mz_logo

Region Neumarkt
Samstag, 16. Dezember 2017 5

Tiere

Zoo wird wohl ein Fall für die Justiz

Die Tierschutzorganisation Peta erstattet nach eigenen Angaben Anzeige gegen die Betreiber des Neumarkter Jura-Zoos.
Von Johannes Heil

Tierrechtler kritisieren die Haltungsbedingungen im Neumarkter Jura-Zoo. Foto: Endlein

Neumarkt.Der Streit um den Neumarkter Jura-Zoo schlägt immer höhere Wellen. Nun hat sich auch die Tierschutzorganisation Peta in die Debatte um vermeintliche Missstände eingeschaltet. Nach eigenen Angaben hat die Tierrechtsorganisation Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth gegen die Betreiber des Jura-Zoos erstattet. In der 16-seitigen Strafanzeige würden acht verschiedene Tierhaltungen beanstandet, heißt es in einer Pressemitteilung. Grundlage für den Vorstoß sei das Videomaterial der Aktionsgruppe Tierrechte Bayern, das die vermeintlichen Missstände aufzeige, und das auf Facebook für große Aufregung gesorgt hatte. Eine Überprüfung durch das Veterinäramt hatte daraufhin „kleinere Mängel“ zutage gefördert.

In der Pressemitteilung von Peta heißt es weiter: „Die Auswertung durch Biologen und Juristen der Tierrechtsorganisation ergab, dass den Tieren durch die mangelhaften Haltungsbedingungen erhebliche und länger anhaltende Leiden zugefügt werden – damit ist der Tatbestand der Tierquälerei (...) erfüllt.“ Die Aktionsgruppe Tierrechte Bayern hatte in ihrem Facebook-Post von „verletzten Vögeln, verhaltensgestörten Affen, verdreckten Böden und stinkenden Wasserkloaken“ gesprochen. Peta fordert nun seinerseits die Schließung des Jura-Zoos durch die Behörden und die Überführung der Tiere in „Auffangstationen und andere geeignete Einrichtungen“.

„Typisches Bild einer Überforderung“

Tierschützer fordern eine Schließung des Zoos. Foto: Endlein

„Im Jura-Zoo zeigt sich das typische Bild einer Überforderung mit der Tierhaltung. Verdreckte und viel zu kleine Gehege, verletzte und verhaltensgestörte Tiere sowie teilweise verfallene Bauten – die Behörden hätten hier schon längst einschreiten müssen“, so Peter Höffken, Fachreferent für Tiere in der Unterhaltungsbranche bei Peta.

Hier finden Sie Informationen zum Tierschutz in Deutschland:

Tierschutz im Gesetz

  • Grundgesetz:

    Der Schutz von Tieren ist seit 2002 auch Staatsziel und nach Jahre langen Diskussionen in der Politik schließlich im Grundgesetz verankert worden.

  • Artikel 20a GG:

    „Der Staat schützt auch in Verantwortung für die künftigen Generationen die natürlichen Lebensgrundlagen und die Tiere im Rahmen der verfassungsmäßigen Ordnung durch die Gesetzgebung und nach Maßgabe von Gesetz und Recht durch die vollziehende Gewalt und die Rechtsprechung.“

  • Kritik:

    Der Deutsche Tierschutzbund bemängelt, dass der Bundesgesetzgeber es bis heute versäumt habe, ein Tierschutzgesetz zu erlassen, das dem Staatsziel Tierschutz entspreche und es konkret ausgestalte. An grundlegenden Missständen in der industriellen Massentierhaltung, in Forschung, Zoo und Zirkus oder auch im Heimtierbereich habe sich bis heute wenig geändert.

  • Tierschutzgesetz:

    Grundsätzlich regelt den Umgang mit Tieren das Tierschutzgesetz. Danach dürfen einem Tier nicht ungerechtfertigt Schmerzen, Leiden oder Schäden zugefügt werden. Die Tierhalter sind verpflichtet, im Interesse des Wohlbefindens der Tiere die jeweils geltenden Vorschriften einzuhalten. Deren Einhaltung kontrollieren insbesondere die Veterinärämter.

Der Betreiber des Jura-Zoos, Dieter Pelech hatte sich gegen die Vorwürfe gewehrt: Die Aufnahmen der Tierschützer verzerrten die Realität, sein Zoo stünde in einem schlechten Licht da. Doch nicht nur die Tierrechtler von Peta kritisieren die Betreiber des Jura-Zoos massiv, auch die Aktionsgruppe Tierrechte Bayern, die den Stein ins Rollen gebracht hatte, hält an ihrer Kritik fest. Nach eigenem Bekunden habe sie am Donnerstag Post von Pelechs Anwälten bekommen, die die Tierschützer dazu auffordere, die „bewusst falsche Berichterstattung“ über den Jura-Zoo zu unterlassen und ein Facebook-Video, das die Gruppe im Zoo gemacht hatte, zu entfernen. Auf Anfrage unseres Medienhauses bestätigt Betreiber Dieter Pelech dieses Vorgehen.

Demonstration am Sonntag

Auch die Haltungsbedingungen für Affen stehen in der Kritik. Foto: Endlein

„Wir werden uns sicherlich nicht mundtot machen lassen“, entgegnet Simon Fischer von der Aktionsgruppe auf das Schreiben der Anwälte. In besagtem Facebook-Video sei nichts verfremdet worden. „Seltsam, dass man den juristischen Weg nimmt, und nicht mit uns spricht.“ Man habe abermals vergeblich versucht, den Betreiber per E-Mail zu erreichen und Hilfe anzubieten. Eine für Sonntag geplante Demonstration soll wie geplant stattfinden. Ab 13.30 Uhr wollen die Tierschützer beim Rathaus auf die vermeintlichen Missstände im Jura-Zoo aufmerksam machen.

Hier finden Sie weitere Nachrichten aus Neumarkt und Umgebung.

Umfrage

Soll der Jura-Zoo wirklich geschlossen werden?

Die Kommentarfunktion steht exklusiv unseren Abonnenten zur Verfügung. Als Abonnent melden Sie sich bitte an oder registrieren Sie sich. Alle anderen Nutzer finden preiswerte Angebote in unserem Aboshop.

Anmelden Registrieren Zum Abo-Shop

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht