mz_logo

Region Neumarkt
Donnerstag, 25. Mai 2017 18° 3

Erfahrungsbericht

Wenn das Internet zu einer Sucht wird

Christoph und Christine Hirte erlebten beim eigenen Sohn, welche Folgen die Onlinespielsucht haben kann. In Berngau berichteten sie davon.
von Michael Schrafl

Mit diesem Aufbau versuchten Christine und Christoph Hirte, die Gefahren von übermäßiger Internetnutzung zu verdeutlichen. Foto: Schrafl

Berngau.„Süchtig ist, wer das Internet nicht in sein Leben integriert, sondern sein Leben dem Internet anpasst“. Dies sagte Christoph Hirte bei einem Informationsabend zum Thema „Exzessive Mediennutzung und ihre Folgen. Eine Zeitreise“ im Berngauer Hof. Laut Sucht- und Drogenbericht der Bundesregierung gab es 2011 in Deutschland bis zu 2,8 Millionen Onlinesüchtige und ebenso viele Gefährdete – vor allem unter Kindern und Jugendlichen.

Hirtes Appell an die Eltern: Wir dürfen nicht länger wegsehen, wenn wir Verantwortung in unserem Umfeld tragen wollen. „Das machen doch jetzt alle“ darf nicht als Argument dafür herhalten, dass so viele – vor allem so viele Kinder – in der virtuellen Welt verloren gehen.

Am Donnerstag referierte das Ehepaar Christine und Christoph Hirte aus Gräfelfing vor aufmerksamen Jugendlichen an der Mittelschule. Offen und authentisch erzählten die Hirtes von ihrer leidvollen persönlichen Erfahrung. Sie waren plötzlich damit konfrontiert, dass ihr ältester Sohn der Onlinespielsucht verfallen war und sich damit ihr Familienleben von einem Tag auf den anderen radikal veränderte. Trotz Selbstvorwürfen und der Frage „Was haben wir nur falsch gemacht?“, haben die Eltern nicht kapituliert, sondern beschlossen, den Kampf gegen diese Sucht aufzunehmen. Sie riefen die Elterninitiative „rollenspielsucht.de“ ins Leben und gründeten den Verein „Aktiv gegen Mediensucht“.

In eigener Wohnung verwahrlost

„Die Erkenntnis, dass unser damals 22-jähriger Sohn nach einem guten Abitur sein Informatikstudium aufgab und lieber „World of Warcraft“ spielte, all seine Zeit fast ausschließlich vor dem Computer verbrachte, all seine Sozialkontakte abbrach und in seiner Wohnung verwahrloste, dass ihm nichts anders mehr interessierte als dieses Rollenspiel im Internet, das war für die ganze Familie eine niederschmetternde und äußert erdrückende Erfahrung“, erzählten die beiden.

Um andere darüber zu informieren, was passieren kann, wenn jemand die Kontrolle über seine PC-Nutzung und damit oft auch die Kontrolle über sein Leben verliert, beschlossen sie, mit ihrer Geschichte an die Öffentlichkeit zu gehen. „Wir sind der Meinung, umfassend informiert zu sein, schützt und kann verhindern helfen.“

Christoph Hirte: „Uns wird suggeriert, dass die uneingeschränkte Nutzung von Spielen mit hohem Suchtpotenzial und die exzessive Nutzung von sogenannten sozialen Netzwerken notwendig und nicht verhinderbar seien.“ Nicht zu unterschätzen sei das hohe Abhängigkeitspotenzial der Browser-Spiele und der Sozialen Netzwerke. Zudem gebe es im Gegensatz zur realen Welt im Internet keinen Kinder- und Jugendschutz.

Mehr Gefahren als nur Spielsucht

Der Computer gehöre mittlerweile selbstverständlich zum Lebensalltag, „doch es ist nach unserer Überzeugung ein großer Unterschied, ob man ihn als äußerst sinnvolles Werkzeug benutzt oder ihn übermäßig als Spielzeug oder zum chatten missbraucht“, so Hirte.

Tatsache sei, dass immer mehr Grundschulkinder bereits allein und unbeaufsichtigt unbegrenzt im Internet aktiv seien. Neben der Spielsucht bedrohten auch die Chatsucht, Cybermobbing, Gewaltspiele, Pornografie, Sekteneinflüsse, Nazipropaganda und anderes die jungen Menschen. „Kinder und Jugendliche sind noch nicht in der Lage, sich eigenständig vor problematischen Inhalten und vor der Zeitfalle zu schützen“, sagte das Ehepaar, das daraus schlussfolgerte: „Medienkompetenz beginnt mit Medienabstinenz“.

Die Kommentarfunktion steht exklusiv unseren Abonnenten zur Verfügung. Als Abonnent melden Sie sich bitte an oder registrieren Sie sich. Alle anderen Nutzer finden preiswerte Angebote in unserem Aboshop.

Anmelden Registrieren Zum Abo-Shop

Anmelden

Hinweis: Bitte schützen Sie Ihr Konto auf öffentlichen Geräten, indem Sie sich nach der Nutzung im Profil-Bereich abmelden.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht