Dürer-Porträt entzweit die Historiker
Der Streit um die Ausleihe des Bildes von München nach Nürnberg hat eine alte Debatte neu entfacht.
Das Foto zeigt das Selbstbildnis von Albrecht Dürer.
Nürnberg. Für Joachim Kalb vom Fränkischen Bund ist der Fall längst entschieden: „Das Dürer-Bild ist gewissermaßen als Hehlerware auf betrügerische Weise an das Haus Wittelsbach gelangt“. Seit die Alte Pinakothek in der bayerischen Landeshauptstadt sich weigert, das Dürer-Porträt „Selbstbildnis im Pelzrock“ für eine Ausstellung im Sommer nach Nürnberg auszuleihen, schießen Legenden über den Weg des weltberühmten Dürer-Werks von Nürnberg nach München ins Kraut.
Dass sich Kunsthistoriker in dem Streit bisher vergleichsweise bedeckt hielten, hat vor allem einen Grund: Die Quellenlage in der Frage, wie das Porträt in die damalige kurfürstliche Kunstsammlung in München gelangt war, sei vergleichsweise dünn, berichtet der Kunsthistoriker Daniel Hess vom Germanischen Nationalmuseum (GNM) in Nürnberg. „Das derzeit in der Münchner Pinakothek gezeigte Selbstbildnis ist im Laufe der Jahrhunderte immer wieder kopiert worden. Außerdem kann man nicht sicher sein, ob es sich bei den im Nürnberger Rathaus seit dem späten 16. Jahrhundert erwähnten Dürer-Selbstbildnissen tatsächlich immer um das heute in München verwahrte Bild gehandelt haben muss“, erläutert er.
Schriftliche Zeugnisse belegten, dass der Nürnberger „Rechtskonsulent“ (städtischer Rechtsreferent) Georg Gustav Petz 1805 nach München gereist war, um das Dürer-Porträt der Kunstsammlung des Hauses Wittelsbach anzubieten. Für rund 600 Gulden wechselte das Bild seinerzeit den Besitzer.
Dass sich seinerzeit der Kunstmaler Abraham Wolfgang Küffner (1760 bis 1817) in Begleitung von Petz befunden hatte, nährte schon bald Spekulationen über angebliche betrügerische Machenschaften. Denn Küffner galt in Nürnberg als windige Gestalt; schließlich hatte er 1807 für einige Jahre wegen Falschmünzerei in Haft gesessen.
Dabei wurden bis heute zwei Betrugs-Versionen überliefert. Die eine behauptet, Küffner habe sich das Original des „Selbstbildnisses im Pelzrock“ für eine Kopie ausgeliehen; statt des Originals habe er später seine Kopie der Stadt Nürnberg zurückgegeben und das Original der kurfürstlichen Kunstsammlung in München verkauft.
Geradezu den Stoff für einen Krimi bietet die zweite Betrugs-Version: Danach soll Küffner, um gar nicht erst Zweifel an seiner Kopie aufkommen zu lassen, die Rückwand der von Dürer bemalten originalen Lindenholztafel abgetrennt und darauf seine Kopie gemalt haben. Diese Version hätten, so macht Dürer-Experte Hess deutlich, moderne kunsttechnologische Verfahren widerlegt.


