das funktioniere einwandfrei, wenn man wirklich darauf vertraue, komme das Bestellte gewiss. Die Frauen verstehen, dass das kein Aufruf zum Hokuspokus ist, sondern dass Hollweck ihre wichtigste Aufgabe benennt: Verlorenes Vertrauen wieder zu gewinnen. Dazu müsse vor allem „das Band losgelassen werden, das Euch mit Eurem Ex immer noch verbindet“. Solange der noch im Mittelpunkt stünde und nur das Gefühl sich von Liebe in Hass verwandelt habe, sei auch ein Neuanfang mit einem anderen Partner nicht möglich. Erst wenn diese negative Verbindung losgelassen werde, könne das Universum den Wunsch erfüllen: „Ich bin ich. Ich habe mein Kind. Ich nehme mein Leben selbst in die Hand“.

Das sagen die Teilnehmer:

Familientherapeutin Andrea Hollweck Foto: Wittmann

Familientherapeutin Andrea Hollweck: „Alles beginnt mit einem ersten Schritt. Der erste Schritt war, heute hierher zu gehen und zu erfahren: Was gibt es für Möglichkeiten? Was gibt es noch zu erfahren? Und wo ist für mich der Handlungsbedarf, den nächsten Schritt zu machen? Es beginnt alles mit dem ersten Schritt und hat noch mehrere Schritte.“ Dabei sollten die alleinerziehenden Mütter professionelle Unterstützung nutzen.

Elisabeth Bogner Foto: Wittmann

Elisabeth Bogner: Veranstaltungen mit Alleinerziehenden helfen ihr „zu sehen, dass man nicht alleine da ist.“ Tochter Mia (7) und Sohn Aaron (2) werden betreut. „Es ist toll, dass man seine Kinder mitnehmen kann. Das ist ja meistens ein Problem, dass man so was nicht wahrnehmen kann, weil man nicht weiß, wohin mit den Kindern. Wenn ich meine Mutter nicht hätte, würde ich den Alltag nicht gebacken kriegen.“

Iris Wachs Foto: Wittmann

Iris Wachs: „Ich will mich mit Leuten, die in der gleichen Situation sind und einen verstehen, austauschen“. Tochter Kim (6) ist heute beim Vater und Tochter Nele (2) bei der Oma. Sie sagt: „Ich muss sagen, dass es eigentlich in Neumarkt schon gut geht durch diese Schwangerenberatung am Gesundheitsamt. Da hab’ ich, als ich bei meinem Freund ausgezogen bin, ganz viel Unterstützung bekommen.“

Anita Dengel Foto: Wittmann

Anita Dengel, Servicestelle Bündnis für Familie: Sie ist sich sicher, „dass jede Mutter etwas für sich nach Hause nehmen kann und die Frauen sich gegenseitig unterstützen.“ Wenn es gewünscht sei, würde sie auch ein regelmäßiges Treffen für Alleinerziehende organisieren. Sie bietet auch zwei Veranstaltungen im Bürgerhaus an: einen Kreativworkshop am 24. Februar und am 16. März eine Zwei-Stunden-Auszeit. Infos gibt es unter Tel. (0 91 81) 2 55 26 01.

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