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Region Neumarkt
Dienstag, 22. August 2017 24° 1

Kolumne

Wellness fürs Autos kann teuer werden

Heute erklärt der Neumarkter Rechtsanwalt Geedo Paprotta in seiner Kolumne, wer für Schäden in Waschanlagen haftet.
von Anwalt Geedo Paprotta

Besitzer von Fahrzeugen mit Sonderaufbauten, müssen selbst darauf achten, ob sie unbeschadet in eine Waschanlage fahren können. Foto: Christin Klose

Neumarkt.Wellnessbehandlungen scheinen speziell auf Frauen eine regelrecht magische, beinahe dem Aberglauben verwandte Wirkung zu haben, und zwar letztlich unabhängig von der tatsächlich medizinisch nachweisbaren Wirkung auf Muskelentspannung oder porentiefe Hautreinheit.

Bevor wir Männer nun allerdings mit mildem Lächeln und nachsichtigem Kopfschütteln auf diese Erkenntnis reagieren, sollten wir uns dem eng verwandten Thema „Autowaschanlage“ zuwenden. So, wie manche Aromatherapie aus ärztlicher Sicht vielleicht eher allergiefördernd als heilsam erscheinen mag, ist auch das Reinigungsritual am Heiligtum des modernen Mannes nicht gänzlich risikofrei.

Da fuhr beispielsweise unlängst ein stolzer Besitzer eines nagelneuen SUV, also eines dieser Hightech-Vorstadtpanzer, in eine Waschanlage in München. Weitgehend war das gute Stück danach sauber. Leider auch kaputt. Ob der Fahrer deshalb völlig ausgerastet ist, ist nicht bekannt. Aber man kann schon verstehen, dass er das Amtsgericht München um Rat gefragt hat, wie es sein kann, dass eine serienmäßige Waschanlage ein serienmäßiges Auto zerbeult.

Das Amtsgericht fand das auch nicht sauber und verurteilte den Waschanlagenbetreiber zu einer Schadenersatzzahlung. Doch der ging in Berufung zum Landgericht München I und bekam Recht: Gerade weil es sich um eine ganz normale 08-15-Waschanlage handelt, trifft den Betreiber keine besondere Aufklärungspflicht, wenn ein Auto in Größe und Form mal aus der Reihe tanzt. Etwas anderes gilt nur dann, wenn ihm das Problem schon vorher bekannt ist. Na ja: Jetzt weiß er es! (Az. 31 S 2137/17).

Ein ganz ähnliches Problem hatte ein Mann, der den Stolz auf seinen Toyota durch einen mächtigen Heckspoiler verdeutlichen wollte. Und damit die ganze Sache auch sauber wirkte, gönnte er dem optisch rasanten Gefährt ein wenig Waschanlagen-Wellness. Vorne fuhr der Spoiler rein. Hinten fiel er ab. 700 Euro Schaden verlangte der solcherart in seinem Selbstbewusstsein verstümmelte Kläger beim Amtsgericht Haldensleben vom Anlagenbetreiber. Doch auch daraus wurde nichts: Solange die Anlage den üblichen Standards entspricht und ordentlich gewartet wird, hat der Betreiber nichts falsch gemacht. Außerdem wisse doch jeder, dass Aufbauten in einer Waschanlage ein schlimmes Schicksal erwartet (Az. 17 C 631/ 10).

Ganz anders läuft die Sache scheinbar, wenn Frauen eine Waschanlage benutzen, so beispielsweise bei diesem Fall aus Paderborn: Das Auto der Klägerin wurde auf einem Fließband durch die Reinigungsstraße geschleppt und obwohl das vorausfahrende Auto steckenblieb, lief das Band weiter. Die Frau hupte sogar noch, doch man hatte in der Waschanlage Personal gespart und niemand reagierte. Also krachte es. Wer haftet? Der Betreiber, sagt das Landgericht Paderborn. Für solche Fälle brauche es eine Sicherheitsabschaltung oder wachsames Personal (Az. 5 S 65/ 14). Was lernen wir daraus? Frauen in die Waschanlagen, Männer ins Wohlfühlschlammbad? Warum nicht…

Weitere Teile der Rechtskolumne von Rechtsanwalt Geeodo Paprotta lesen Sie hier.

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