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Region Neumarkt
Samstag, 16. Dezember 2017 10

Theater

Zugabe für Josef Rödls Demenz-Stück

„Tage wie Nächte“ des Darshofener Regisseurs wird in einer neuen Münchner Spielstätte gezeigt. Er hält es aktueller als 2009.
Von Lothar Röhrl

Josef Rödl (links) und Thomas Meinhardt: Das Foto zeigt den Regisseur und seinen einzigen Schauspieler, der aber mehrere Personen darstellt, bei der Probe am vergangenen Mittwoch auf der Bühne des „Zentraltheaters“ in München.Foto: Rödl

Darshofen.Josef Rödl bringt sein Theaterstück „Tage wie Nächte“ ab kommenden Dienstag wieder auf eine Münchner Bühne. Er zeigt sich in einem Gespräch erstaunt, wie aktuell es geworden ist. Dabei hatte es schon im Frühjahr 2009 seine Premiere. Das von ihm geschriebene Stück über „Demenz“ sei acht Jahre später gar noch aktueller als damals: „Das Bewusstsein, dass es diese Krankheitsgruppe (Anmerkung der Redaktion: Alzheimer ist laut Statistik mit 60 Prozent die am weistesten verbreitete Demenzform) gibt, hat enorm zugenommen.“

Ein Realist spiegelt die Welt wider

Schon in den Zeiten, als er hauptsächlich im Genre „Film“ unterwegs war, entsprach es seinem Selbstverständnis: „Ich bin ja Realist.“ Das sei bei seinem Debüt-Werk „Albert – Warum?“ 1978 schon so gewesen, dann später bei den drei „Tatort“-Folgen und zuletzt bei der Zusammenarbeit mit Kabarettist Frank Markus Barwasser alias „Erwin Pelzig“. Für dessen aktuelles Bühnenprogramm „Weg von hier“ (Gastspiele unter anderem am 8. Juni 2018 in der Stadthalle Hilpoltstein sowie 27. bis 29. Juni Tafelhalle in Nürnberg) hatte Josef Rödl die Regie übernommen. „Ich verstehe mich nicht auf Fantasmen“, sagte uns Rödl dazu.

Er wolle lieber über „unser aller Leben“ Filme oder Theater-Stücke verfassen. Und damit auch über die Endphase dieses Lebens. Wenn Menschen mit der Einsamkeit in ihrem Alter und vor allem wegen ihrer Krankheit „Demenz“ zurechtkommen müssen.

Seit immer öfter bekanntgeworden sei, dass auch Prominente an Demenz erkrankt seien, habe das Thema in der Öffentlichkeit eine größere Aufmerksamkeit erreicht. Rödl stellte dazu fest: „Demenz ist, wenn sich Gewohnheiten auflösen und die eigene Wahrnehmung schrumpft. Wenn das Leben sich allein nicht mehr mit Intellekt, mit Emotion, mit Erkenntnis oder mit Fühlen regelt.“ Und es gehe vor allem um das Eingeständnis eines jeden Menschen, dass auch er in die Lage kommen könne, in der eine Krankheit ihm die Kontrolle über sein Leben verlieren lässt.

Genialer Thomas Meinhardt

So präsentierten sich 2009 Josef Rödl (r.) und sein Solo-Darsteller Thomas Meinhardt vor dem Plakat des Stückes im Münchner Metropoltheater. Archivfoto: Röhrl

Das hatte Josef Rödl als Handlung und Text für sein Stück verarbeitet. Nach vielen Jahren des Schreibens von Drehbüchern für Filme hatte er sich vor fast zehn Jahren erstmals mit dem Theater beschäftigt. Und mit Thomas Meinhardt einen genialen Schauspieler für das Umsetzen eines Stücks gefunden, bei dem auf der Bühne eineinhalb Stunden lang nur eine Person agiert. Der Schauspieler schlüpft durch immer wieder verändertem Einsatz von Stimme, Körperhaltung, Mimik und Gestik in insgesamt sieben Personen.

Tagblatt-Redakteur Lothar Röhrl hat sich Josef Rödl unter anderem über den Zustand des politischen Kabaretts in Deutschland unterhalten:

Wir haben uns mit Josef Rödl unter anderem über den Zustand des politischen Kabaretts in Deutschland unterhalten. Video: Lothar Röhrl

In den Kritiken kam die Herangehensweise Rödls an das Thema genauso gut an, wie die Art und Weise, wie Thomas Meinhardt das bewerkstelligt hatte. Im Münchner Merkur hieß es dazu: „Rödls Glücksfall ist Thomas Meinhardt – und sein Glücksfall, dieses Stück von ihm allein spielen zu lassen. So birgt fast jede noch so kleine Drehung des Schauspielers eine Verwandlung – in Mutter, Sohn, Vater oder Ehemann – und ein ständiges großartiges Changieren.“

Übrigens: Diese Produktion des in München-Freimann gelegenen „Metropol-Theaters“ hatte 29 Aufführungen erlebt. Immer wieder war das Stück aufgrund des Zuspruchs neu in den Spielplan dieser Bühne aufgenommen worden. Zudem hatte es Gastspiele im Turmtheater Regensburg gegeben. Das war eine Verbeugung vor der aus Regensburg stammenden Dramaturgin Eva Sixt. Mit ihr verbindet Rödl eine langjährige Zusammenarbeit bei Theaterproduktion in dieser Stadt. In Regensburg war auch eine Kammeroper-Version von „Albert – Warum?“ zu sehen. Außerdem wurde „Tage wie Nächte“ 2009 auf Einladung der Alzheimer Gesellschaft der Oberpfalz aufgeführt.

Am vergangenen Dienstag haben die Endproben auf der Bühne des „Zentraltheaters“ begonnen. Acht Tage später, also am kommenden Dienstag, ist die sogenannte „Übernahme-Premiere“ des Stücks. Dieser Fachbegriff bezieht sich darauf, dass das Stück von der Bühne in München-Freimann mitten in die Münchner City wechselt.

Josef Rödl stellte im Gespräch mit dem Neumarkter Tagblatt fest, dass damit auch eine neue Ära in seinem Schaffen begonnen habe. Denn mit diesem kleinen Theater in der Paul-Heyse-Straße 28 nahe dem Münchner Hauptbahnhof könne er sich noch mehr als diese erste Zusammenarbeit vorstellen.

Unterstützung für kleine neue Bühne

Ihm gefalle der engagierte Ansatz der neuen Bühne. Das Attribut „neu“ bezieht sich aber nur darauf, dass diese Bühne erstmals für öffentlich-zugängige Produktionen zur Verfügung steht. Bislang war sie „Studiobühne“ einer Schauspielschule. Mit Gastproduktionen, zu denen „Tage wie Nächte“ gehört, und auch mit Eigenproduktionen wolle der Neuling in der Münchner Theaterlandschaft eine dreijährige Phase der Bewährung meistern. Denn nach dieser Zeitspanne könne die Anerkennung als „gutes, anspruchsvolles und künstlerisch-wertvolles Theater“ erfolgen. Und das ist gleichbedeutend mit dem Erreichen einer stärkeren öffentlichen finanziellen Förderung.

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