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Region Neumarkt
Montag, 22. Januar 2018 11

Jugendstil

Von den Schnörkeln befreit

Das Germanische Nationalmuseum präsentiert eine Sonderschau über Peter Behrens.
Von Nürnberg-Korrespondent Nikolas Pelke

  • Petra Krutisch mit Silvia Glaser im erstaunlich modernen und zeitlos eleganten Gästezimmer von Peter Behrens. Fotos: Pelke
  • Klare Linien, keine Schnörkel Das Nürnberger Schlafzimmer von Peter Behrens wirkt heute noch elegant und modern
  • Bei der Präsentation der Nürberger Küche wird nach dem Vorbild von Behrens auch auf unterschiedliche Hauptfarben an der Wand wert gelegt

NÜRNBERG.Lang ist das Intermezzo nicht gewesen, das Peter Behrens in Nürnberg gegeben hat. Das Germanische Nationalmuseum zeigt in einer aktuellen Ausstellung mit dem gleichnamigen Titel, dass der kurze Aufenthalt in der Frankenmetropole aber umso größere Folgen für die Karriere des berühmten Jugendstilkünstlers hatte.

Wir schreiben das Jahr 1901. Das Zeitalter der Weltausstellungen sorgt für Aufbruchstimmung allerorten in Europa. Auf der Mathildenhöhe in Darmstadt macht sich Peter Behrens daran, die deutsche Kunst von seinen Schnörkeln zu befreien. Dazu baut er eine Villa, entwirft Möbel und gestaltet Besteck und Geschirr. Alles im neuen Look der erstrebten, schnörkellosen Zeit.Noch hat Peter Behrens fränkischen Boden nicht betreten. Da wirft der Totengräber des Historismus und Mitbegründer des Jugendstils seinen revolutionären Schatten schon nach Nürnberg voraus. Bis in die Provinz hört man von Behrens und der Künstlerkolonie auf der Mathildenhöhe und deren Ideen zur neuen Kunst ohne Schnörkel und mit klaren Linien.

Eine folgenreiche Begegnung

Genau an diesem Punkt in der Geschichte berühren sich Behrens und Nürnberg zum ersten Mal. Es sollten zwei kurze aber folgenreiche Begegnungen werden. Zunächst macht sich Theodor von Kramer mit der Bahn auf den Weg zur angesagten Ausstellung nach Darmstadt. Kramer, damaliger Direktor des Nürnberger Gewerbemuseums, ist so begeistert von dem als Gesamtkunstwerk konzipierten Behrens-Haus auf der Mathildenhöhe, dass er den Shootingstar vom Fleck weg engagiert als Dozenten für einen seiner neuen, kunstgewerblichen Meisterkurse. Behrens kommt zuerst im Herbst 1901 für einen Monaten nach Nürnberg, um den fränkischen Kunsthandwerkern den Historismus auszutreiben. Derweil reist Clara Reif, vermögende Brauereitochter aus Nürnberg, ebenfalls nach Darmstadt. Clara schlendert mit der Mama durch den großen Show- und Verkaufsraum, den die Villa Behrens darstellt. Beide müssen von dem neuen Design so hingerissen sein, dass sie vom Rheinweinglas bis zum Schildpattkamm so ziemlich alles kaufen und als Hochzeitsausstattung nach Nürnberg bestellen.

Hier setzt das Germanische Nationalmuseum den Anfangspunkt seiner bemerkenswerten Ausstellung mit dem Titel „Peter Behrens. Das Nürnberger Intermezzo“, die das Haus dem Jugendstilkünstler pünktlich zu dessen 150. Geburtstag widmet. Nach einem Auftakt im ersten Raum, in dem Behrens Weg als bedeutende Künstlerpersönlichkeit vom Maler bis zum Industriedesigner vorgestellt wird, blicken wir im nächsten Raum auf ein großes Schwarz-Weiß-Foto, dass das Haus der Familie Reif in Nürnberg vorstellt, für das Clara die neuen Möbel ohne Schnörkel bei Peter Behrens auf der Mathildenhöhe in Darmstadt für ein stattliches Sümmchen zuvor bestellt hat. Die Nürnberger Behrens-Ausstellung ist aus diesem Grund auch eine große Möbelschau geworden.

Gleich im zweiten Raum befinden wir uns mitten im Schlafzimmer der Brauereitochter. Ein Doppelbett ist darin zu sehen mit großflächigen Dekors aus Dreiecken. Daneben der passende Toilettenschrank aus Ulmenholz mit einem raffinierten, innenliegendem Spiegel, der aus drei Teilen besteht. Sogar an einen beweglichen Kerzenhalter zum Ausziehen hatte Behrens gedacht. Hinter den Beschlägen hat Petra Krutisch die originale grüne Farbe entdeckt. „Das gesamte Schlafzimmermobiliar war einem kräftigen, leuchtenden Grün gebeizt“, erklärt die Ausstellungsmacherin und Sammlungsleiterin für Möbel.

In der Ausstellung wird der ursprüngliche Zustand mit farbigem Licht simuliert. Sogar an die passende Wandfarbe den zeitgenössischen Vorgaben entsprechend hat das Museum gedacht. Im Schlafzimmer soll ein matter Brombeerton für ruhige Nächte sorgen. In der weißen Küche dominieren wie im babyblauen Gästezimmer hellere Farben an den Wänden. Den meisten Nürnberger Zeitgenossen sei diese Inneneinrichtung freilich „viel zu modern“ gewesen, ist sich Krutisch sicher. „Das war den Franken alles zu radikal.“

Schnell den Rücken gekehrt

Vor dem Hintergrund dieser provinziellen Skepsis scheint es logisch, dass Behrens der Stadt nach dem kurzen Intermezzo wieder schnell den Rücken zukehrte. Zuvor zeigte Behrens den Kunsthandwerken in Nürnberg im Frühjahr 1902 noch in einem zweiten Meisterkurs, wie man eleganten Hausrat ohne Schnörkel entwirft. Die schönsten Stücke der Meisterklasse sind in einer zweiten Ausstellungsfläche zu bewundern. Das Kunsthandwerk beweist, wie willig die Schüler dem Lehrer im neuen Stil gefolgt sind. An die modernen Ikonen aus der Feder von Peter Behrens reichen die fränkischen Schüler nicht heran.

Trotzdem hat es sich gelohnt, dass Silvia Glaser, Sammlungsleiterin für Design, die eifrigen und durchaus gekonnten Versuche der Schüler aus dem Fundus des Kunstgewerbemuseums zu dieser Ausstellung beigesteuert hat. Ohne den erfolgreichen Zwischenstopp als Lehrer und Möbeldesigner in Nürnberg, hätte Behrens den Ruf an die Düsseldorfer Kunstgewerbeschule wohl nicht erhalten, schreiben die Kuratorinnen Silvia Glaser und Petra Krutisch in dem vorzüglichen Katalog,

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