Die Managerin und der Komponist
Ursula Lindl und Berchings Altbürgermeister Rudolf Eineder setzten das ehrgeizige Gluck-Projekt mit viel Professionaltität um
Ursula Lindl und Rudi Eineder an der Gluck-Harfe in Erasbach.
BERCHING Wenn Christoph Willibald Gluck heutzutage leben würde, hätte er einiges mehr mit Ursula Lindl gemeinsam als die Tatsache, dass beide in Berching geboren wurden. Beide vereint, dass sie es außerhalb der Mauern Berchings „zu Etwas“ gebracht haben. Gluck hat bekanntlich als Komponist Karriere gemacht, Lindl ist eine der wenigen deutschen weiblichen Topmanagerinnen. Und sie nutzt ihre Talente in ihrer kaum vorhandenen Freizeit, um ihrem Heimatstädtchen zu zeigen, was es heißt, aus einer Idee erst ein Projekt zu machen und dieses dann umzusetzen.
Natürlich geht es um Gluck. Der gilt in seiner Geburtsstadt derzeit nicht viel mehr als ein beliebiger Heimatdichter oder Maler, nicht als jemand , den man sich sichtbar auf seine Fahnen schreibt. Das Museum findet eher zufällig findet, als dass man gezielt hingeführt wird. Im Gästebuch allerdings finden sich Einträge von Musikkennern, die sich erstaunt über die Existenz des Museums und der modernen Multimediapräsentation äußern. Es gibt einen Gluckwanderweg zwischen seinem Geburtsdorf Erasbach und Weidenwang, dem Dorf in dem er am 4. Juli 1714 getauft wurden. Auf dem Feld- und Waldweg stehen hölzerne Informationstafeln mit Texten und Bildern über Glucks Leben, die in freier Flur eher bizarr wirken.
In der Welt der Musik wird Gluck hingegen zunehmend wichtiger. In Nürnberg erklärt man den Oberpfälzer kurzerhand zum Franken und spielt seine Werke im großen Stil innerhalb der Gluck-Festspiele. Kürzlich sorgte eine Gluck-Oper, gespielt in einer Tiefgarage, für massenhaft Publikum und Aufmerksamkeit. Internationale Bühnen bereiten sich intensiv auf den 300. Geburtstag Glucks vor und auch in diesem Jahr werden seine Werke mit zunehmender Präsenz in der näheren und weiteren Umgebung veranstaltet.
Die Kluft zwischen Glucks Bedeutung in der Welt der Musik und wie ihn hingegen die Berchinger wahrnehmen, ist groß. Und das lässt Ursula Lindl keine Ruhe.
Hinzu kommt, dass auch Lindl nicht nur in der Welt der Wirtschaft, sondern auch der Musik zu Hause ist, sie kann neben anderen auch ein abgeschlossenes Musikstudium aufweisen. Sie sieht den nahenden 300. Geburtstag Glucks als große Chance, ihre Heimatstadt aus der Image-Ecke „Kleinod des Mittelalters“ zu holen und stattdessen die zauberhafte Kulisse als Bühne für künftige moderne Festivals zu nutzen. Bei Berchings Altbürgermeister Rudolf Eineder brauchte sie keine Überzeugungsarbeit zu leisten. Denn Eineder ist nicht nur Musikliebhaber, sondern hat sich bereits intensiv mit Gluck und seinem Leben beschäftigt, und bekommt von außerhalb große Anerkennung, erst kürzlich wurde er sogar zum Präsidenten der Internationalen Gluck-Gesellschaft Salzburg ernannt.

