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Region Neumarkt
Mittwoch, 24. Januar 2018 5

Alkohol

Wenn die Weihnachtsfeier eskaliert

Auf Firmenpartys soll laut Klischees viel getrunken und geflirtet werden. Auch Neumarkter Unternehmen geben ordentlich Gas.
Von Bernhard Neumayer

  • Wenn der ein oder andere Schnaps zu viel getrunken wird, kann es kritisch werden. Foto: Axel Heimken/dpa
  • Alkohol sollte man nur in Maßen genießen. Foto: Wavebreak Media/dpa

Neumarkt.Ein paar Bierchen zu viel auf der Weihnachtsfeier, ab sofort mit dem Chef per Du oder gar ein Flirt oder ein One-Night-Stand mit der Kollegin aus der Marketingabteilung? Das sind die Klassiker, die auf Firmenfeiern im Advent klischeehaft vorkommen sollen. Auch bei Neumarkter Unternehmen geht es auf Weihnachtsfeiern teilweise hoch her. Firmenchefs und Wirte plaudern aus dem Nähkästchen.

„Bei uns kann jeder so viel trinken und saufen wie er will“, ist Johann Pröpster, der Senior-Chef der Blitzschutzfirma ganz offen. „Bei uns werden da keine Grenzen gesetzt.“ Wenn seine Mitarbeiter ein Jahr lang erfolgreich gearbeitet haben, könnten sie sich auf der Firmenfeier auch ordentlich betrinken. „Essen und Trinken bezahlt zu 100 Prozent die Firma“, sagt Pröpster, der aber darauf achtet, dass keiner seiner Mitarbeiter alkoholisiert nach Hause fährt. „Wir bezahlen auch Taxis“, sagt er. Betrunken solle keiner mehr Auto fahren. Pröpster gibt zu: „Gesoffen wird schon sehr.“

„Bei uns kann jeder so viel trinken und saufen wie er will.“

Firmenchef Johann Pröpster

Das bestätigt Heike Kirsch. „Bei Weihnachtsfeiern mache ich einen höheren Schnaps- und Bierumsatz, als bei einem normalen Firmentreffen“, sagt die Pächterin des Oberen Ganskellers. Sie hat den Eindruck, dass bei der Weihnachtsfeier die Last des ganzen Jahres abfällt. „Das Verhältnis zwischen Chef und Mitarbeitern ist viel lockerer als in der Arbeit“, beobachtet sie, wenn sie ihre Gäste bedient.

„Feucht-fröhlich“ seien die meisten Weihnachtsfeiern. Doch vor zwei Jahren hat Kirsch in ihrer Gaststätte etwas Besonderes erlebt. Zu einer Firmenfeier war ein Nikolaus geladen. Doch zuvor sei dieser noch bei einer anderen Versammlung gewesen. „Die haben den dort so abgefüllt, dass er nicht mehr in den Oberen Ganskeller kommen konnte.“, erzählt sie.

Praktikant führte sich auf

Besinnlicher geht es dagegen bei der Firma Pfleiderer zu, sagt Eva-Maria Janka, die für die Öffentlichkeitsarbeit des Unternehmens zuständig ist. „Im Wirtshaus wird wohl eher mal ein Schnaps ausgegeben als im Arbeitsgebäude“, meint sie. Die Weihnachtsfeier der Pfleiderer-Verwaltung findet im Showroom der Firma statt. „Da rennt der Chef bestimmt nicht mit den Schnapsflaschen herum“, sagt Janka. Eskapaden vergangener Jahre aufgrund von Alkohol seien ihr nicht bekannt. Doch eine Freundin erzählte ihr eine lustige Geschichte über Firmenweihnachtsfeiern. „Da hat ein Praktikant mit der großen Kelle die Suppe aus dem Topf gegessen.“ Die Firma habe das Praktikum daraufhin beendet.

In diesem Video gibt Benimm-Experte Moritz Freiherr Knigge Tipps, wie man sich am besten verhält:

Knigge gibt Tipps.

Dass es auf Weihnachtsfeiern ordentlich zugeht, weiß auch Sabine Tischner, die Junior-Chefin des Gasthofs Knör in Berg. „Bei solchen Veranstaltungen geht es bei uns im Wirtshaus richtig rund“, berichtet sie. Es werde schon sehr viel getrunken. „Manche Unternehmen wollen mit Gutscheinen das Trinken im Rahmen halten“, erzählt Tischner. „Wäre für die Mitarbeiter alles kostenlos, würde es völlig ausarten.“

Das Gutschein-System wendet das Neumarkter Rathaus an, wenn ihre Mitarbeiter den Jahresausklang feiern. Nicht aber, weil der Alkoholkonsum sonst ausarte, wie der städtische Pressesprecher Dr. Franz Janka erzählt. „Bei uns geht es besinnlich zu, mit Musik, Reden, Essen, Ehrungen und Verabschiedungen“, sagt er. Peinliche Eskapaden auf der Feier oder unangenehme Situationen am nächsten Tag im Rathaus habe Janka noch nicht mitbekommen. Auch nicht, dass ein Amtsleiter, der eigentlich gesiezt werden will, plötzlich von einem jungen Kollegen mit „Du“ angesprochen wurde.

Benimm-Experte Moritz Freiherr Knigge Foto: Philipp von Ditfurth/dpa

Grundsätzlich rät Benimm-Experte Moritz Freiherr Knigge dazu, jedes „Du“, das betrunken abgemacht wurde, wieder zu vergessen. Es sei situationsabhängig, wie man am besten damit umgehen soll. Wenn der Chef das „Du“ in einem normalen, nicht betrunkenen Zustand anbiete, solle man es annehmen. „Ist man sich am nächsten Tag im Büro unsicher, kann man den Chef auch noch einmal fragen“, rät Knigge, der seine eigene Firma in Düsseldorf mit dem Schwerpunkt „Mensch bleiben – wie wir besser miteinander klarkommen“ führt.

Amt beim Duzen sehr locker

Das Problem des Siezens haben die meisten Mitarbeiter am Landratsamt nicht, wie Sprecher Michael Gottschalk sagt. Insgesamt sei die Stimmung untereinander sowieso locker. Viele würden sich duzen. „Und wenn einem ein ‚Du‘ statt einem ‚Sie‘ auf der Weihnachtsfeier rausrutscht, würde die Welt auch nicht untergehen“, sagt Gottschalk.

Beim Neumarkter Klinikum oder auch bei Max Bögl findet gar keine große gemeinsame Weihnachtsfeier statt, weil es jeweils zu viele Mitarbeiter wären, wie beide mitteilen.

Den Fettnäpfchen und Gefahren einer Firmenweihnachtsfeier umgehen die Mitarbeiter so ganz einfach.

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