Mädels treten brutal zu
Weil ein 22-jähriger Azubi auf ihre Freundin eingeschlagen hatte, übten zwei junge Frauen in Neumarkt Selbstjustiz – und wurden nun vor Gericht verurteilt.
Die 21-jährige Angeklagte ist kein unbeschriebenes Blatt: Die junge Frau war schon vorher einmal wegen gefährlicher Körperverletzung vor Gericht gestanden. Foto: dpa
Neumarkt. Der zweite Teil einer fiesen Schlägerei, die im Mai in der Nähe der Diskothek Berlin stattgefunden hatte, ist am Mittwochnachmittag vor Gericht verhandelt worden. Nachdem ein 22-jähriger Azubi seine Strafe bereits erhalten hat, standen dieses Mal zwei junge Damen, 16 und 21 Jahre alt, vor Richter Danny Schaller – sie hatten mit den Füßen auf den jungen Mann eingetreten.
Die Situation hatte sich kurz vor Mitternacht zugespitzt. Am Brunnen am Ende der Bahnhofstraße saßen drei Mädels. Als der 22-Jährige an ihnen vorbeiging, stürzte er sich auf eine von ihnen – sein Kumpel, ein 23-jähriger Kfz-Mechatroniker, versuchte noch, ihn zurückzuhalten, der 22-Jährige riss sich jedoch los und schlug auf das Mädchen ein. Sein Kumpel wollte retten, was zu retten war, zog den 22-Jährigen von dem Mädchen weg, warf ihn auf den Boden, setzte sich auf ihn und fixierte seine Hände am Boden, um ihn zu beruhigen.
22-Jähriger lag bereits am Boden
Zu diesem Zeitpunkt kamen auch die beiden Angeklagten zum Tatort. Die 16-jährige Schülerin hatte mitbekommen, dass der 22-Jährige auf ihre Freundin eingeprügelt hatte und trat ihn deswegen einmal mit dem Fuß gegen den Kopf – allerdings zu einem Zeitpunkt, als der 22-Jährige bereits von seinem Kumpel am Boden fixiert worden war, also „aus Wut und Rache“, wie Richter Schaller feststellte, nicht etwa aus Angst oder Notwehr.
Die 21-Jährige setzte noch einen drauf und trat zweimal mit dem Fuß zu: Einmal holte sie mit dem Fuß aus und trat den 22-Jährigen mit voller Wucht ins Gesicht, dann trat sie noch einmal von oben nach. Dass dem jungen Mann nicht mehr passierte als ein paar Schwellungen und Schmerzen, habe wohl zum einen an dem weichen Untergrund gelegen – der 22-Jährige lag auf Gras –, zum anderen sei es „reiner Zufall und Glück“, sagte Schaller.
Ab zum Anti-Aggressions-Training
Er glaube nicht, dass die beiden Mädchen zuvor darüber nachgedacht hätten, was dem jungen Mann alles passieren hätte können. Ihre Selbstjustiz und Brutalität sei „in keinster Weise zu tolerieren“.
Weil die 21-Jährige unter anderem schon einmal wegen gefährlicher Körperverletzung vor Gericht stand, verurteilte Richter Schaller sie wegen vorsätzlicher Körperverletzung zu einem Jahr Haft, ausgesetzt auf drei Jahre zur Bewährung. Außerdem muss sie 150 gemeinnützige Arbeitsstunden ableisten und an einem Anti-Aggressions-Training teilnehmen – bei ihr seien klar Tendenzen zu erkennen, die auf keinen guten Weg führten, sagte Schaller. Die 16-Jährige darf in einer Woche Dauerarrest über ihre Tat nachdenken.

