Mit Löwen auf Du und Du
Ludwig Löb ist Europas erster ausgebildeter Tierpfleger: Er war mit einem Elefanten in einem Waggon eingesperrt, kuschelte mit Affen und badete Eisbären.
Ludwig Löb mit zwei jungen Raubkatzen.
Nürnberg. Neulich war das ZDF da, vor kurzem die Süddeutsche Zeitung. Dass aus ihm einmal so etwas wie ein Medienstar werden würde, das hätte Ludwig Löb nicht für möglich gehalten, als er mit seiner Lehre als Tierpfleger im Tiergarten anfing. Das war 1949. Damals war er 14 Jahre alt – und ahnte nicht, dass er drei Jahre später der erste ausgebildete Tierpfleger Europas sein würde. Mit dem 100. Geburtstag des Tiergartens Nürnberg setzte auch das Interesse an seiner Person ein.
Dass er Tierpfleger werden würde, das war für Ludwig Löb seit seinem zwölften Lebensjahr klar. Damals befreite er einen Bussard aus einer Hecke – da sich der Vogel verletzt hatte, trug ihm sein Vater auf, ihn in einen Karton zu packen und mit der Straßenbahn zum Tiergarten zu fahren. Der Zwölfjährige tat, wie ihm geheißen – und der Zufall ergab, dass er im Betriebshof des Zoos dem damaligen Direktor Dr. Karl Birkmann über den Weg lief. Als dieser sah, welche Mühe sich der Junge gemacht hatte, sagte er zu ihm: „Du musst Tierpfleger werden.“
Dieser Satz ging Ludwig Löb nicht mehr aus dem Kopf – zwei Jahre später fing er gemeinsam mit einem weiteren Buben seine Lehre an. Eine Schule für diesen Berufsstand gab es damals nicht – den Unterricht der zwei Jungs übernahm der Tiergartendirektor persönlich. Ab und an gingen die beiden in die Klasse der Metzger und Bauern – in diesem Unterricht lernten sie unter anderem, wie ein Tierkörper von innen aussieht. Drei Jahre später legte Löb erfolgreich seine Prüfung ab und war fortan zehn Jahre als Springer mal in diesem, mal in jenem Revier, bevor er Anfang der 60er im Elefantenhaus landete.
Die wildesten Geschichten erlebte Ludwig Löb in seiner Zeit als Inspektor, als er regelmäßig Tiere transportierte. Die bleibendste Erinnerung ist die an einen 1. Mai irgendwann in den 70er-Jahren. Ludwig Löb fuhr nach Gelsenkirchen, um dort einen afrikanischen Elefanten abzuholen. Die Großtierhandlung brachte den Elefanten zum Rangierbahnhof – und ließ ihn dort mit einem Waggon, in dem ein Elefant in einer Kiste saß, zurück. Nach ein paar Stunden kam eine Lok, Ludwig Löb stieg in den Waggon. Der Lokführer schloss den Waggon von außen, damit er ihn an die Lok hängen und auf ein anderes Gleis ziehen konnte. Bevor er einstieg, sagte Löb noch halb im Scherz zu dem Lokführer, er solle danach bitte nicht vergessen, den Waggon wieder zu öffnen.

